BT-KOLUMNE
Sommerpause, Muri und Gutmensch

Unser Kolumnist Hans Oldani alias Jean zu missionarischem Verhalten

Hans Oldani*
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Murat Yakin alias Muri als neuer Naticoach beschäftigte unseren Kolumnisten von der Vorspeise bis zum Ende des Hauptganges.

Murat Yakin alias Muri als neuer Naticoach beschäftigte unseren Kolumnisten von der Vorspeise bis zum Ende des Hauptganges.

Keystone

Ich war mit meinen Sportsfreunden Walter und Andrew unterwegs. Das eine oder andere Bier hatten wir bereits in der Badener «Craftbier Stube» genossen. Eine gemütliche Stube übrigens, klein aber fein, in der Oberen Halde, wo man sich auch auf der Strasse dem Hopfentee widmen kann. Der Weg zum «Rebstock» war dann nicht mehr weit. Und da gab es auch etwas zu essen. Zum Glück nicht klein, aber sehr fein.

Unsere Partnerinnen waren an diesem Abend unabkömmlich, einer lockeren, angeregten Diskussion stand also nichts im Weg. Liebe Leserinnen, verstehen Sie mich nicht falsch: Der Gesprächsstoff wäre uns natürlich auch mit Damen in der Runde nicht ausgegangen. Wir sind nämlich lauter gutmütige Frauenversteher. Aber seien wir ehrlich: Reine Männerrunden sind hie und da ganz wohltuend, genauso wie rein weibliche. Nehme ich jedenfalls an, ich war ja noch nie dabei.

So, genug der Rechtfertigungen, kommen wir zur Sache. Wir besprachen komplexe Themen des täglichen Daseins. Die Sommerpause etwa, die ihrem Namen gerecht wurde: Der Sommer machte tatsächlich Pause. Oder die Wahl von Murat Yakin zum Fussball-Nationaltrainer. Die Abhandlung dieses Themas dauerte von der Vorspeise bis zum Ende des Hauptgangs. Fazit: Wir geben Muri eine Chance.

Und dann geschah es. Beim Besprechen des unvermeidlichen Covid-Themas nannte mich Sportsfreund Walter einen «Gutmenschen». In welchem Zusammenhang genau, weiss ich nicht mehr. Wie bitte? Ein Gutmensch? Im Sinn einer abwertenden und verunglimpfenden Bezeichnung, wie Andrew den Ausdruck erklärte? Ein Mensch, dem missionarisches Verhalten nachgesagt wird? Der auf dogmatische Art und Weise andere Vorstellungen und Ansichten ausschliesst?

Die Aufarbeitung dieses Themas nahm das ganze Dessert plus einige liquide Köstlichkeiten in Anspruch und endete damit, dass Walter als geübter Rhetoriker der Diskussion ein Ende setzte, indem er der charmanten Servierdame mitteilte, dass er die Bezahlung des konsumierten Weines übernehme. Ob ihn bezüglich «Gutmensch» ein klitzekleines schlechtes Gewissen plagte? Egal, eines ist sicher: Walter ist und bleibt ein guter Mensch.

*Hans Oldani alias Jean wohnt in Wohlenschwil. Er ist Autor des Buchs «Haben wir schon angestossen?» mit fast 50 Kolumnen.

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