Zum Tod von Fredy Hunziker
Ehemaliger Pöstler überstand achtwöchiges Coronakoma und lebte für die Stadtmusik

Jahrzehntelang hat Fredy Hunziker in Brugg und Windisch die Post verteilt. Nun ist er 67-jährig verstorben. In den letzten Wochen wurde er nachdenklicher. Gefreut hat er sich bis zuletzt, wenn Besucher ihren Hund mitbrachten und er den Vierbeiner streicheln konnte.

Claudia Meier
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Fredy Hunziker war Pöstler und «Zippo»-Sammler.

Fredy Hunziker war Pöstler und «Zippo»-Sammler.

Sandra Ardizzone (14. September 2016)

«Es geht langsam wieder besser», schrieb Fredy Hunziker am 3. Mai auf Facebook. Drei Wochen später lebte er nicht mehr. Für den in der ganzen Region bekannten Brugger war Facebook während vieler Jahre – als ihn gesundheitliche Probleme und seine Gehbehinderung zunehmend einschränkten – das Tor zu Aussenwelt.

Hier konnte sich der ehemalige Briefträger, der während 39 Jahren in Brugg und Windisch die Post verteilt hatte, unkompliziert mit der Bevölkerung über den jüngsten Klatsch und Tratsch austauschen, an Diskussionen teilnehmen und Fotos für seine aus selbsterstellte Jugendfest-Seite sammeln.

Einblick in die «Zippo»-Sammlung von Fredy Hunziker.

Einblick in die «Zippo»-Sammlung von Fredy Hunziker.

Sandra Ardizzone

Das Fotografieren in der Natur, von Fahrzeugen und Veranstaltungen sowie die Stadtmusik und das Sammeln von Hunderten Kult-Feuerzeugen der Marke «Zippo» gehörten zu seinen grossen Leidenschaften. Mit seinem blauen Töffli und einem Anhänger prägte er jahrelang das Stadtbild. Im Anhänger transportierte er nicht nur den Bass zu den Musikproben, sondern auch seine Gehhilfen.

Geduldiges Warten auf die Highlights des Jahres

Die Krücken wurden zu seinen ständigen Begleitern. Damit er bei Konzertbesuchen oder an Veranstaltungen dennoch gut fotografieren konnte, suchte er sich jeweils früh eine passende Sitzgelegenheit und wartete geduldig, bis es losging. So war das beispielsweise in der Büscheliwoche für das Konzert der Jugendmusik beim Erdbeeribrunnen am Dienstagabend und am Donnerstagmorgen für den Rutenzug oder für ein klassisches Konzert in der Stadtkirche.

Beim letzten Konzert der Jugendmusik vor dem Erdbeeribrunnen sass Fredy Hunziker am 2. Juli 2019 noch in der ersten Zuschauerreihe.

Beim letzten Konzert der Jugendmusik vor dem Erdbeeribrunnen sass Fredy Hunziker am 2. Juli 2019 noch in der ersten Zuschauerreihe.

Janine Müller

Fredy Hunziker war ein herzensguter Mensch, der mit seiner direkten Art zwar manchmal aneckte, aber die Wogen in der Regel schnell glätten konnte. Als er im Garten vor seinem geliebten Haus im Maiacker nicht mehr selber auf die Leiter steigen konnte, um die süssen Mirabellen zu pflücken, bot er die Früchte über Facebook an.

Im Garten von Fredy Hunziker in Brugg wachsen zwei wilde Mirabellenbäume.

Im Garten von Fredy Hunziker in Brugg wachsen zwei wilde Mirabellenbäume.

Janine Müller (23. August 2016)

Als Gegenwert reichte ihm ein Dank – oder ein Glas selbstgemachte Konfitüre. Es waren diese kleinen Aufmerksamkeiten, die Fredy Hunziker viel bedeuteten. Legendär waren auch die Grillabende auf dem Militärareal.

Ehrenmedaille für 50 Jahre Aktivmitgliedschaft

Im Herbst 2020 wurde es auch auf Facebook ruhig um Fredy Hunziker. Nach einem Spitalaufenthalt infizierte er sich mit dem Coronavirus, wurde ohnmächtig und lag im KSA acht Wochen lang im Koma. Es grenzte an ein Wunder, dass er die Coronainfektion trotz der Vorerkrankungen überstand. Künftig werde er zweimal im Jahr Geburtstag feiern, sagte Hunziker der AZ damals.

Im Jahr 2020 sollte der leidenschaftliche Bassist ausserdem an einem kantonalen Musiktag für 50 Jahre Aktivmitgliedschaft in der Stadtmusik Brugg zum «kantonalen Ehrenveteran» geehrt werden.

Fredy Hunziker (Mitte), hier ein Foto von 2019, gehörte der Stadtmusik Brugg seit April 1970 an und spielte Es-Bass und später auch B-Bass.

Fredy Hunziker (Mitte), hier ein Foto von 2019, gehörte der Stadtmusik Brugg seit April 1970 an und spielte Es-Bass und später auch B-Bass.

zvg

Wegen Corona wurde der Musiktag jedoch abgesagt. Auch eine spätere Übergabe klappte nicht auf Anhieb. Am 21. November 2021, als die Stadtmusik Brugg ihr 175-Jahr-Jubiläum im Campussaal feierte, kam Fredy Hunziker im Rollstuhl ans Konzert. Als ihm Präsident Walter Telser vor dem Publikum mit einer kurzen Ansprache die Ehrenmedaille endlich überreichen konnte, war der Geehrte sichtlich gerührt.

Fredy war das jüngste von drei Geschwistern und seit 2021 der einzig Überlebende. Die Amputation seines linken Fusses im Frühling war ein weiterer Tiefschlag. Und als sich die letzte Hoffnung zerschlug, je wieder in seinem Haus leben zu können, wurde er nachdenklicher. Im Pflegezentrum Süssbach verstarb er 67-jährig – gut fünf Wochen vor dem Jugendfest.