Windisch
Eine kleine Lok soll den grosszügigen Eingangsbereich von SBB Historic aufwerten

Was vor über 100 Jahren an der Landesausstellung in Bern zu bewundern war, soll nun in Windisch einen Ehrenplatz erhalten: Die Rede ist von der Akku-Lok, die in Fachkreisen «Tintenfisch» genannt wird. Nach dem Coronajahr zieht SBB Historic zudem eine erste Bilanz.

Claudia Meier
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Der Hauptsitz von SBB Historic an der Lagerstrasse in Windisch.

Der Hauptsitz von SBB Historic an der Lagerstrasse in Windisch.

Bild: Claudia Meier

Schotter und Gleisstücke sind bereit vor dem Eingang zum Gebäude von SBB Historic an der Lagerstrasse in Windisch. Jetzt fehlen nur noch die Hauptdarstellerin sowie ein Dach. Für Letzteres lag kürzlich ein entsprechendes Baugesuch bei der Abteilung Planung und Bau im Gemeindehaus Windisch auf. Beim Ausstellungsstück handelt es sich um eine Akku-Werkstatt-Lokomotive Ta Nr. 972.

Die Lok (in Fachkreisen liebevoll «Tintenfisch» genannt) befindet sich momentan noch im Depot Olten.

Die Lok (in Fachkreisen liebevoll «Tintenfisch» genannt) befindet sich momentan noch im Depot Olten.

Bild: zvg

An der Landesausstellung 1914 in Bern war dieses Fahrzeug, das im gleichen Jahr in der Werkstätte Olten gebaut worden war, ausgestellt. Im Verlauf der Jahre wurden verschiedene gebaut. Alle diese Akku-Traktoren waren dazu bestimmt, Wagenverschiebungen im Depotareal durchzuführen. «Um diese in Verbindung mit Schiebebühnen und Drehscheiben vorteilhaft einsetzen zu können, mussten sie besonders kurz gebaut werden», heisst es in der Dokumentation. Warum will SBB Historic nun ein solches Exponat in Windisch ausstellen?

Vor dem Umzug wird die Lok noch aufgefrischt

In Fachkreisen werde die kleine Lok liebevoll «Tintenfisch» genannt, stellt Sprecher Remo Lütolf gleich zu Beginn seiner Antwort klar. Bei der Gründung der Stiftung Historisches Erbe der SBB (kurz: SBB Historic) im Jahr 2001 sei der «Tintenfisch» übernommen worden. Lütolf ergänzt:

«Bisher kam diese Lok im Eisenbahndepot Olten für kleinere Rangierarbeiten zum Einsatz. SBB Historic hat ihre Fahrzeug-sammlung an insgesamt neun Depots in der ganzen Schweiz abgestellt.»

Das Depot in Olten sei dabei das grösste mit der umfangreichsten Fahrzeugsammlung. Mit dieser Lokomotive vor dem Geschäftssitz in Windisch will SBB Historic auch den Besucherinnen und Besuchern der Archive oder Vorträge die historische Eisenbahn näherbringen. Denn an der Lagerstrasse befinden sich neben dem Geschäftssitz auch noch die Objektsammlungen und die Bibliothek von SBB Historic, jedoch kein Rollmaterial.

«Um die Lokomotive vor der Witterung zu schützen, werden wir sie überdachen», so Lütolf. Die Baubewilligung für das Dach wird laut der Windischer Abteilung Planung und Bau in der nächsten Woche versandt. Vor dem Umzug wird die Lok noch aufgefrischt.

Mehr Anfragen und mehr Pläne reproduziert

Coronabedingt gingen im vergangenen Jahr sämtliche Besucherzahlen zurück. Der Sprecher betont: «Auch während der Sommermonate, in denen wir mit Anwendung von Schutzkonzepten wieder Fahrten und Führungen durchführen konnten und der Lesesaal geöffnet war, merkten wir eine gewisse Zurückhaltung der Kundschaft.» Insgesamt nahmen 578 Personen an 42 Veranstaltungen teil (2019 waren es 3117 Personen an 151 Veranstaltungen).

Dienstleistungen ohne persönliche Kontakte wie Archiv-Anfragen per Telefon oder E-Mail, Bibliotheksausleihen sowie reproduzierte Pläne für Kunden nahmen hingegen im vergangenen Jahr zu. In der Jahresrechnung 2020 zeichnet sich ein Verlust ab. Insbesondere der starke Rückgang des Chartergeschäfts (Miete von historischen Zügen für eine private Gesellschaft) sowie der Verkauf von Führerstandsfahrten auf historischen Loks hat gemäss Lütolf bei den Finanzen Spuren hinterlassen.

Die Mitarbeitenden waren nie in Kurzarbeit, denn es galt jederzeit einsatzbereit zu sein und die Fahrten aufgrund der langen Vorlaufzeit so zu planen, als ob sie stattfinden würden. Die Arbeiten in den Archiven und Sammlungen konnten wie gewohnt weitergeführt werden.

Wiedereröffnung Museum Aargau eröffnet im SBB-­Historic-Gebäude die Sonderausstellung «Von Menschen und Maschinen» am 26. März wieder. Sie dauert neu bis 31. Oktober 2021. Weitere Informationen finden Sie hier.