Brugg
Wie sieht künftig die Alters-Betreuung aus?

Gemäss Spitex-Geschäftsführerin fehlt ein Konzept, das die Betreuung der Bewohner der Alterswohnungen sicherstellt.

Janine Müller
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Die 54 Alterswohnungen, die bis im Mai 2018 im Hochhaus K realisiert werden, sind für die Bewohner der benachbarten Alterswohnungen, die später abgerissen werden, reserviert. jam

Die 54 Alterswohnungen, die bis im Mai 2018 im Hochhaus K realisiert werden, sind für die Bewohner der benachbarten Alterswohnungen, die später abgerissen werden, reserviert. jam

Janine Müller (jam)

Das Pflegezentrum Süssbach ist eingeweiht, die Bewohner sind eingezogen. Auf der anderen Strassenseite entstehen neue Alterswohnungen. All diese Menschen, die dort künftig untergebracht werden, verlangen nach individuellen Angeboten im Bereich Pflege oder Hauswirtschaft. Darum fordert Rebekka Hansmann, Geschäftsführerin der Spitex Region Brugg AG, ein Konzept «Service im Alter» in Brugg. Der Zeitpunkt, ein solches Konzept auszuarbeiten, sei mit dem Grossprojekt «Akkord» perfekt. «In einem solchen Konzept wird das Leistungsangebot definiert», sagt Hansmann.

Die Pflegeleistungen in den Alterswohnungen übernimmt zurzeit die Spitex Region Brugg AG. Die Betreuungssituation hat sich Ende Jahr 2016 verändert. Bis dahin lebte eine Betreuungsperson in den Alterswohnungen. «Sie hat sich bei Bedarf um die Bewohner gekümmert, hat sie unterstützt und Aktivitäten organisiert, die individuell genutzt werden konnten», sagt Hansmann. Diese Person ist Ende 2016 ausgezogen. Die entstandene Lücke muss nun ausgefüllt werden.

Es gibt keinen Monopolanbieter

Heinz Pulfer, Geschäftsführer der Schönegg AG, sagt dazu: «Seit dem 1. Januar 2017 können die Bewohner der Alterswohnungen individuell nach Bedarf sämtliche gewünschten Leistungen gegen Entschädigung von den verschiedenen Anbietern beziehen.» Anlaufstelle für sämtliche Leistungen sei die Süssbach Pflegezentrum AG, die mit der Verwaltung der Liegenschaften beauftragt wurde. Ansprechperson ist Heinz Pulfer.

Konzept «Service im Alter»

Gemäss Rebekka Hansmann, Geschäftsführerin der Spitex Region Brugg AG, fehlt es in Brugg an einem Konzept «Service im Alter». Dazu gehörten der Wäscheservice, der Mahlzeitendienst und Ähnliches, aber auch die Betreuungs- und Pflegeleistungen. In diesem Konzept soll definiert werden, wer die Leistungen erbringt und wie diese finanziert werden. Gemäss Hansmann kann ein solches Konzept vom Eigentümer selber erstellt werden. «Der Eigentümer kann dies aber auch an involvierte Organisationen wie das Pflegeheim Süssbach, die Spitex oder einen Drittanbieter delegieren», führt Hansmann aus. Wichtig zu wissen: Ein Pflegeheim darf keine Pflegedienstleistungen in Alterswohnungen erbringen. Umso wichtiger findet es Hansmann, dass jetzt reagiert wird und ein entsprechendes Umfeld geschaffen wird, damit die Menschen möglichst lange in den eigenen vier Wänden bleiben können. (jam)

«Um die Kosten zu senken, gibt es für sämtliche Leistungen keinen Monopolanbieter», betont Pulfer. «Jeder Mieter kann die gewünschten Leistungen beim günstigsten Anbieter mit der besten Leistung beziehen.» So könnten individuelle Pflegeleistungen bei Anbietern wie der Spitex, Home instead oder Pro Senioris bezogen werden. Damit sei sichergestellt, dass einerseits jeder Mieter frei entscheiden könne, welche Dienstleitungen er beziehen möchte, und andererseits bei welchem Anbieter. Pulfer sagt: «Die Schönegg AG hat gemeinsam mit der Süssbach AG ein Betreuungskonzept ausgearbeitet, das ungefähr dieselben Dienstleistungen anbietet wie das Alterszentrum zuvor.» Die Wunschvorstellungen der Spitex seien nicht finanzierbar.

Zudem besteht für die Alterswohnungen ein sogenanntes «à la carte»-Programm. Dieses beinhaltet das frei wählbare Dienstleistungsangebot der Hotellerie. Das sei ein wichtiges Angebot, bestätigt Rebekka Hansmann. Sie bemängelt aber, dass dies «nur ein Teil von ‹Wohnen mit Services›» sei. «Ein sehr wichtiger Teil sind Betreuungsleistungen», betont sie. Die Alterswohnungen richten sich an selbstständige Personen ab 65 Jahren. Hansmann führt aus: «Zwischen dieser Lebensphase und dem Übertritt in ein Pflegeheim gibt es aber eine wichtige und oft lange Zeit: die Phase der Teilselbstständigkeit.» 35 Prozent der Bewohner im Pflegeheim würden eine Stunde oder weniger Pflege pro Tag beziehen. Das sei eine teure Lösung – für die Betroffenen und die öffentliche Hand. «Will man diese Kosten besser steuern, müssen die Menschen mit tieferem Pflegebedarf, wenn immer möglich, in den eigenen vier Wänden leben», fordert Hansmann.

Isolation ist ein Problem

Dazu brauche es Wohnformen, die Pflege und Betreuung bieten. Dies müsse auch im Interesse der Gemeinden liegen. «Es ist wichtig, dass eine Bezugsperson vor Ort ist, auch nachts», führt die Spitex-Geschäftsführerin aus. Diese soll präventiv tätig sein und beispielsweise Kontrollbesuche bei sturzgefährdeten oder leicht verwirrten Personen machen sowie Beschäftigungsangebote organisieren. «Isolation ist ein grosses Problem im Alter», sagt Hansmann.

Klar, dass sie ihre Organisation ins Spiel bringt: «Die Spitex kann sich vorstellen, eng mit einem Betreuungsdienst zusammenzuarbeiten oder diesen selber anzubieten, auch nachts.» Es gäbe die Möglichkeit einer Spitex-Satellitenstation in den Alterswohnungen. Von da könnte die Spitex Betreuungs- und Pflegeleistungen sowie Beratungen für die Bewohner anbieten. «Die anderen Dienste wie Wäscheservice und Mahlzeitendienst bietet sinnvollerweise das Pflegezentrum an», so Hansmann. Dies könne auch mit Freiwilligen geschehen, «allerdings muss jemand die Angebote planen, koordinieren und steuern. Daneben muss das pflegerische Angebot sichergestellt sein.»

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