Windisch
«Verse zu machen ist Knochenarbeit, die brauchen viel Zeit»

Die Schnitzelbänkler Toni Hasler und Markus Bitterli treten in diesem Jahr bereits zum 15. Mal als «Galgevögel» im Brugger Salzhaus auf. Das Publikum darf gespannt sein, wen sie an dieser Fasnacht in ihren Versen auf die Schippe nehmen.

Nik Dömer
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Sobald die Schnitzelbänke feststehen, zeichnet Markus Bitterli in der Gemeinschaftswerkstatt passende Bilder.

Sobald die Schnitzelbänke feststehen, zeichnet Markus Bitterli in der Gemeinschaftswerkstatt passende Bilder.

Nik Dömer

Mit ihren Schnitzelbänken nehmen die «Galgevögel» alles aufs Korn, was im vergangenen Jahr für Schlagzeilen gesorgt hat. Ob Geri Müller, Ecopop oder den Zuger Sex-Skandal: In den letzten Monaten gab es definitiv genügend Gesprächsstoff, der sich zu einer Pointe eines vierzeiligen Verses formen lässt.

Schon bald beginnen die finalen Vorbereitungen des Schnitzelbank-Kollektivs «Galgevögel» aus Windisch. Schliesslich möchten sie auch dieses Jahr das Publikum im Brugger Salzhaus zum Lachen bringen.

Einer der zwei «Galgevögel» ist Markus Bitterli, der ursprünglich aus Basel stammt. Seine Leidenschaft zu Schnitzelbänken kommt daher nicht von ungefähr. Die Basler Fasnacht hat ihm schon immer imponiert. Auch heute noch besucht er jährlich Schnitzelbank-Auftritte mit seiner Frau Monika und Freunden, darunter auch «Galgevogel-Partner» Toni Hasler, um sich inspirieren zu lassen.

Zu Hause im Windischer Unterdorf in der Gemeinschafts-Werkstatt schaut er auf ein grosses, leeres Blatt. Er fragt sich, welche Melodie er nehmen soll, welche Themen beim Publikum gut ankommen und was für Bilder dazu passen. «Verse zu machen ist Knochenarbeit. Die brauchen viel Zeit», erklärt Bitterli. «Ich bin ein Perfektionist und feile lange an einem guten Vers. Ideen dafür schreibe ich mir im Dezember auf, wenn die ganzen Jahresrückblicke kommen.»

Humor spaltet die Gemüter

Rund einen Monat vor den Auftritten der «Galgevögel» fängt der 66-Jährige Markus Bitterli mit der Suche nach einer passenden Melodie für die Schnitzelbänke an. Dafür spielt er verschiedene Lieder auf seinem Flügel, der auf der Bühne durch eine Handorgel ersetzt wird. Anschliessend trifft er sich mit Toni Hasler in seinem Ferienhaus.

«Gemeinsam stellen wir so gegen die 20 Schnitzelbänke zusammen. Auf der Piste kommen mir immer die besten Einfälle», erzählt Bitterli. «Meine Frau ist bei der Auswahl der Verse wichtig. Oft ist die dritte Einschätzung entscheidend, da ich und Toni nicht immer gleicher Meinung sind. Humor kann schliesslich die Gemüter spalten.» Danach werden die Schnitzelbänke einem Testpublikum vorgespielt. Anhand der Reaktionen werden gleich nochmals zehn Verse gestrichen.

Am Ende soll die Mischung aus regionalen, nationalen und internationalen Themen stimmen. Sind die finalen Vierzeiler zusammengestellt, beginnt Markus Bitterli passende Bilder dazu zu malen. Zehn Jahre lang wurde er dabei von Silvia Hintermann-Huser unterstützt, einer selbstständigen Künstlerin. Nun hilft sein Nachbar Peter Rüegg mit.

Am Ende werden die Bilder an einen Helgen — eine Art Ständer, der auf der Bühne die verschiedenen Bilder illustriert — gehängt. Die Galgevögel präsentieren seit 2001 ihre Schnitzelbänke an der Brugger Fasnacht. Ihr Name steht für Galgenhumor und ist aus einer Vorgängergruppe, die sich «Algevögel» nannten, abgeleitet. Dort wirkte jedoch nur Markus Bitterli mit.

Genug von den Auftritten hat er noch lange nicht. «Ich geniesse die Action während der drei Tage im Salzhaus. Vor den Auftritten gönne ich mir jeweils ein Gläschen Wein, um die Nervosität zu lindern. Die ist nach all den Jahren geblieben», erzählt Markus Bitterli. «Das Publikum ist sehr kritisch und lässt uns wissen, falls wir nicht lustig sind.»

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