Unterwegs auf der Römerstrasse (3)
Verhandlungen, Massagen und Sport: Die römische Therme ist mehr als eine Wellnessoase

Ausserhalb des Dorfs Schleitheim im Kanton Schaffhausen wurde Mitte der 1970er-Jahre eine gut erhaltene Thermenanlage ausgegraben. Sie gehörte zur römischen Siedlung Iuliomagus, die aufgrund der Römerstrasse zu einem zentralen Ort der Region wurde.

Janine Müller
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Thermenmuseum Iuliomagus
19 Bilder
Thermenmuseum Iuliomagus Die 1975 entdeckte Badeanlage ist heute in einem modernen, 2017 neu eröffneten Museumsbau konserviert und öffentlich zugänglich.
Thermenmuseum Iuliomagus Die Besucher können dank einer Plattform um die ganze Ruine herumgehen.
Thermenmuseum Iuliomagus Vor Ort ist ein Modell anzuschauen. So könnte die Therme vor gut 2000 Jahren anhand von Rekonstruktionen ausgesehen haben.
Thermenmuseum Iuliomagus Vor Ort ist ein Modell anzuschauen. So könnte die Therme vor gut 2000 Jahren anhand von Rekonstruktionen ausgesehen haben.
Thermenmuseum Iuliomagus Vor Ort ist ein Modell anzuschauen. So könnte die Therme vor gut 2000 Jahren anhand von Rekonstruktionen ausgesehen haben.
Thermenmuseum Iuliomagus Weitere Impressionen vom Bad.
Thermenmuseum Iuliomagus Weitere Impressionen vom Bad.
Thermenmuseum Iuliomagus Diese 3-D-Rekonstruktion zeigt das Kaltbad (Frigidarium) aus der dritten Bauphase. Während die Grundrisse aus dem Befund übernommen werden konnten, sind die Fenster und Deckenkonstruktionen wie auch die Bemalung der Wände natürlich so für Schleitheim nicht überliefert und wurden auf der Grundlagen von anderen Fundstellen rekonstruiert.
Thermenmuseum Iuliomagus Diese 3-D-Rekonstruktion zeigt das Heissbad (Caldarium) der zweiten Bauphase mit dem grossen Bleibecken. Während die Grundrisse aus dem Befund übernommen werden konnten, sind die Fenster und Deckenkonstruktionen wie auch die Bemalung der Wände natürlich so für Schleitheim nicht überliefert und wurden auf der Grundlagen von anderen Fundstellen rekonstruiert.
Thermenmuseum Iuliomagus Holzbadeschlappen, Öl und eine Strigilis (ein Eisen, um die Haut zu behandeln) gehörten zur Grundausrüstung um baden zu gehen.
Thermenmuseum Iuliomagus Archäologe Valentin Homberger zeigt auf den römischen Keller in einem Streifenhaus.
Thermenmuseum Iuliomagus Die vorgewölbten Wände zeugen davon, dass der Hangdruck gross und der Boden aufgrund der Nähe zum Fluss nicht sehr stabil war. Es wird vermutet, dass das Haus irgendwann zusammengestürzt ist.
Thermenmuseum Iuliomagus Die vorgewölbten Wände zeugen davon, dass der Hangdruck gross und der Boden aufgrund der Nähe zum Fluss nicht sehr stabil war. Es wird vermutet, dass das Haus irgendwann zusammengestürzt ist.
Thermenmuseum Iuliomagus Funde aus Iuliomagus.
Thermenmuseum Iuliomagus Funde aus Iuliomagus.
Thermenmuseum Iuliomagus Funde aus Iuliomagus.
Thermenmuseum Iuliomagus Funde aus Iuliomagus.
Thermenmuseum Iuliomagus Funde aus Iuliomagus.

Thermenmuseum Iuliomagus

Janine Müller

Es mag überraschen, dass die Römerstrasse Aare–Neckar über das kleine Dorf Schleitheim in Schaffhausen führt. Denn tatsächlich ist das ein Umweg auf dem Weg Richtung Norden. Eine Vermutung der Archäologen: Entlang des Flusses Wutach war der Boden wohl zu schlammig und daher zu unwegsam.

Fakt ist, dass um das Jahr 70 n. Chr. die römische Kleinstadt Iuliomagus gegründet wurde – gut einen Kilometer westlich vom heutigen Schleitheim. Mitte der 1970er-Jahre war auf dem Gebiet von Iuliomagus der Bau eines Schweinestalls geplant, wie Archäologe Valentin Homberger erzählt.

Dabei sei man unmittelbar neben dem Zwärenbach auf die Reste einer römischen Thermenanlage gestossen. «Weil die Ruine so gut erhalten war, entschied man sich, diese zu erhalten.» So wurde der Verein Pro Iuliomago gegründet, von diesem ist Homberger heute Präsident. Unter einem Schutzbau aus dem Jahr 2017 – der erste stammte aus dem Jahr 1976 – kann die Ruine besichtigt werden.

Unter den Lauben spielte sich das Leben ab

Homberger führt den Besuchern mit seinen plastischen Ausführungen vor Augen, wie das römische Dorf wohl ausgesehen hat. Entlang einer Hauptstrasse standen die Streifenhäuser rechtwinklig zur Strasse, unter hölzernen Vordächern – ähnlich wie die Lauben in der Berner Altstadt – spielte sich das Leben ab, boten Händler ihre Ware oder Handwerker ihre Dienste an. Am Hang standen mehrere Tempel, die Therme – deren Bau wurde oft von reichen Einwohnern aus Prestigegründen veranlasst – wurde am Fluss gebaut, um Frischwasserzufuhr zu sichern.

Die Becken der Therme dürfe man sich nicht riesig vorstellen, sie seien nicht zum Schwimmen geeignet gewesen, sondern nur zum Hineinsitzen, sagt Homberger. Die Thermen wurden in verschiedenen Bauphasen mehrmals umgebaut.

Baden, massieren und sich die Haare auszupfen lassen

Das Bad verfügte über Kalt-, Lau- und Heissbäder sowie ein Trockenschwitzbad (Iaconicum) in einem runden Kuppelbau. Das römische Bad diente nicht nur zur Hygiene, sondern auch als Freizeit- und Sportanlage oder gar Wellnessoase. So liessen sich die Besucher im Bad massieren, oder ihre Körperhaare auszupfen. Das Bad diente zudem zum Austausch von Neuigkeiten, auch Geschäfte wurden verhandelt. Höchstwahrscheinlich in der Mitte oder in der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts wurde die Anlage aufgegeben. Ganz genau weiss man es nicht.

Die Menschen hinterliessen auch die Überreste eines römischen Kellers eines Streifenhauses, wenige Meter von der Therme entfernt. Die Häuser waren Wohn- und Wirtschaftshäuser gleichzeitig. Die Ruinen des Streifenhauses in Iuliomagus deuten darauf hin, dass das Haus aufgrund seiner Hanglage wohl mit der Zeit eingestürzt sein dürfte. Dennoch gibt der Besuch einen guten Eindruck, wie das Alltagsleben wohl ausgesehen hat.

Zwei Grenzübertritte an einem Tag

Die zweite Wanderetappe auf der Römerstrasse Neckar–Aare führte mich von Bad Zurzach nach Hallau. Auch hier: Die Römerstrasse ist von der modernen Hauptstrasse überdeckt. Glücklicherweise führt praktisch überall ein Velo- oder Flurweg der Strasse entlang. Von Bad Zurzach ging es über die deutsche Grenze nach Rheinheim und von dort via Geisslingen nach Erzingen, wo ich wiederum die Grenze – dieses Mal zurück in die Schweiz – überquerte.

Von Trasadingen führten die letzten Kilometer nach Hallau tatsächlich auf einem Flurweg entlang der alten Römerstrasse. Die nahen Rebberge zeugen von der grossen Weinkultur in der Region. Aus Zeitgründen nahm ich dann den Bus zur dritten Station Iuliomagus (Schleitheim). Das Thermenmuseum ist von Mai bis September von 8 bis 20 Uhr geöffnet. Führungen können unter erleben@schaffhauserland.ch gebucht werden. Die nächste öffentliche Führung ist am 15. August. Mehr Infos finden Sie hier. (jam)

Die Bilder von der 2. Etappe:

Wir überqueren in Bad Zurzach den Rhein.
23 Bilder
Mitten auf der Brücke begegnet den Passanten die Statue der Heiligen Verena.
Kirche in Dangstetten (D)
Weg von Dangstetten nach Bechtersbohl.
Bechtersbohl
Schnurgerade führt die Strasse durch die Ebene nach Geisslingen (D).
Blick auf Geisslingen.
Sieht verlassen aus, tatsächlich aber halten am Bahnhof von Griessen (D) noch Züge.
Der Grenzübergang von Erzingen (D) nach Trasadingen (CH).
Bahnhof von Trasadingen.
Die Redaktorin vor dem Römerstrasse-Schild. Hier hat die moderne Strasse die Römerstrasse zugedeckt.
Richtung Hallau kann wieder ein Teil auf der alten Römerstrasse gewandert werden.
Blick auf die Rebberge rund um Hallau.
Blick auf die Rebberge rund um Hallau.
Sonnenblumenfeld vor Hallau.
Hallau.
Dorfbrunnen in Hallau.
Hallau
Hallau
Hallau
Die Bergkirche Sankt Moritz in Hallau.
Blick von der Bergkirche auf die Ebene.
Blick auf Hallau

Wir überqueren in Bad Zurzach den Rhein.

Janine Müller