Pompei ist berühmt für das Ausgrabungsgelände des antiken Pompeji und für seine Wahlfahrtskirche, die Basilica, die der Beata, Madonna des Rosenkranzes geweiht ist. Die mit Restaurants, Bars und Souvenirshops reichlich bestückte Via Plinio verbindet die beiden Sehenswürdigkeiten. Sie mündet vor der Basilica in die Piazza Bartolo Longo.

Sind die Menschen von Pompei hässlicher als andere?

In einem Strassencafé an dieser Piazza strecken wir nach dem Besuch der Basilica die Beine und lassen die Passanten vorbeiziehen. Dabei fällt uns beiden auf, dass die Italienerinnen und Italiener, die durch die Via Plinio flanieren, nicht wie sonst in den Städten üblich, elegant, gepflegt und adrett daherkommen. Sondern, genau wie wir Schweizer «Landeier», nicht gerade von Stil und Schönheit strotzen. Wir wundern uns ein wenig über diese Konzentration der Unattraktivität und denken uns dabei nichts Weiteres. Pompeianer sind nun halt vielleicht im Schnitt etwas weniger schön, als andere Italiener? Beim Nachtessen in einem anderen Quartier der Stadt stellen wir dann aber mit Erstaunen fest, dass wir von lauter Menschen mit völlig durchschnittlicher «Schönheitsverteilung» umgeben sind.

Wundern darf man sich doch?

Am nächsten Tag, nach dem Besuch des Ausgrabungsgeländes, dann wieder das erste Bild: Ungewohnt unterdurchschnittliche Schönheit. Was ist hier los? Erst da fällt uns auf, dass es sich ausschliesslich um inneritalienische Touristen handelt, die mit Autobussen anreisen. Auf jedem dieser Cars steht der Name einer Kirchgemeinde. Seltsam. Diese doch sehr eindeutige «Kumulation der Unattraktivität» provoziert spontan eine ganze Reihe von Fragen: Sind gläubige Menschen weniger schön als andere? Sind hässliche Menschen besonders fromm? Gehen von den möglicherweise doch eher durchschnittlich hübschen Gläubigen vielleicht nur die Hässlicheren an die Kirchgemeindereise? Steht die Jungfrau Beata vielleicht im Ruf, Schönheitswunder zu vollbringen? Oder pilgern die hübschen Frommen eher nach Rom, weil dort das Nachtleben interessanter ist?

Fragen über Fragen, auf die wir eigentlich gar keine Antworte wissen wollen. Aber wundern darf man sich doch - oder?

Vor uns waren schon die Griechen in Metaponto

Mittwoch, 30. Mai. Den heutigen Tag verbringen wir in Metaponto am Ionischen Meer. Der Vormittag gilt einem Besuch des Museo Archeologico Nazionale di Metaponto, der uns, wie man so schön sagt, fast vom Stuhl haut. Vor allem in Form von Grabbeigaben haben die Griechen einen derart reichen Fundus an Metall- und Keramikgegenständen hinterlassen, dass wir nur staunend durch das attraktiv aufgebaute Museum wandeln können. Nicht wie gewohnt nur einzelne Keramikscherben und Schmuckfragmente, sondern fast unversehrt erhaltene Vasen, Krüge, ja sogar ganze «Geschirrservice» geben hier Auskunft über das Leben der damaligen Zeit. Die Griechen, die diesen Teil Italiens im sechsten bis im vierten Jahrhundert v. Chr. beherrschten - auch Pythagoras lebte und wirkte hier - hinterliessen zudem ein Tempelviertel, das in Fragmenten erhalten ist und besichtigt werden kann.

Unsere Meinung zu Metaponto: Ein Muss für jeden südwärts fahrenden Geschichtsinteressierten.