Umiken
Umiker Pfarrerin probt den Aufstand gegen die Kirchenpflege

Die Kirchenpflege unterstützt Pfarrerin Winkler nicht – aber sie tritt dennoch im Herbst zur Wiederwahl an.

Claudia Meier
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Die Kirchenpflege unterstützt Pfarrerin Winkler nicht – aber sie tritt dennoch im Herbst zur Wiederwahl an – Blick auf das Dorf, vom Südufer der Aare.

Die Kirchenpflege unterstützt Pfarrerin Winkler nicht – aber sie tritt dennoch im Herbst zur Wiederwahl an – Blick auf das Dorf, vom Südufer der Aare.

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Seit einem Jahr wirkt Christina Winkler als Pfarrerin in der reformierten Kirchgemeinde Umiken. Sie trat damals in die Fussstapfen von Pfarrer Matthias Schüürmann, wurde im November für den Rest der laufenden Amtsperiode gewählt und im Januar dieses Jahres installiert.

Nun steht am 28. September der erste Wahlgang für die Gesamterneuerungswahlen der Synodalen, der Kirchenpflege und des Präsidiums an. Pfarrerin Christina Winkler stellt sich zur Wiederwahl. Speziell ist aber, dass sie von der Kirchenpflege nicht zur Wahl vorgeschlagen wird. «Unterschiedliche Erwartungen bezüglich Ausübung des Amtes und ein gestörtes Vertrauensverhältnis haben die Kirchenpflege nach reiflichen Überlegungen dazu bewogen», schreibt die Kirchenpflege in der neusten Beilage des Pfarrblatts «reformiert». Dieser Schritt, der einstimmig gefällt wurde, sei nicht einfach gewesen, sagen Vizepräsident Hanspeter Schlatter und Kirchenpfleger Karl Vischer. Zusammen sind sie zuständig für das Ressort Personal.

Für diese Stelle brachten längst nicht alle Bewerber genügend Erfahrung oder sämtliche Anforderungen der aargauischen Landeskirche mit. Kaum war die Baselbieterin Christina Winkler im Amt, meldeten sich laut Schlatter unzufriedene Kirchgemeinde-Mitglieder per E-Mail bei ihm. Dieser reagierte und stellte einen Reklamationsbriefkasten auf. Trotzdem sei der Unmut grösser geworden.

Die 50-jährige Pfarrerin lebt mit ihren zwei erwachsenen Töchtern im Umiker Pfarrhaus mit Garten und arbeitet in den drei Dörfern Riniken, Villnachern und Umiken. Das sei sicher gewöhnungsbedürftig, sagt Schlatter, der seit zehn Jahren in der Kirchenpflege ist, aber den vakanten Sitz des Präsidiums auf keinen Fall übernehmen will.

Eine Pfarrstelle sei auch nicht eins zu eins mit einer Anstellung in der Privatwirtschaft vergleichbar, obwohl die optimale Einarbeitungszeit in beiden Fällen rund ein Jahr dauern dürfte, so Vischer. «Die Arbeit der Pfarrerin lässt sich nicht über messbare Zielvereinbarungen beurteilen. Wir können höchstens Standortgespräche führen.» Ein solches fand im Mai statt. Man habe Winkler Unterstützung angeboten, aber keine konkreten Vorschläge bekommen. Vischer präzisiert: «Wir schätzen Christina Winkler als Person sehr.» «Aber so können wir einfach nicht mehr weiter kutschieren», betont Schlatter.

Winkler stellt sich nun ohne Unterstützung der Kirchenpflege zur Wiederwahl. Damit die Kandidatur gilt, braucht sie 20 Unterschriften. Die Sammlung laufe noch bis Mitte August, sagt die Pfarrerin. Bisher habe sie über 60 Unterschriften zusammen. Winkler bedauert, dass es vor dem endgültigen Entscheid keine Mediation mit der Kirchenpflege gab. Damit hätten in einem konstruktiven Gespräch, Gerüchte und Missverständnisse geklärt werden können. «Nun stehe ich da und weiss nicht konkret, was los ist», sagt sie.

«An der Kirchgemeindeversammlung vom 22. Juni gab es bei den Anwesenden mehrheitlich positive Stimmen zu meiner Arbeit und die Stellungnahme der Kirchenpflege löste Unverständnis aus», so Winkler. Die Arbeit mache ihr sehr viel Freude. Ihr Anliegen sei es, die vielen bestehenden Anlässe weiterzuführen und auch neue Ideen einzubringen.

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