Offensive
Umiker Kirchenpfleger drohen: Bleibt Pfarrerin, werfen sie das Handtuch

Nachdem sich Christina Winkler, Pfarrerin der ref. Kirchgemeinde Umiken ohne Unterstützung der Kirchenpflege der Wahl stellt, geht die Behörde in die Offensive.

Claudia Meier
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Christina Winkler wirkt als reformierte Pfarrerin nicht nur in der Kirche im Brugger Ortsteil Umiken (Bild), sondern auch in den Gemeinden Riniken und Villnachern.

Christina Winkler wirkt als reformierte Pfarrerin nicht nur in der Kirche im Brugger Ortsteil Umiken (Bild), sondern auch in den Gemeinden Riniken und Villnachern.

CM

In den letzten zwölf Monaten, also seit die Baselbieterin Christina Winkler als Pfarrerin wirkt, wurde in der Reformierten Kirchgemeinde Umiken viel Geschirr zerschlagen. So richtig Feuer im Dach ist aber, seit die Kirchenpflege einstimmig beschlossen hat, Pfarrerin Christina Winkler nicht zur Wiederwahl zu empfehlen.

Die Pfarrerin stellt sich – unterstützt mit 74 Unterschriften von Kirchgemeindemitgliedern – dennoch der Wahl am 28. September. An diesem Tag geht es auch darum, die Synodalen, die Kirchenpflege sowie deren Präsidium für die neue Amtsperiode 2015–18 zu bestimmen. Ein allfälliger zweiter Wahlgang ist auf den 30. November festgelegt worden.

Bisher war von Seite der Kirchenpflege von Vertrauensbruch, unterschiedlichen Erwartungen in Bezug auf die Ausübung des Amts sowie zahlreichen Reklamationen von Kirchgemeindemitgliedern die Rede. Die 50-jährige, geschiedene Pfarrerin lebt mit ihren beiden erwachsenen Töchtern im Umiker Pfarrhaus mit Garten und arbeitet in den drei Dörfern Riniken, Villnachern und Umiken.

Zusammenarbeit bis Ende Jahr

Im neusten Schreiben, das auf der Website der Kirchgemeinde aufgeschaltet ist, droht die Kirchenpflege dem Stimmvolk: «Sollte die bisherige Pfarrerin gewählt werden, werden die bisherigen Kirchenpflegemitglieder eine allfällige Wiederwahl nicht annehmen.» Als zweites Szenario stellt die Kirchenpflege folgendes Vorgehen in Aussicht: «Sollte die bisherige Pfarrerin nicht gewählt werden, werden die bisherigen Kirchenpflegemitglieder eine allfällige Wiederwahl annehmen. Die Suche nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger der bisherigen Pfarrerin kann durch eine Pfarrwahlkommission oder die Kirchenpflege sofort starten.» In beiden Fällen sei die Zusammenarbeit in der jetzigen Konstellation noch bis Jahresende sichergestellt.

Am 18. August organisierte die Kirchenpflege eine Mediation unter der Leitung der Fricker Pfarrerin Verena Salvisberg. Winkler bedauerte nämlich in der az vom 4. August, dass vor dem endgültigen Entscheid keine Mediation mit der Kirchenpflege stattgefunden hatte. Die vergangenen Ereignisse und Beanstandungen hätten aber nicht sachlich diskutiert werden konnten, schreibt nun die Kirchenpflege. Winkler sagt, es hätte eine angespannte Stimmung geherrscht. Es sei primär um die Wahlen gegangen.

Sekretariatsarbeit ist beeinträchtigt

Die Kirchenpflege wirft der Pfarrerin im neuesten Schreiben ausserdem vor, die Sekretariatsarbeit durch mangelnde Kommunikation erheblich zu beeinträchtigen. Der Austausch mit der Sonntagsschule sei äusserst dürftig. Zudem sei Winkler an keinem der Vorstellungsgespräche der Kandidaten für die neu besetzte Katecheten-Stelle anwesend gewesen. Brisant ist, dass eine der beiden Sekretariatsmitarbeiterinnen die Ehefrau von Interimspräsident Hans Peter Schlatter ist und in der Sonntagsschule eine Frau eines Kirchenpflegemitglieds mitwirkt. Sie könnte alle Punkte des Schreibens widerlegen, sagt Winkler. «Die Termine für die Vorstellungsgespräche beispielsweise wurden nicht mit mir abgesprochen. Ich war an beiden Daten verhindert», präzisiert sie.

Zum Schluss appelliert die Kirchenpflege nochmals ans Gewissen der Stimmbürger: «Der Wahlentscheid darf nicht durch Gefühle für die Privatperson Frau Christina Winkler beeinflusst werden. Etwaige Sympathiegefühle und Anteilnahme für Frau Winkler als Person in der jetzigen Situation zeugen zwar von christlichem Mitgefühl und sind löblich, dürfen jedoch nicht mit Beurteilung der anspruchsvollen Pfarramtsführung vermischt oder verwechselt werden.» Zentral seien unter anderem folgende Fragen: «Was ist das Beste für die Kirchgemeinde, das kirchliche Miteinander, die Eintracht innerhalb der Gemeinde und das Pfarramt?» Kommentar Meinungsseite

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