Brugg-Windisch
Studenten widmen sich der Wohnraum-Verschwendung

Ohne neues Land zu verbauen, könnte im Aargau Platz für 23'500 Person geschaffen werden. Das ist das Resultat einer Projektarbeit von Studenten der Fachhochschule Nordwestschweiz in Brugg-Windisch.

Max Weyermann
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So rund läuft es nicht immer: Zehn Jahre stand dieses Bauernhaus an der Dorfstrasse 53 in Windisch leer. Seit knapp einem Jahr beherbergt es vier Wohnungen.

So rund läuft es nicht immer: Zehn Jahre stand dieses Bauernhaus an der Dorfstrasse 53 in Windisch leer. Seit knapp einem Jahr beherbergt es vier Wohnungen.

Claudia Meier

Strenge Vorschriften von verschiedenen Seiten verhindern manches Bauprojekt in Dorfkernzonen. Indem historische Liegenschaften geschützt werden, können sie zum Teil nicht nach heutigem Standard umgebaut und genutzt werden, was der Zersiedelung Vorschub leistet.

Im Auftrag des Brugger Bau- und Immobilienberaters Werner Fässler nahmen sich die Zweitsemester-Wirtschaftsingenieurstudenten Fabian Daniel Flück, Hannes Silvan Monn, Ismail Oezkilic und Daniel Senn unter dem Coaching von Professor Thomas Schmitt einer komplexen Thematik an. Die Projektarbeit hatte zum Ziel, den Begriff Wohnraumverschwendung zu definieren, konkrete Beispiele aus aargauischen Gemeinden zu studieren und Faktoren zu untersuchen, welche eine optimale Ausnützung von Liegenschaften in Kernzonen verhindern.

Anlässlich der Schlusspräsentation in der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) Brugg-Windisch wiesen die beteiligten Studenten am Montagabend darauf hin, dass mit der besseren Nutzung von noch bewohnten alten oder brachliegenden Bauten in Kernzonen gemäss einer Hochrechnung im Kanton Aargau für 23'500 Personen Wohnraum geschaffen werden könnte, ohne die Gebäudevolumen zu vergrössern oder zusätzliches Bauland zu verbrauchen. Gleichzeitig liesse sich durch Um- und Neubauten die Energieeffizienz steigern.

Die sich bietenden Möglichkeiten wurden an einem Bauernhaus in Spreitenbach aufgezeigt, welches durch einen Neubau mit 14 Wohneinheiten ersetzt wird. Offenbar waren bis zum Baubeginn hohe Hürden zu nehmen, was die Gesuchphase extrem verlängerte und wegen Mietzinsausfällen für finanzielle Einbussen sorgte. Eine interessante Analyse lieferte das Projektteam für den Brugger Ortsteil Umiken, wo im Ortskern ebenfalls einige Liegenschaften attraktiver gestaltet und besser genutzt werden könnten.

Nachbarn machen Einsprache

Nach der Vorstellung der Ergebnisse der Studie zeigte Werner Fässler einige nach seiner Überzeugung krasse Fälle aus der Region Brugg auf, in denen Bauherren wegen rigide gehandhabten Vorschriften von Kanton, Ortsbildschutz und Gemeinden auf die Umsetzung von Projekten an ihren bestehenden Liegenschaften in Dorfkernzonen verzichteten – dies meist auch mit finanziellen Verlusten.

An der abschliessenden Diskussionsrunde nahmen nebst dem Auftraggeber der Studie auch Historiker Max Baumann; Oliver Gerlinger, Gemeindeammann von Schinznach-Bad; Andreas Guntern, Mitglied des Raumplanungsverbands des Kantons Aargau; Notar Urs Hänggli und Liegenschaftsbesitzer Heinrich Zulauf aus dem Schenkenbergertal teil. Letzterer schilderte sein am Ortsbildschutz gescheitertes Bauprojekt. Andreas Guntern wies darauf hin, dass die geschilderten Fälle durchweg Liegenschaften an Ortsverbindungsstrassen beträfen, wodurch auch der Kanton involviert sei, was die Sache verkompliziere. Ähnlich fiel die Stellungnahme des im Publikum anwesenden Spreitenbacher Bauverwalters aus. Er betonte, der Umbau des in der Studie erwähnten Hauses habe umfangreiche Abklärungen mit verschiedenen Stellen erfordert.

Notar Hänggli und Oliver Gerlinger erwähnten speziell die Rolle der Nachbarn, welche bei Gebäudeveränderungen wie zum Beispiel verdichtetem Bauen nicht selten mit Einsprachen aufwarten und damit die Realisierung von Projekten verzögern oder verhindern. Max Baumann wies darauf hin, dass Entscheide betreffend Kompatibilität mit dem Ortsbild zügiger vorliegen sollten. Nationalrat Hans Killer betonte, das Grundproblem liege im Föderalismus auf verschiedenen Ebenen. Werner Fässler will auf jeden Fall weiter kämpfen: «Wir müssen unsinniger Behördenwillkür unbedingt den Riegel schieben. Das letzte Wort in dieser Sache ist noch nicht gesprochen!»

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