Birrhard
Stiller Has: «80 Prozent der Texte wandern in Papierkorb»

Die Weinkeller Riegger AG und carusounds holten Stiller Has in den «cubus» in Birrhard. Der 59-jährige Hühne ist in Topform – und das nicht nur musikalisch.

Ursula Burgherr
Drucken
Teilen
Endo Anaconda von Stiller Has verausgabt sich im «cubus» total. Heiser röhrt er ins Mikrofon, seufzt, ächzt, stöhnt.

Endo Anaconda von Stiller Has verausgabt sich im «cubus» total. Heiser röhrt er ins Mikrofon, seufzt, ächzt, stöhnt.

Ursula Burgherr

Robbie Caruso brachte Stiller Has schon in der Brugger Artbar auf die Bühne und konnte die legendäre Formation nun wieder für ein Konzert im «cubus», dem Eventlokal der Weinkeller Riegger AG, gewinnen.

Das macht Lukas Anliker vom Riegger-Team geradezu euphorisch. Er kündet die Band im ausverkauften Haus als etwas vom Besten und Tiefgründigsten an, das die Schweizer Musikszene je an die Oberfläche gespült hat. Zuerst bringt Schifer Schafer seine Gitarre zum Vibrieren, während die Zuhörer den feinen Rotwein in ihren Gläsern schwenken.

Der Sound wird treibender, als Schlagzeuger Markus Fürst und Bassistin/Organistin Salome Buser auf die Bühne steigen. Dann kommt er: Endo Anaconda, singender Geschichtenerzähler, Schriftsteller, Kolumnist und Rampensau.

«Sorry, ha zerscht no ufs Hüsli müesse, bi ebe imene böse Alter›», entschuldigt er seine Verspätung und macht damit gleich eine Anspielung auf den gleichnamigen Titelsong der neuen Hasen-CD «Alterswild». Sie entstand zum 25-Jahr-Jubiläum von Stiller Has aus dem Livemitschnitt eines Konzerts am Gurten-Festival.

Ein hoffnungsloser Romantiker

Gut sieht der hünenhafte Barde aus, deutlich schlanker als auch schon. Der Fantasie-Name Anaconda passt deshalb zu ihm, weil er wie eine sich häutende Schlange schon mehrere Metamorphosen durchlebt hat.

2012 musste er sich wegen eines Nebennieren-Tumors operieren lassen. Wenig später stand er wieder auf der Bühne. «Das mache ich auch nach einem Vierteljahrhundert immer noch am liebsten», bekundet der Berner.

Obwohl schon 59 Jahre alt, sei er immer noch ein hoffnungsloser Romantiker, sagt Endo und gesteht: «Ich schreibe Liebesbriefe und presse Blüten; allerdings nicht mehr kiloweise wie früher.»

In «Chätschgummi» besingt er Elisabeth, seine erste «Amour fou» vor 45 Jahren. In «Märli» wird Hans im Glück depressiv und das Schlaraffenland gibts nur mit Magenband.

Kaum einer reimt so originell und poetisch wie Endo. Doch was beim Auftritt witzig und leichtfüssig daherkommt, ist harte Knochenarbeit. «Wenn ich texte, sind 80 Prozent davon scheisse und wandern in den Papierkorb. Oft braucht es ein Riesendossier, bis ich einen Vierzeiler zustande bringe», gesteht der Sänger.

Der Sound von Stiller Has ist authentisch, handgemacht und lässt viel Spontaneinlagen zu. Schubladisieren oder in dürre Worte fassen lässt er sich allerdings nicht. Man muss die Band einfach live erleben.

Endo verausgabt sich im «cubus» total. «Walliselle» und «Toti Sigarette» kommen zu Gehör. Das Rauchen hat er sich bis heute nicht abgewöhnt. Heiser röhrt er ins Mikrofon, seufzt, ächzt, stöhnt. «Ich glaube, ich habe ein Handtuch inhaliert», meint er bei der Zugabe, singt aber trotzdem «Fäderliecht». Und erzählt der Journalistin nach dem Konzert verschwitzt, aber fröhlich: «Wir haben ein hübsches und intelligentes Publikum, das unterscheidet uns von einigen anderen Künstlern.»

Aktuelle Nachrichten