Airbnb in Brugg
Sie nehmen regelmässig fremde Menschen in ihrem Zuhause auf

Bei Airbnb findet man jegliche Art von Unterkunft. Auch im Bezirk Brugg gibt es ein paar wenige Anbieter. Die az hat nachgefragt, warum sie fremde Menschen in ihre Wohnung lassen und welche Erfahrungen sie mit Airbnb machen.

Von Janine Müller
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Airbnb hilft Familie Barceló bei der Finanzierung der Wohnung.

Airbnb hilft Familie Barceló bei der Finanzierung der Wohnung.

Aargauer Zeitung

Was in Grossbritannien schon lange Gang und Gäbe ist, boomt langsam, aber sicher auch in der Schweiz: Bed and Breakfast. Oder die moderne Version davon: Airbnb, zu übersetzen mit «Luftmatratze und Frühstück».

Airbnb ist ein Online-Marktplatz, um Unterkünfte zu vermieten oder zu buchen. Private Anbieter stellen fremden Menschen ein Zimmer, manchmal sogar eine ganze Wohnung zur Verfügung.

Immer häufiger gibt es negative Medienberichte zu dieser neuen Form von Unterkunftsvermietung. Der «Sonntagsblick» beispielsweise berichtete von Prostituierten, die ein Zimmer für ihre Dienste via Airbnb suchten.

Auch von Vergewaltigungen oder Diebstählen wird in anderen Medien geschrieben. Dazu kommt, dass die Hotellerie-Branche alles andere als begeistert ist von diesen privaten Anbietern.

Airbnb bewegt sich in der Schweiz in der gesetzlichen Grauzone. Das Bundesgericht hat die Frage nach dem Gewinn, den ein Mieter mit der Untervermietung macht, noch offen gelassen. Das Obligationenrecht besagt, dass ein Mieter von seinem Untermieter keinen unangemessen hohen Mietzins verlangen darf.

Fünf Anbieter im Bezirk Brugg

Im Bezirk Brugg gibt es erst fünf Airbnb-Anbieter, zwei in Villigen, drei in Brugg. Vier davon hat die az zu ihren Erfahrungen befragt. Das Fazit: keinerlei schlechte Erfahrungen.

Judith Schödler, Villigen, 70 Franken pro Nacht

Judith Schödler in einem der Zimmer.

Judith Schödler in einem der Zimmer.

Aargauer Zeitung

Airbnb ist für Anbieter kostenlos und die Registrierung ist einfach. Das reichte Judith Schödler (42), um sich bei der Internetplattform anzumelden. Auf ihrem Weingut bietet sie seit August 2014 ein Bed & Breakfast an.

Doch die Buchungen via Airbnb lassen auf sich warten. «Wir hatten bis jetzt erst einen Gast, der via Airbnb gebucht hat», sagt Judith Schödler. Trotzdem bleiben die Gäste nicht aus.

Eröffnet hat sie ihr Bed & Breakfast mit zwei Zimmern. Bereits nach zwei Monaten baute sie um das Doppelte aus. Schödler vermutet, dass viele Airbnb-User die Plattform vor allem benutzen, um sich einen Überblick über das Angebot zu verschaffen.

«Viele buchen dann direkt bei uns, ohne den Umweg über Airbnb zu nehmen», erklärt sie. Das hat vor allem Vorteile für ihre Gäste. Die Kommission, die sie Airbnb ansonsten bezahlen müssten, entfällt.

Wie Pia Beyeler empfängt Judith Schödler zu 80 Prozent PSI-Wissenschaftler bei sich zu Hause. «Die kommen aus aller Herren Ländern, das ist schon spannend», sagt die Villigerin, die selber lange Zeit in der Karibik gelebt und in der Tourismusbranche gearbeitet hat.

«Ich geniesse den Austausch mit diesen Wissenschaftlern. Es ist hochinteressant, welche Forschungsprojekte da gerade am Laufen sind.» Ein Teil der Gäste sind auch Velofahrer, da das Weingut an der nationalen Veloroute 8, der Aareroute, liegt.

Oftmals kämen aber auch Anfragen von Patienten, die im PSI behandelt werden. Auch von der Fachhochschule in Brugg-Windisch sowie von weiteren Firmen der Region wird das Übernachtungsangebot von Judith Schödler rege genutzt.

Für die 42-Jährige überwiegen die Vorteile dieses Bed & Breakfast. «Die meisten Gäste sind hochanständig», sagt sie. «Einige sind manchmal nur zum Schlafen da. Negative Erlebnisse hatte ich bisher nicht.»

Sie hofft, dass das auch so bleibt und hat dafür vorgesorgt: Die Gäste sind im Obergeschoss des Wohnhauses untergebracht und benützen einen separaten Hauseingang.

Für diesen erhält jeder Besucher den Schlüssel mit der Bitte, jeweils abzuschliessen. Damit sei sie bisher gut gefahren, meint Judith Schödler. Und fügt an, dass sie sich bei Airbnb nicht über Sicherheitstipps informiert hat.

Familie Barceló, Brugg-Lauffohr, 70 Franken pro Nacht

Für Alejandro Barceló und seine Familie ist das Airbnb eine ideale Lösung. Der Brugger erklärt, dass die Grosseltern seiner Kinder vor einigen Jahren zurück in die Heimat Spanien zurückgekehrt sind.

«Da wir mittlerweile eine grosse Familie sind und bei uns zu Hause keine Gäste mehr unterbringen können, hatten wir damals die Idee eine Wohnung für diese Zwecke zu beschaffen und den Grosseltern für ihre Besuche in der Schweiz zur Verfügung zu stellen», sagt Alejandro Barceló.

Doch die Grosseltern seien nur ein paar Wochen im Jahr da. Was also während der restlichen Zeit mit der Wohnung machen? Die Barcelós haben dann nach einer Möglichkeit gesucht, die Wohnung anders zu nutzen. Airbnb sei da die ideale Lösung gewesen. Und so kommt es, dass die Familie seit Februar 2014 eine Wohnung in Brugg anbietet.

Zu Airbnb ist Alejandro Barceló via TV gekommen. «Wir haben im Fernsehen einen Bericht über Airbnb gesehen und anschliessend im Internet nach ähnlichen Plattformen gesucht . Von all den Angeboten hat uns Airbnb am meisten zugesagt.»

Mittlerweile ist es für die ganze Familie ein Vergnügen, Gäste aus aller Welt zu empfangen und Leute aus unterschiedlichsten Kulturen, wenn häufig auch nur kurz, kennenzulernen. «Zudem hilft das bei der Finanzierung der Wohnung», ergänzt Alejandro Barceló.

Die Aufenthaltszeit der Gäste ist unterschiedlich: «Wir haben Gäste, die lediglich auf der Durchreise sind oder nur kurz in Brugg bleiben, um von hier aus die grösseren Städte zu erkunden, und solche, die länger bleiben. Der längste Aufenthalt bis jetzt waren drei Monate», so der 40-Jährige.

Die Gäste kamen aus aller Welt: Costa Rica, Südkorea, Argentinien oder Russland, um nur einige Länder zu nennen.

Auch die Familie Barceló hat bis anhin nur gute Erfahrungen mit Airbnb gemacht. Im Gegenteil: Von Gästen aus Brasilien haben sie bereits eine Einladung erhalten, sollte die Familie mal nach Brasilien reisen.

«Ansonsten haben wir während des Aufenthalts der Gäste keinen grossen Kontakt, da wir eine gesamte Wohnung anbieten und nicht lediglich ein Zimmer in unserem Haus», erklärt Alejandro Barceló.

Die Schlüsselübergabe erfolge natürlich persönlich, dabei weise man die Gäste auch auf die Besonderheiten der Schweiz hin und gebe – falls gewünscht – Tipps. Von negativen Erlebnissen weiss Alejandro Barceló nichts zu berichten.

«Wir haben auch keine speziellen Vorkehrungen getroffen und vertrauen voll und ganz den Bewertungen der Gäste auf Airbnb. Bei schlechten Bewertungen lehnen wir Gäste grundsätzlich ab.»

Bettina Und Ruedi Zehnder, Brugg, 60 Franken pro Nacht

Ruedi und Bettina Zehnder.

Ruedi und Bettina Zehnder.

Aargauer Zeitung

Die eigenen Kinder sind ausgezogen, das Haus steht halb leer und Bettina Zehnder (54) und ihr Ehemann Ruedi (56) mögen Gäste. Für sie ist der Fall klar: Airbnb ist dafür eine gute Lösung.

Freunde haben den Bruggern von ihrem Urlaub in Portugal erzählt, wo sie ein Privatzimmer via Airbnb gebucht hatten. Und so kam es, dass sich Bettina und Ruedi vor gut zwei Jahren bei Airbnb anmeldeten und heute Menschen aus den verschiedensten Ländern beherbergten.

Dabei schätzt Bettina Zehnder, dass sie unabhängig ist und selber wählen kann, ob sie eine Buchung annehmen will oder nicht. «Man kann jederzeit Tage abblocken im Onlinekalender», erklärt sie.

Inzwischen waren die beiden selber zweimal mit Airbnb unterwegs. Sie fanden es toll, die Einheimischen kennen zu lernen und gute Tipps zu erhalten.

Die Gäste, die sie empfangen, kommen aus unterschiedlichsten Gründen. Es sind Geschäftsleute; Leute, die jemanden in der Region besuchen; Patienten des PSI, die wegen der Tumorbestrahlung da sind; Durchreisende oder Leute, die an einem Kongress oder Kurs in der Region teilnehmen.

Die Zehnders bieten ein Haus im Grünen.

Die Zehnders bieten ein Haus im Grünen.

Aargauer Zeitung

«Wir hatten zum Beispiel ein Paar aus Australien zu Gast, das hier auf der Durchreise war und ganz begeistert war von der Schönheit von Brugg. Sie assen im Frühsommer in einem Brugger Lokal Fondue und fanden es einfach herrlich hier», erzählt Bettina Zehnder ihre guten Erfahrungen und findet, dass dies gleich auch noch Werbung für die Region ist.

«Ich glaube, dass dieses private Wohnen auch völkerverbindend ist und persönliche Beziehungen schafft. Auch wenn man sich nie mehr sieht, entsteht doch eine positive Verbindung in ein fernes Land wie zum Beispiel Australien oder Korea», ist sie überzeugt.

Bettina Zehnder macht es Spass, gelegentlich ihr Vokabular von verschiedensten Sprachen zu nutzen. Es sei natürlich auch toll, dass sie sich mit Airbnb etwas dazu verdienen kann, da sie sonst nur ehrenamtliche Aufgaben wahrnimmt.

Dabei ist ihr eines wichtig: «Dieses Geld versteuern wir ordnungsgemäss. Und auch AHV würden wir bezahlen, falls es den Freibetrag übersteigt», sagt Bettina Zehnder. Sie würde sogar noch weiter gehen und Kurtaxe entrichten, sollte dies in Brugg nötig werden.

Pia Beyeler, Villigen, 48 Franken pro Nacht

Willkommen im Airbnb in Villigen: Pia Beyeler empfängt gerne Gäste in ihrem grossen Haus. Obwohl es sie am Anfang Überwindung gekostet hat, fremde Menschen aufzunehmen.

Willkommen im Airbnb in Villigen: Pia Beyeler empfängt gerne Gäste in ihrem grossen Haus. Obwohl es sie am Anfang Überwindung gekostet hat, fremde Menschen aufzunehmen.

Aargauer Zeitung

Seit gut eineinhalb Jahren bietet Pia Beyeler (49) in ihrem Haus ein Zimmer an. Auf Airbnb ist sie aufgrund von Werbung im Internet gestossen. Da sie ein Zimmer frei hatte und dieses nicht selber brauchte, meldete sie sich bei der Online-Plattform an. «Lieber vermieten, anstatt dass es leer steht», sagte sich Pia Beyeler. «Am Anfang war ich doch etwas unsicher, ob überhaupt jemand hierher kommen will», sagt sie. «Und es hat doch etwas Überwindung gebraucht, das Haus mit jemand fremdem zu teilen.» Zumal die eine Tochter etwas skeptisch war, was die Pläne ihrer Mutter angingen.

Doch mittlerweile hat sich diese Unsicherheit gelegt. Die Begeisterung ist in der Stimme von Pia Beyeler förmlich herauszuhören. «Ich bin ein sehr offener Mensch. Daher ist es toll, so viele Menschen aus so unterschiedlichen Ländern kennenzulernen», schwärmt die Villigerin. Das Kommen und Gehen stört sie überhaupt nicht.

Ihr Haus hat sich in eine grosse Wohngemeinschaft verwandelt. Die meisten ihrer Gäste sind entweder Durchreisende, die sich mal Zürich anschauen wollen, sich aber die Übernachtung in der Stadt selber nicht leisten können oder wollen. Die grösste Gruppe machen aber die Forscher aus, die im Paul-Scherrer-Institut arbeiten. Einige bleiben nur für einen Tag, andere für mehrere. Manchmal ist der Kontakt mit den Gästen intensiver, manchmal weniger. Pia Beyeler erzählt von einer Frau, die mit ihrem an MS erkrankten Mann zu Besuch war. Mit diesen habe sie viel geredet und diskutiert. Nicht immer kann sich Pia Beyeler so leicht mit ihren Gästen unterhalten. Sie spreche nicht sonderlich gut Englisch, sagt sie. Aber im äussersten Notfall können ihre Töchter die Sprachbarriere überbrücken und bei der Problemlösung behilflich sein.

Von negativen Erfahrungen weiss sie nichts zu berichten. «Ich habe keine Angst, dass mir etwas passieren könnte», sagt Pia Beyeler. «Ich bin ja nicht alleine und versichert bin ich auch.» Zudem schaue sie stets die bisherigen Bewertungen der potenziellen Gäste an, die vorherige Gastgeber im Internet abgegeben haben. Notfalls würde Pia Beyeler jemanden ablehnen. Bisher sei dies aber nicht der Fall gewesen, ausser, wenn das Zimmer bereits anderweitig belegt war.

Die Buchungen erfolgen unregelmässig. Manchmal laufe zwei Monate lang nichts, dann plötzlich wird das Angebot von Pia Beyeler rege genutzt. Für die 49-Jährige kein Problem, obwohl sie Freude daran hat, dass sie sich mit dem Zimmer etwas dazu verdienen kann. Ihr ist diesbezüglich allerdings eines wichtig: «Wegen des Geldes mache ich das sicher nicht. Das war für mich nicht der Hauptgrund, um mich bei Airbnb anzumelden.» Am Ende müsse Freude dahinter sein, fremde Menschen aufzunehmen.

Auch die Rückmeldungen auf der Website von Airbnb zu den jeweiligen Unterkünften sind durchweg positiv. Denn die Region Brugg ist beliebt für Ausflüge nach Zürich.

Das Übernachten hier kostet nicht so viel, trotzdem gelangt man innert einer halben Stunde in die Stadt. Für Reisende mit einem kleinen Budget ist das also optimal.

Auch Verena Rohrer von Brugg Regio glaubt, dass Airbnb Brugg zu mehr Bekanntheit verhelfen könnte. «Falls Airbnb-Angebote in unserer Region bestehen, kann es gut sein, dass dadurch neue Leute, die sonst nicht in die Region gekommen wären, zu uns kommen. Das würde dann zu mehr Bekanntheit führen.», sagt sie.

Aber: «Wählt ein Suchender anstatt eines Bnb oder Hotelzimmers nun ein Airbnb, bringt uns das nicht mehr Bekanntheit. Er wäre ja eh gekommen.

Rohrer kann sich gut vorstellen, den Airbnb-Angeboten der Region eine Plattform auf der Website von Brugg Regio zu bieten. So, wie Hotels und andere Übernachtungs-Angebote aufgeführt sind.

«Demzufolge würden diese Übernachtungsplätze auch in mein noch geplantes Umsetzungsprojekt der Kurtaxe für die Region miteinbezogen», ergänzt sie.

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