Brugg/Hausen
Nur noch halb so viele wie vor zehn Jahren wollen Floristin werden: Das sind die Gründe

Die Lernendenzahl am Berufs- und Weiterbildungszentrum Brugg geht zurück. Teil der Gründe dafür sieht Meisterfloristin Silvia Huggenberger im tiefen Lohn und Anforderungen wie der körperlichen Belastung.

Claudia Meier
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«Mein Traumberuf», sagt Silvia Huggenberger von Blumen Umiker in Hausen. Ihre Lernende steht vor der Abschlussprüfung.

«Mein Traumberuf», sagt Silvia Huggenberger von Blumen Umiker in Hausen. Ihre Lernende steht vor der Abschlussprüfung.

Severin Bigler

Als Silvia Huggenberger, Inhaberin von Blumen Umiker in Hausen, vor 24 Jahren ihre Floristinnen-Lehre abschloss, gab es im Aargau pro Jahr noch drei Abschlussklassen. «Heute beenden nur noch etwa 20 Floristinnen pro Jahr ihre Ausbildung», sagt die 42-jährige Meisterfloristin mit Bedauern. Sie weiss, dass die körperliche Belastung und der tiefe Lohn den Beruf nicht unbedingt attraktiv machen. Dennoch ist die zweifache Mutter überzeugt, dass der gekonnte und künstlerische Umgang mit Blumen und Pflanzen Zukunft haben wird.

Durch die Ausstellung «Blumen für Kunst» im Aargauer Kunsthaus, bei der auch Huggenbergers Vorgängerin Elsbeth Leuenberger und deren Freundin Anita Schibli mitmachen, steht der Floristenberuf aktuell im Zentrum. Rektor Alex Simmen vom Berufs- und Weiterbildungszentrum (BWZ) Brugg, wo alle Aargauer Floristinnen die Berufsschulbank drücken, zeigt auf, wie sich die Zahl der Lernenden in den letzten zehn Jahren verändert hat. Während 2009 noch insgesamt 102 Floristinnen in Brugg zur Schule gingen, sind es aktuell nur noch 53. Im dritten Lehrjahr sind es derzeit 18, im zweiten 20 und im ersten 15 Lernende. Auf Gesuch hin besuchen auch Lernende aus dem Kanton Solothurn das BWZ. Das ist derzeit bei zwei Floristinnen der Fall.

Lehrverhältnisse werden relativ selten aufgelöst

Wie in vielen Berufen seien die Anforderungen an die Lernenden gestiegen respektive neue Kompetenzen dazugekommen, sagt Rektor Simmen zu den Herausforderungen der Floristen. Lange Arbeitszeiten, stehende Tätigkeit, tiefe Löhne (während der Lehre zwischen 600 und 950 Franken pro Monat, danach empfiehlt der Verband Florist.ch 3850 Franken Anfangslohn) und Spitzen in der Arbeitsbelastung (etwa für den Valentinstag) sind weitere Aspekte.

Alex Simmen ist klar der Meinung, dass die Ausstellung «Blumen für die Kunst» einer breiten Öffentlichkeit zeigt, welche schöne und kreative Tätigkeit die Floristik ist. «Floristik ist weit mehr als nur ein Blumengesteck oder ein Blumenstrauss aus einer Verlegenheit, es ist eine gewerbliche Kunstform, die unsere Umgebung stilistisch bereichert», so der Rektor. Bei den Floristinnen werden relativ wenig Lehrverhältnisse aufgelöst, im aktuellen Schuljahr ist es bisher eines aufgrund eines Umzugs nach Basel.

Berufe mit handwerklichem Hintergrund nicht im Trend

«Bevor es zur Auflösung eines Lehrverhältnisses kommt, wird vom BWZ zusammen mit dem Verband nach einer geeigneten Anschlusslösung gesucht», fährt Simmen fort. Oftmals könne bei Schwierigkeiten mit einem Wechseln des Lehrbetriebs das Lehrverhältnis weitergeführt werden.

«Leider sind die Berufe mit handwerklichem Hintergrund wie Florist im Moment nicht sehr im Trend», sagen Tamara Emch und Urs Iten. Die beiden bilden das Co-Präsidium der Aargauer Sektion des Berufsverbands Florist.ch. Sie fragen sich auch: «Wenn in der Grundschule wenig Wert auf das Handwerkliche gelegt wird, wie wollen es denn die Jugendlichen für sich entdecken?» Die Berufswahl hat auch mit der allgemeinen Einstellung zu tun. Denn viele meinten, höhere Erfolgsaussichten zu haben, wenn sie studierten, so Emch und Iten. «Wir arbeiten mit den Händen, dies hinterlässt Spuren.»

Zurück zu Silvia Huggenberger von Blumen Umiker in Hausen: Ihre Lernende, die das dritte Lehrjahr absolviert, steht kurz vor der Abschlussprüfung. Im August beginnt eine neue Lernende. «Wir hatten zwei Interessentinnen für die Lehrstelle. Anfragen für Schnupperlehren haben wir eher wenige», erzählt Huggenberger. Beim Berufsverband erarbeitet momentan eine Arbeitsgruppe neue Projekte, um den Nachwuchs zu sichern.