Mülligen
Nun können Bauern noch einfacher wählen, ob sie Kuh oder Muni wollen

Swissgenetics, ein national und international tätiges Unternehmen in der Stier-Samenproduktion, plant ein neues Labor in Mülligen. In diesem können die Spermien nach Geschlecht getrennt werden.

Michael Hunziker
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In der Tierzucht steigt die Nachfrage nach sogenannt «gesextem» Ejakulat. Das Bild zeigt einen Trennapparat in einem Labor in Frankreich. zvg

In der Tierzucht steigt die Nachfrage nach sogenannt «gesextem» Ejakulat. Das Bild zeigt einen Trennapparat in einem Labor in Frankreich. zvg

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Umgeben von grünen Wiesen, liegt in Mülligen der Standort der Swissgenetics: ein Ensemble mit Bürogebäuden und Stallungen, nichts Spektakuläres. Dennoch: Beim Unternehmen handelt es sich um ein national und international tätiges Kompetenzzentrum für die Stier-Samenproduktion.

In diesem Jahr soll ein neues Trennlabor gebaut werden. «Im Labor werden wir eine neue Art Samendosen herstellen können», erklärt Ulrich Witschi, Bereichsleiter Produktion. Will heissen: Die Spermien werden nach dem X-und Y-Chromosomen – also nach Geschlecht – getrennt. Damit kann mit einer Wahrscheinlichkeit von 90 Prozent bestimmt werden, ob die Nachkommen später männlich oder weiblich sein werden. Diese Möglichkeit bestehe bei der heutigen Routineverarbeitung nicht, sagt Witschi.

In der Tierzucht sei eine steigende Nachfrage nach sogenannt «gesextem» Ejakulat vorhanden, um das jeweils unerwünschte Geschlecht in der Nachkommenschaft ausschliessen zu können, fährt Witschi fort und nennt als Beispiel die Milchproduktion, in der hauptsächlich ein Interesse an weiblichen Nachkommen bestehe.

Externe Firma betreibt Labor

Das neue, eingeschossige Gebäude mit Lager und Technikraum ist westlich des bestehenden Bürogebäudes geplant. Erstellt wird es von der Swissgenetics, betrieben allerdings von einer externen Firma. Diese wird die Samendosen im Auftragsverhältnis exklusiv für die Swissgenetics produzieren.

Der Hintergrund: Die komplexen technischen Spezifitäten der Sortieranlage sowie die benötigten Mittel gehören laut Witschi zum Geschäftsgeheimnis des externen Unternehmens. «Es eröffnet aus diesem Grund Niederlassungen vor Ort und bringt in diesen Zweigstellen sein Wissen ein.»

Die Anforderungen im Sortierlabor unterscheiden sich deutlich von der heutigen Routineverarbeitung. Deshalb – und auch aus Platzgründen – ist es laut Witschi angezeigt, die Abläufe komplett zu trennen.

Im neuen Gebäude müssten zudem gewisse klimatische Bedingungen erfüllt werden. «Die Herausforderung besteht darin, die Verhältnisse so zu gestalten, dass der Betrieb reibungslos funktioniert.» Auf die Routineverarbeitung hat das Trennlabor übrigens wenig Einfluss.

Noch geht es nach Frankreich

Heute arbeitet Swissgenetics mit einem Trennlabor in der Nähe des französischen Besançon zusammen. Um eine Trennung der Spermien nach Geschlecht zu erzielen, müssen die Stiere also dorthin gebracht werden – ein aufwändiges Unterfangen. Die räumliche Nähe des neuen Labors zum Betrieb in Mülligen wirke sich positiv auf die Breite des Angebots und die Kosten aus, stellt Witschi fest.

Für die Swissgenetics ist das Ziel klar: Durch das Trennlabor sollen die Kunden Spermadosen in einer guten Qualität erhalten. Das Unternehmen seinerseits erwartet eine höhere Flexibilität und Verfügbarkeit. Für die Anwohner werde sich nichts ändern, fügt Witschi an. Es sei weder mit Lärm- noch Geruchsimmissionen zu rechnen.

Das Baugesuch für den Neubau liegt bis 22. April auf der Gemeindekanzlei in Mülligen auf. Verläuft alles nach Plan, soll bereits im November die Produktion aufgenommen werden. Witschi spricht von einem sportlichen, aber realistischen Zeitplan.

922 000 Samendosen

Die Swissgenetics betreibt fünf Standorte über die ganze Schweiz verteilt. Diese Standorte sowie die Verteilzentren ermöglichen es laut dem Unternehmen, das ganze Land effizient zu bedienen. Im Geschäftsjahr 2012/13 wurden alleine im Inland 922 000 Samendosen abgesetzt. Bei den Exporten war die Rede von 416 000 Einheiten.

Gegründet wurde der Schweizerische Verband für künstliche Besamung 1960. Drei Jahre später nahm die erste schweizerische Besamungsstation in Neuenburg den Betrieb auf, 1964 folgte die zweite Besamungsstation in Mülligen. 2004 wurde das Exportgeschäft in den Genossenschaftsverband integriert und der Name Swissgenetics eingeführt. Das Unternehmen beschäftigt rund 350 Mitarbeitende.

Auch der Muni des Schwingerkönigs lieferte Labor von Swissgenetics seine Spermien ab: