Bei der Suche nach einem geeigneten Standort für den Bau eines geologischen Tiefenlagers für radioaktiven Atommüll vertreten die Regionalkonferenzen die Interessen der Region. Vor knapp einem Jahr hat die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) dem Bund die Standortgebiete Jura Ost (Bözberg) und Zürich Nordost für die weiteren Untersuchungen in Etappe 3 des Sachplanverfahrens vorgeschlagen. Die Regionalkonferenz Jura Ost ist danach vom Bundesamt für Energie (BFE) eingeladen worden, eine generelle Stellungnahme zur Nachvollziehbarkeit des Nagra-Vorschlags zu verfassen.

3D-Seismik – Ein Blick in den geologischen Untergrund

3D-Seismik – Ein Blick in den geologischen Untergrund

Und um diese Stellungnahme ging es an der 16. Regionalkonferenz am Donnerstagabend im Brugger Salzhaus. Dass das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorats (Ensi) in der Zwischenzeit bei der Nagra zusätzliche Unterlagen zum dritten Standortgebiet Nördlich Lägern angefordert hat, wertete Co-Präsident Ueli Müller als Zeichen, dass das Auswahlverfahren richtig aufgegleist ist. Von den derzeit 97 Mitgliedern der Regionalkonferenz Jura Ost haben sich im laufenden Jahr etliche Personen in Fachgruppen intensiv mit dem Nagra-Vorschlag auseinandergesetzt.

Leo Grünenfelder zeigte als Vorsitzender der Fachgruppe Oberflächenanlagen auf, welche Ergänzungen zur vorgesehenen Voruntersuchung der Umweltverträglichkeitsprüfung gemacht wurden. Dabei geht es unter anderem um Auswirkungen auf die Thermalquellen oder den Park Innovaare.

Seismische Messungen laufen

Zu reden gab die Stellungnahme der Fachgruppe Sicherheit. Vorsitzende Marlène Koller betonte: «Wir wissen noch nicht, welche Nutzungskonflikte wir in 10 000 Jahren haben werden.» Das Laiengremium habe daher grosszügig offene Fragen in die Stellungnahme aufgenommen, auf die dann in Etappe 3 Antworten erwartet werden. «Lieber einmal zu viel fragen als zu wenig», so Koller.

Rosi Magon äusserte Bedenken: «Fallen wir mit unserer Zustimmung nicht der Aargauer Regierung in den Rücken, die grosse Vorbehalte hat? Ich kann jedenfalls nicht sagen, dass ich die Einengung durch die Nagra nachvollziehen kann.»

Robert Obrist beurteilte als Vorsitzender der Fachgruppe SÖW, die Untersuchungen zu den sozioökonomisch-ökologischen Auswirkungen eines Tiefenlagers als kritisch und wenig aussagekräftig. Weil noch viele Fragen offen sind, wurde die «Stellungnahme der Regionalkonferenz Jura Ost zur Etappe 2 des Sachplanverfahrens ‹Geologisches Tiefenlager›» zuerst mit dem Prädikat «Vorläufig» versehen und dann mit 56 Ja- zu 14-Nein-Stimmen von den 72 Anwesenden verabschiedet.

Noch bis Ende Jahr laufen rund um den Bözberg seismische Messungen, um den Untergrund zu untersuchen. Dazu werden vielerorts orange Kabel verlegt.