Jura Ost

Nagra-Entscheid wird von Kanton und Bürgerbewegung hinterfragt

Die gelben Kaib-Blachen sind über den ganzen Bözberg verteilt und wie hier – von der Passstrasse her – kaum zu übersehen.

Die gelben Kaib-Blachen sind über den ganzen Bözberg verteilt und wie hier – von der Passstrasse her – kaum zu übersehen.

Ein Kantonsvertreter sagt den Mitgliedern von «Kein Atommüll im Bözberg», was bei der Tiefenlager-Beurteilung wichtig ist. Und ob die Schweiz zur Lagerung radioaktiver Abfälle einen Plan B hat.

Seit dem Entscheid der Nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) Ende Januar, dass in der Schweiz nur noch die beiden Standortgebiete Jura Ost und Zürich Nordost für ein geologisches Tiefenlager für Atommüll infrage kommen, werden von allen Seiten viele Fragen aufgeworfen. Einige davon versuchte der Sachbearbeiter und Projektleiter «Sachplan Geologisches Tiefenlager» beim Kanton Aargau, Thomas Frei, zu beantworten. Er war Gast an der Generalversammlung des Vereins «Kein Atommüll im Bözberg» (Kaib) am Dienstag im Gasthaus Bären auf der Bözberger Passhöhe.

Welche Haltung nimmt der Kanton in diesem Sachplanverfahren ein? Ist der Entscheid der Nagra nachvollziehbar? Wird der Aargau hier nicht über den Tisch gezogen? Gibt es in der Schweiz wirklich keinen besser geeigneten Standort als das Wasserschloss? Wie viele Ressourcen hat der Aargau für dieses Verfahren? Reichen sie aus?

Erinnert an Nagra-Geheimpapier

Thomas Frei ging pointiert und offen auf die vielen Fragen ein, erläuterte den hochkomplexen Prozess und die heiklen Punkte, die dem Kanton besonders am Herzen liegen. Die Aargauer Regierung liess bereits im Januar verlauten, dass sie kein Tiefenlager im Aargau will. Frei wurde von der starken Einschränkung durch die Nagra auf zwei Standortgebiete ebenso überrascht wie die meisten anderen auch.

Der Entscheid wecke Erinnerungen an das sogenannte Nagra-Geheimpapier, das im Oktober 2012 für Schlagzeilen sorgte. Deshalb müsse man nun sehr genau hinschauen, um auszuschliessen, dass der Entscheid politisch motiviert ist, so Frei. Im Grundsatz setze sich der Kanton ein für ein faires, transparentes, nachvollziehbares und glaubwürdiges Verfahren, bei dem die Sicherheit die oberste Priorität hat.

«Wir werden uns weiter wehren»: Max Choppard, Co-Präsident des Vereins KAIB, zum geplanten Tiefenlager in Bözberg (30.1.2015).

«Wir werden uns weiter wehren»: Max Choppard, Co-Präsident des Vereins KAIB, zum geplanten Tiefenlager in Bözberg (30.1.2015).

Gab es überhaupt vergleichbare Daten, um auf zwei Standorte zu reduzieren? Wie wurden die Kriterien gewichtet? Welche Nachteile haben Südranden und Nördlich Lägern gegenüber Jura Ost? Der Kanton nimmt sich für diese Beurteilung ein Jahr Zeit. «Wir gehen die Beantwortung dieser Fragen ergebnisoffen an. Alles andere wäre nicht ehrlich», so der Sachbearbeiter. «Kantonsintern sind wir am Schauen, wie wir uns besser aufstellen können. Der Kanton Zürich hat für diese Aufgabe nicht viel mehr Ressourcen als wir.»

Aus Freis Sicht wurde die Diskussion um den Oberflächenstandort zu früh geführt, «weil wir noch gar nicht wissen, wie es im Untergrund aussieht». Deshalb sei im Fall Villigen die Vereinbarkeit mit der Forschung gründlich zu klären. Gibt es in diesem Verfahren auch einen Plan B? Diese Frage müsste man dem Bundesamt für Energie stellen, so Frei und gab die Antwort dann doch gleich selber: «Nein, wenn die Beurteilung negativ ausfällt, müsste man ehrlicherweise sagen, dass die Schweiz nicht für den Bau eines geologischen Tiefenlagers geeignet ist.»

90 Mitglieder auf dem Bözberg

Die Mitgliederzahl der Bürgerbewegung Kaib ist in den letzten zwölf Monaten von 584 auf 660 gestiegen. Über die Hälfte stammt aus den Bezirken Brugg und Baden – 90 davon aus der Gemeinde Bözberg. Rund 40 Prozent der Mitglieder kommen aus den Bezirken Laufenburg und Rheinfelden. «Wir sind also eine lokal verankerte Bürgerorganisation», sagte SP-Nationalrat und Kaib-Co-Präsident Max Chopard. Bei verschiedenen Aktionen habe der Vorstand festgestellt, wie die Akzeptanz von Kaib zugenommen habe.

Aus dem neunköpfigen Vorstand traten das Gründungsmitglied Elisabeth Tauss und SVP-Grossrätin Tanja Suter zurück. Beide stammen wie die bisherige Co-Präsidentin Elisabeth Burgener aus Gipf-Oberfrick. Burgener hat das Co-Präsidium abgegeben, bleibt dem Vorstand aber treu. Neuer Kaib-Präsident ist Max Chopard. Die gut 30 anwesenden Mitglieder gaben dem Vorstand die Kompetenz, unter dem Jahr ein neues Mitglied ins Gremium aufzunehmen. Zur Diskussion steht die Aufnahme eines Vertreters vom Verein «Nördlich Lägern ohne Tiefenlager» (LoTi).

«LoTi will den Verein zwar bis 2017 aufrechterhalten, wird aber aufgrund des Nagra-Entscheids die Aktivitäten herunterfahren. Deshalb würden sie uns gerne unterstützen», so Chopard. Kaib plant diesen Sommer eine Landsgemeinde auf dem Bözberg. Für den sogenannten Kampffonds wird Kaib von LoTi mit 500 Franken unterstützt.

Das Samichlaus-Versli der Atommüll-Gegner - so reimten die KAIB-Mitglieder im Dezember 2014.

Das Samichlaus-Versli der Atommüll-Gegner - so reimten die KAIB-Mitglieder im Dezember 2014.

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