Hausen
Nach 20 Jahren ist Schluss: Hier kommt die Post zum letzten Mal mit Ross und Kutsche

Briefträger Daniel Tschabold ist zum letzten Mal mit Ross und Kutsche auf Tour gegangen und hat damit eine Tradition beendet.

Irene Hung-König
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Briefträger mit Ross und Wagen
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Ein Pöstler auf Abschiedstour. Briefträger Daniel Tschabold ging in Hausen zum letzten Mal mit Ross und Kutsche auf Tour. Hier vollführt er mit Pferd und Wagen eine Spitzkehre.
Ein Pöstler auf Abschiedstour. Briefträger Daniel Tschabold ging in Hausen zum letzten Mal mit Ross und Kutsche auf Tour. Er verträgt die Post noch einmal mit Pferd Orlando.
Ein Pöstler auf Abschiedstour. Briefträger Daniel Tschabold ging in Hausen zum letzten Mal mit Ross und Kutsche auf Tour. Pöstler Tschabold verabschiedet sich persönlich bei der Kundschaft.
Ein Pöstler auf Abschiedstour. Briefträger Daniel Tschabold ging in Hausen zum letzten Mal mit Ross und Kutsche auf Tour. Als Kaminfeger verkleidet überbringt er nebst der Post auch gute Neujahrswünsche.
Ein Pöstler auf Abschiedstour. Briefträger Daniel Tschabold ging in Hausen zum letzten Mal mit Ross und Kutsche auf Tour. Auch das gehört zur Tradition: Ein Hufeisen aus Teig als Geschenk für die Kundschaft.
Ein Pöstler auf Abschiedstour. Briefträger Daniel Tschabold ging in Hausen zum letzten Mal mit Ross und Kutsche auf Tour. Fertig lustig: Daniel Tschabold fixiert Orlando's Hut.
Ein Pöstler auf Abschiedstour. Briefträger Daniel Tschabold ging in Hausen zum letzten Mal mit Ross und Kutsche auf Tour. Steigt die Strasse besonders steil an, hilft Daniel Tschabold ziehen.

Briefträger mit Ross und Wagen

Irene Hung-König

Sei es als Samichlaus verkleidet mit dem Christkind auf dem Kutschbock oder als glücksbringender Kaminfeger: Überall dort, wo Briefträger Daniel Tschabold (43) jeweils zum Jahresende in Hausen klingelte, wurde er herzlich empfangen. Nach 20 Jahren ist nun Schluss mit dieser vielfach lieb gewonnenen Tradition: am Samstag verteilte er zum letzten Mal die Post mit Ross und Kutsche. Als «Glücksbringer mit 1 PS» wurde er in der «SonntagsZeitung» porträtiert.

Daniel Tschabold arbeitet seit nunmehr einem Jahr in Döttingen-Klingnau. Anfänglich sollte er für einen verunfallten Kollegen einspringen, jetzt ist das untere Aaretal sein Arbeitsplatz. Ob er seine Tradition dort einführen wird, weiss er noch nicht.

Daniel Tschabold startet seine letzte Tour mit dem 25-jährigen Freiberger Orlando um 8.30 Uhr. Der Briefträger ist als Kaminfeger verkleidet, läutet am einen oder anderen Ort und überbringt die Post versehen mit Neujahrswünschen und einem Hufeisen aus Teig. Auch Pferd Orlando ist herausgeputzt: die Glöckchen bimmeln an seinem Hals, mit dem schwarzen Hut kann sich Orlando allerdings nicht anfreunden. Marco Lava, Tschabolds Neffe, sitzt auf dem Kutschbock und hält die Zügel in der Hand. «Jetzt bitte wieder bremsen», ermahnt ihn sein Onkel vor einer besonders steilen Strasse.

Nur lobende Worte

«Guten Tag Herr Tschabold, wir haben Sie vermisst», sagt eine Frau. Um zugleich zu hören, dass dies Tschabolds letzte Tour durch Hausen war, da er jetzt woanders arbeite. «Schade, Sie waren immer der Freundlichste», sagt sie. Und eine andere Hausemerin meint, dass sie das persönliche Wort von Daniel Tschabold immer sehr geschätzt habe. Auch Orlando kriegt Streicheleinheiten ab. Einige Kunden laufen ins Haus zurück, um schnell ein Rüebli für das Tier zu holen. Andere zücken ihr Handy, um die Szene festzuhalten.

Plötzlich rennt ein Mann hinter dem mit Post beladenen Wagen her. Unter dem Arm trägt er einen Packen Kartons. Heute wird in Hausen auch das Altpapier eingesammelt. Daniel Tschabold lacht und ruft: «Das ist die Post.» Der Mann bemerkt seinen Fauxpas und geht wieder. Tschabold braucht mit Ross und Wagen deutlich länger als sonst, um die Post auszutragen: Die vielen herzlichen Glückwünsche sind es ihm wert.

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