Es ist idyllisch hier, oberhalb von Effingen. Daniel Schwarz’ Reich erstreckt sich weit. Neben der Scheune mit dem Wohnhaus, das er zusammen mit seiner Ehefrau Marie-Therese bewohnt, gehören ihm auch einige Parzellen Land. Er schätzt die Freiheit, schätzt, dass alles hier sein Eigentum ist. So kann er wirken und werken, ohne jemanden um Erlaubnis bitten zu müssen.

Daniel Schwarz arbeitet seit 25 Jahren als freischaffender Künstler. Schon während seiner Schulzeit in Effingen sei er ein guter Zeichner gewesen, erzählt Schwarz. Er sitzt in seinem Wohnzimmer, im Hintergrund tickt die Wanduhr. «Meine Lehrer legten mir nahe, Künstler zu werden.»

Zunächst schlägt Schwarz einen bodenständigeren Weg ein. Er lernt Hufwagenschmied. «Ich war pferdeverrückt, arbeitete in einem Rennstall als Stallbursche», sagt er. Durch seine damalige Freundin kommt Schwarz nach der Lehre nach Embrach im Kanton Zürich. Deren Vater arbeitet im Filmdekor- und Bühnenbau.

Schwarz arbeitet während sieben Jahren mit. «Ich habe dabei mit vielen Materialen gearbeitet, auch mit Eisen, was mir nahelag.» Durch seine Arbeit lernt er Künstler aus dem In- und Ausland kennen. Diese Bekanntschaften geben den Ausschlag, dass Schwarz selber als Künstler tätig wird.

Im Tessin verkauft er einiges

1993 eröffnet er sein Atelier in Effingen, auf dem Hof seiner Grosseltern. Der ehemalige grosselterliche Hof fiel der Autobahnausfahrt Effingen zum Opfer, weshalb sich Grossvater Schwarz ein neues Wohnhaus mit Scheune baute. Da er mit seinen 75 Jahren nicht mehr bauert, darf Enkel Daniel die Scheune nutzen. In dieser beginnt er, recyceltes Eisen und Stahl zusammenzuschweissen. Es entstehen Tiermotive, «Viecher», wie Schwarz selber sagt.

Bald macht er seine erste Ausstellung. «Am Anfang ist es einfach. Familie, Freunde und Bekannte kommen und alle kaufen etwas. Wenn sie dann eingedeckt sind, wird es schwieriger», sagt Schwarz. Da tierische Sujets beliebt sind, findet er häufig einen Käufer für seine Werke. Durch seine grossen Blechtiere, wie einen Elefanten, ist er bald regional bekannt. Sein Bekanntheitsgrad steigert sich weiter, als er bei der Galeria Borgo in Ascona unterkommt. Dort finden sich häufig Käufer für seine Werke.

Immer mehr Auftraggeber kommen auf Schwarz zu. «Am meisten habe ich Elefanten und Pferde gefertigt», sagt der heute 51-Jährige. Seine Werke sind alles Einzelstücke. «Ich will keine Serien machen, ich will selber meine Kreationen durchziehen.» Schwarz’ Bekanntheitsgrad steigt ab 2001 erneut, als er beginnt, bei Wettbewerben für Kreiselschmuck mitzumachen und auch Zuschläge erhält. Er ist unter anderem für den Dinosaurier in Frick, für die Paprika in Birmenstorf und für die Hornisse von Hornussen verantwortlich. Auch heute macht er immer noch bei Wettbewerben für Kreiselschmuck mit.

Wichtiges Gut ist die Freiheit

2006 wendet er sich dem Bronzeguss zu. «Ich hatte Bronze immer im Kopf», sagt Schwarz. Er baut sich zu Hause eigene Gussöfen, um die Bronze zu schmelzen und legt los. Schnell merkt er, dass ihm das Know-how fehlt, doch mittlerweile hat sich Schwarz auch das angeeignet. Seine Passion bleibt die Arbeit mit Eisen und Stahl. Dabei befasst er sich auch mit dem Thema Mensch. Zum Ausdruck bringt er dies mit seinen «Manndli». Es sind schlanke, geschlechtslose und schlichte Gestalten, die er fertigt.

«Ich sehe mich selber als Firma», sagt Schwarz. Sein Verdienst als freischaffender Künstler schwankt von Monat zu Monat. «Ich habe einen leicht besseren Lohn als ein Schlosser.» Er biete seiner Meinung nach ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bei seinen Werken. Schwarz schreibt fein säuberlich auf, wie lange er an einem Werk gearbeitet und welche Materialien er verwendet hat. Bis jetzt sei er immer gut über die Runden gekommen, doch gerade am Anfang habe es auch schwere Zeiten geben. «Als Künstler musst du dir Referenzen aufbauen. Jetzt, nach 25 Jahren, läuft es fast von selber», sagt Schwarz. Er wird von anderen Künstlern für Ausstellungen angefragt, arbeitet mit Architekten und Landschaftsgärtnern zusammen und erledigt Kundenaufträge.

«Ich muss mit meiner Kunst nicht reich werden»

Schwarz kann es sich gut vorstellen, auch die nächsten 25 Jahre als Künstler tätig zu sein. Wichtig ist ihm, dass seine Gesundheit mitspielt. Das viele Gewicht, das er herumschleppt, hat zu einem kaputten Hüftgelenk geführt.

«Ich muss mit meiner Kunst nicht reich werden», sagt Schwarz. Viel lieber sind ihm die persönlichen Freiheiten, die er geniesst. «Ich kann Ferien machen, kann meinem Hobby, dem Töfffahren, nachgehen. Ich bin zufrieden», sagt Schwarz, der nebenbei für Bolliger Kawasaki Switzerland bei Langstrecken-WMs als Mechaniker mitfährt.

Am kommenden Samstag, 29. September, wird Schwarz seine 21. Ausstellung auf seinem Hof in Effingen durchführen. Gemeinsam mit sieben weiteren Künstlern wird er Werke aus seinem Schaffen präsentieren. Am Samstag, 6. Oktober, wird er zudem mit dem Brugger Künstler Claudio Cassano in seinem Baumgarten selber Bronze giessen.