Brugg
Mammutprojekt: So weit ist das neue Pflegezentrum in Brugg

Im Frühling starteten die Bauarbeiten zum neuen Pflegezentrum in Brugg. Seither ist viel passiert – ein Augenschein.

Elisabeth Feller
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So steht es um das neue Pflegezentrum in Brugg
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Das 12-köpfige Küchenteam muss derzeit improvisieren. Es bereitet für die Heimbewohner und Gäste täglich 400 bis 454 Mahlzeiten zu.
Susanna Mattenberger, Geschäftsführerin des Medizinischen Zentrums, weiss: «Lärm stellt den Operationsbereich vor hohe Anforderungen.»
Wo man hinsieht, entdeckt man Materialien, die für den Baum des Mammutprojekts Akkord unverzichtbar sind.
Allerorten stehen auf dem Gelände des Pflegezentrums am Süssbach rot-weisse Pfosten, die signalisieren: «Achtung, hier passiert etwas.
Ein Krankenbett auf dem Flur. Von den baulichen Veränderungen ringsum merkt man hier nichts: Gesundwerden bedeutet alles.

So steht es um das neue Pflegezentrum in Brugg

Michael Hunziker

Der Empfang im Pflegezentrum Süssbach AG ist wie immer besetzt. Wer sich dort meldet, wird freundlich weiter gelotst. Es ist 10 Uhr. Der Tag hat längst begonnen – alles geht seinen Gang. Es ist ruhig. Das muss eine Sinnestäuschung sein, denken die Gäste: Sie sind gekommen, um zu erleben, wie weit das Mammutprojekt Akkord schon gediehen ist (siehe Box).

Was will das 100-Millionen-Franken-projekt am Süssbach

Gelände des Ex-Bezirksspitals wird vielfältig bebaut

Das 100 Millionen Franken teure, 2019 beendete Projekt Akkord wurde vom Architekturbüro Fugazza, Steinmann Partner in Wettingen konzipiert, das langjährige Erfahrungen im Hinblick auf Spital- und Altersheimbauten hat. Auf dem Gelände des Ex-Bezirksspitals Brugg und des heutigen Pflegeheims am Süssbach wird ein neues Pflegeheim gebaut. Aus dem Pflegeheim des Alterszentrums wird ein Appartementhaus für Alterswohnungen . Die heutige, nicht behindertengerechte Alterssiedlung mit 1-Zimmer-Wohnungen wird durch Neubauten mit 2- und 3-Zimmer-Wohnungen ersetzt. Das Projekt Akkord ist in 9 Teil- und 16 Zusatzprojekte gegliedert. Bis 2016 wird das mit neuem Restaurant und Sälen ausgestattete Pflegeheim – an der Ostseite der Fröhlichstrasse – als Ersatz für das auf der Westseite gelegene Altersheim-Hochhaus fertig gebaut sein. Im Frühjahr 2016 werden die bisher im Hochhaus lebenden Altersheimbewohner in den neuen Pflegetrakt umziehen. Der Umzug ist deshalb notwendig, weil nur ein leeres Hochhaus umgebaut und im Herbst 2018 bezogen werden kann. Dannzumal werden an diesem Ort Alterswohnungen, Spitex sowie weitere Dienstleister beheimatet sein. Hinzu kommt im Norden des Areals ein erstes neues Haus mit weiteren Wohnungen für die Alterssiedlung. In der letzten Etappe folgen schliesslich in Richtung Süden drei ringähnlich situierte, zusätzliche Gebäude, sodass das Angebot von heute 53 auf 87 Alterswohnungen steigen wird. (EF.)

Dass dessen Umsetzung viel Staub aufwirbeln und viel Lärm verursachen würde, haben sie erwartet. «Aber heute haben sie Glück», sagt Susanna Mattenberger, Geschäftsführerin des im Pflegezentrums beheimateten Medizinischen Zentrums (MZB), «diese Ruhe ist eine Ausnahme.» Tatsächlich zeigt der Rundgang inner- und ausserhalb des verwinkelten Komplexs’, dass seit Akkord-Baubeginn im Frühjahr viel gelaufen ist – nach Plan und ausser Plan, wie Hans Bürge von der Stiftung Gesundheit Region Brugg an einem Beispiel erklärt.

«In der alten Küche und zum Teil auch in der Wäscherei sind hinter den Keramikplättli asbesthaltige Putzleisten zum Vorschein gekommen.» Verständlich, dass diese durch eine Spezialfirma zurückgebaut und umweltgerecht entsorgt werden mussten. Das, so Bürge, habe zu einer Terminverzögerung von etwa 10 Tagen geführt und Kosten von rund 130 000 Franken verursacht. Kann man diesen zusätzlichen Betrag auffangen? «Ja», betont Bürge, «für Unvorhergesehenes sind im Kostenvoranschlag entsprechende Reserven eingerechnet.»

Thermische Sanierung

Gemäss Bauleitung ist ein Teil der Verzögerung bereits wieder aufgeholt, sodass der Endtermin für die Umbauten – November 2014 – aller Voraussicht nach nicht gefährdet ist. Wenn schon von Geld die Rede ist: Der Stiftungsrat, so Bürge, habe im Interesse der Umweltschonung beschlossen, die Ostfassade einer thermischen Sanierung zu unterziehen und die im Haus C (Pflegeheim) benötigte Wärme ebenfalls bis zu 70 Prozent mit einer Wärmepumpe zu erzeugen. Dazu habe dieser einen Zusatzkredit von 480 000 Franken bewilligt. Bürge unterstreicht, «dass die Realisierung in Abstimmung mit den bisher beschlossenen baulichen Massnahmen erfolgt.»

Bauliche Massnahmen = Lärm? Susanna Mattenberger, Geschäftsführerin des Medizinischen Zentrums (MZB), lächelt. «Seit Jahren wird bei uns permanent etwas verändert oder gebaut.» Doch der Lärm wird für die Patienten, die nicht länger als 24 Stunden im Süssbach bleiben, Ärzte, Pflegepersonal und Heimbewohner, nicht schon bald aufhören, sondern in den nächsten Jahren ein Dauerbegleiter sein. «Das stellt vor allem an den Operationsbereich hohe Anforderungen», hebt Susanna Mattenberger hervor und erwähnt als Beispiel die Augenchirurgie als «sehr heikel». Aber: «Wir haben aus vergangenen Erfahrungen gelernt.»

Damit die Erwähnten nicht übermässig mit Lärm belästigt und belastet sind, werden jede Woche sogenannte Lärmfenster geplant. Was bedeutet das konkret? «Wir legen mit den Betroffenen günstige Zeitpunkte fest. Innerhalb von diesen können lärmintensive Arbeiten verrichtet werden.» Oft würden solche Arbeiten auch an Samstagen verrichtet, wodurch der normale Tagesbetrieb weniger gestört werde.

Ab und an, ergänzt Bürge, müssten interne Weiterbildungen und weitere Veranstaltungen in andere Räume verlegt werden. Diesbezüglich zeige sich das benachbarte Alterszentrum als sehr entgegenkommend. «Auch die Nachbarschaft bringt der Realisierung unseres Akkord-Vorhabens sehr grosses Verständnis entgegen», doppelt Bürge, nach: «Während der Baugesuchsauflage für die zweite Etappe sind lediglich vier Einsprachen eingegangen.»

Mit allen Einsprechern hätten im Beisein des Präsidenten der Stiftung, Rolf Alder, und des Geschäftsleiters, Aussprachen stattgefunden. «Soweit als möglich versuchen die Parteien zu einer Einigung zu kommen. Wird man sich nicht einig, hat die Baubewilligungsbehörde einen Entscheid zu fällen», sagt Bürge.

Wie sieht der Fahrplan aus?

Die Arbeiten laufen auf zwei Ebenen auf Hochtouren. Erstens: Nachdem die Ausbrucharbeiten in der Küche und in der Wäscherei nahezu erledigt sind und die neue Werkstatt im Rohbau steht, werden die Innenausbauten in Angriff genommen. Nach den Sommerferien wird bereits mit dem Einbau der Apparate und Maschinen begonnen. Zweitens: Parallel dazu werden die Detailplanungsarbeiten für die zweite Etappe vorangetrieben.

Die mit dem Baumanagement beauftragte Firma bereitet derzeit die Submissionsunterlagen für das Bau-Hauptgewerbe vor. Bürge: «Vorausgesetzt, dass bis zu diesem Zeitpunkt die Beschwerden erledigt sind und die Baubewilligung rechtskräftig ist, kann wie geplant gegen Ende Jahr mit den Abbruch- und Aushubarbeiten begonnen werden.»

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