Brugg
Literatur-Gruppe im «Odeon»: Hier kommen Autoren und Zuhörer ins Gespräch

Die Literatur-Gruppe im «Odeon» startet mit einigen Besonderheiten und Neuerungen in das neue Jahr. Mit seinem Literatur-Angebot hat sich das «Odeon» ein treues Stammpublikum aufbauen können. Die Anlässe beginnen dieses Jahr früher.

Michael Hunziker
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Traudi Reimann (links) und Gabi Umbricht engagieren sich mit Herzblut in der Literatur-Gruppe im «Odeon».

Traudi Reimann (links) und Gabi Umbricht engagieren sich mit Herzblut in der Literatur-Gruppe im «Odeon».

Bei den Literatur-Liebhabern geniesst das Kulturhaus Odeon einen ausgezeichneten Ruf, bei den Zuhörern genauso wie bei den Autoren. Was Rang und Namen hat, ist – immer wieder – gerne in der angenehmen Atmosphäre in Brugg zu Gast. Am Freitag 11. Januar liest Hansjörg Schneider im Forum aus seinem autobiografischen Roman «Kind der Aare». Der preisgekrönte Schriftsteller ist im Aargau aufgewachsen und vielen ein Begriff durch seine «Hunkeler»-Krimis.

Traudi Reimann und Gabi Umbricht, die sich seit Jahren mit Herzblut in der Literatur-Gruppe engagieren, freuen sich auf diesen Besuch des bekannten Schweizer Autors. Mit seiner direkten Art und Sprache werde er zurückschauen auf sein Leben, erzählen von seiner Jugend in den Nachkriegsjahren oder auch von seinen Theaterprojekten.

Treues Stammpublikum aufgebaut

Ein weiterer spezieller Anlass folgt am 1. Februar, eine Kombination von Lesung und Kinofilm. Wilfried Meichtry präsentiert die Biografie «Verliebte Feinde», in der er das Leben sowie die unkonventionelle wie aufsehenerregende Ehe von Iris und Peter von Roten beschreibt, die für die Gleichstellung der Frau in der Gesellschaft kämpften. Gezeigt werden auch Bilddokumente aus verschiedenen Archiven. Es handle sich um einen abgerundeten Abend, verspricht Traudi Reimann. Selbstverständlich, fügt sie an, könne auch nur entweder die Lesung oder der Kinofilm besucht werden.

Mit seinem Literatur-Angebot hat sich das «Odeon» ein treues Stammpublikum aufbauen können. Der besondere Reiz bestehe darin, nach einer Lesung Fragen stellen zu können, in lockerem Rahmen an einem Tisch bei einem Glas Wein zusammenzusitzen, mit den Autoren ins Gespräch zu kommen, sagen Traudi Reimann und Gabi Umbricht. «Das wird geschätzt.» Meistens finden die Lesungen im intimen Rahmen im Forum statt, wird ein grosser Ansturm erwartet, steht der Kinosaal zur Verfügung.

Die Anlässe beginnen früher

Apropos Ansturm: Die Herausforderung sei es, für diese eher leisen Veranstaltungen neue, vielleicht auch jüngere Zuhörer ansprechen zu können, sind sich Traudi Reimann und Gabi Umbricht bewusst. Neu werden die Lesungen deshalb nicht mehr ausschliesslich am Freitag, sondern mehrheitlich von Dienstag bis Donnerstag durchgeführt. Weiter wird der Beginn vorverlegt von bisher 20.15 Uhr auf 19.15 Uhr. «Die Idee ist, dass die Besucher nach der Lesung, die ja nicht abendfüllend ist, gemütlich für den Austausch sitzen bleiben können und trotzdem zu einer vernünftigen Zeit wieder zu Hause sind.»

Ans Herz legen möchte Gabi Umbricht den Interessierten auch die bevorstehenden Lyrik-Tandems. Diese Reihe besteht seit der Saison 2016/17. Eingeladen werden Lyriker, die sich wiederum einen Gesprächspartner wünschen dürfen. Die beiden gestalten den Abend nach ihren Interessen. Die bisher durchgeführten Anlässe seien Sternstunden gewesen, stellt Gabi Umbricht fest. Leider, räumt sie ein, seien oft nicht allzu viele Zuhörer anwesend. Sie spricht von einer verschworenen Gemeinschaft. Entgegen dem weitverbreiteten Vorurteil, betont sie, sei Lyrik aber nicht elitär. «Man muss nicht alles analysieren wollen. Man kann einfach kommen und zuhören, sich auf den Klang und die Worte einlassen, diese auf sich wirken lassen.» Statt wie bisher sieben Lyrik-Tandems finden neu vier statt. Eine Plattform erhalten werden jüngere, noch weniger bekannte Autoren, sagt Gabi Umbricht und nennt als Beispiel Jaël Lohri, die am 17. Januar mit Lukas Rohner zu Gast ist.

Eine Erfolgsgeschichte – seit nunmehr 10 Jahren – sind im «Odeon» ebenfalls die Lesezirkel, an denen die Teilnehmer über bestimmte Werke diskutieren. Diese Abende seien eine Inspiration und Bereicherung, denn «die unterschiedlichen Menschen lesen die Bücher ja auch ganz unterschiedlich», halten Gabi Umbricht und Traudi Reimann übereinstimmend fest. Und die Anlässe entsprechen offenbar einem Bedürfnis. «In den letzten drei, vier Jahren waren wir stets ausgebucht.» Gestartet wird deshalb ab der Saison 2019/20 ein zweiter Lesezirkel. Beginn ist am 19. März unter dem Titel «Bücher im Gespräch: Die Shortlist des Schweizer Buchpreises». Die Teilnehmerzahl ist auf 17 beschränkt. Die ersten Anmeldungen sind zwar bereits eingetroffen, es hat aber noch freie Plätze.

Es braucht neue Geldquellen

«Wir haben ein breites Literatur-Angebot, das sich sehen lassen darf», fassen Gabi Umbricht und Traudi Reimann zusammen. Das Programm werde nicht nur laufend hinterfragt, sondern auch Schritt für Schritt erweitert. Seit der Saison 2014/15 beispielsweise werden in der kleinen hauseigenen Bibliothek aktuelle Bücher ausgeliehen, die zum Literaturprogramm passen. Die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen – das Team besteht aus insgesamt sechs Frauen – sind nie um Ideen verlegen. Und solchen stehe grundsätzlich nichts im Wege. «Das schätzen wir so an diesem Kulturhaus», sagen Traudi Reimann und Gabi Umbricht. Eine Hürde sei jeweils die Finanzierung. Denn für neue Gefässe müssten auch neue Geldquellen gefunden werden.

Auf die Frage, auf was sie sich persönlich besonders freuen in diesem Jahr, müssen die beiden Frauen kurz überlegen. «Es ist schwierig, etwas herauszupicken», antwortet Traudi Reimann, erwähnt dann aber die Lesung aus dem Buch «Schildkrötensoldat» von Melinda Nadj Abonji am 2. Mai. Gabi Umbricht ihrerseits ist gespannt auf das Lyrik-Tandem mit Jürg Halter, der als Musiker unter dem Namen Kutti MC bekannt wurde und zusammen mit Christian Uetz auftritt am 21. Februar.

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