Ausbildung
Lernen von den Profis: Brugger Technopark bildet Drohnenpiloten aus

Einwöchige Kurse machen die Absolventen fit für den professionellen Umgang mit den «Spielzeugen» der Lüfte.

Urs Moser
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Pilot Yann Mathier (mitte) der Firma Fly & Film demonstratiert den Einsatz einer Agrardrohne am 13. April 2017 bei Brugg.
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Drohne Flugschule Technopark
In Brugg kann man sich neu zum Drohnenpilot ausbilden lassen.
Fly & Film aus Sierre bietet neben dem kommerziellen Einsatz von Drohnen (Landwirtschaft, Tourismus, Bau) eine Drohnenschule an den Standorten Sierre, Sion, Lausanne, Genève und ab Mai 2017 auch im Technopark Aargau in Brugg an.
Wer Drohnen fliegen lassen will, muss dafür in der Schweiz keine Prüfung ablegen.
Erst ab einem Gewicht von mehr als 30 Kilogramm muss der Betrieb einer Drohne vom Bundesamt für Zivilluftfahrt bewilligt werden.

Pilot Yann Mathier (mitte) der Firma Fly & Film demonstratiert den Einsatz einer Agrardrohne am 13. April 2017 bei Brugg.

SEVERIN BIGLER

Im Technopark in Brugg kann man sich jetzt zum Drohnenpiloten ausbilden lassen. Im Mai startet der erste der einwöchigen Kurse, die von der Drohnenschule Fly&Film in Zusammenarbeit mit der auf Sicherheits- und Qualitätsmanagement (unter anderem in der Luftfahrtindustrie) spezialisierten «2 Assist U» angeboten werden. In der Westschweiz hat Fly&Film-Chef Frédéric Hemmeler seine Drohnenkurse vor zwei Jahren etabliert, für die Deutschschweiz ist das Angebot in Brugg am Sitz von «2 Assist U» im Technopark eine Premiere.

Wozu eine solche Ausbildung?

Wer eine Drohne steigen lassen will, muss dafür in der Schweiz gar keine Prüfung ablegen. Erst ab einem Gewicht von mehr als 30 Kilogramm muss der Betrieb einer Drohne vom Bundesamt für Zivilluftfahrt bewilligt werden. Drohnen, die leichter sind als ein halbes Kilo, gelten noch nicht einmal als Flugmodelle, sondern als Spielzeug. Wenn es sich nicht gerade um hoch spezialisierte Anwendungen handelt, kann also jedermann mit den in irgend einem Elektro-Fachmarkt oder im Online-Handel frei erhältlichen Geräten mehr oder weniger herumhantieren, wie er will.

Das wird sich in absehbarer Zeit ändern, ist Frédéric Hemmeler überzeugt. Drohnen fliegen nicht über den Wolken, wo die Freiheit angeblich grenzenlos ist. Da ist bei einer exponentiell wachsenden Zahl der unbemannten Flugkörper und ihren Anwendungsgebieten Regulierungsbedarf gegeben. Beim Bundesamt für Zivilluftfahrt warte man wohl ab, was die EU in Sachen Drohnenlizenz unternimmt, er persönlich glaube aber, dass man bis 2019/20 eine Lösung werde finden müssen, sagt Hemmeler.

«Neue Ära der Aviatik»

Seine Kurse richten sich grundsätzlich an jedermann. Der Käufer eines Billigst-Produkts, der nur mal per «Luftangriff» herausfinden möchte, was bei den Nachbarn im Garten so läuft: Er wird abgesehen von praktischen Flugübungen erfahren, dass er das ohne deren Einverständnis gar nicht darf. Der Ambitionierte, sagen wir mal ein Architekt, der Areale ausmessen und deren Umgebung dokumentieren will: Er wird sein teures High-Tech-Gerät nicht mangels praktischer Flugerfahrung an einem Baum zerschellen sehen wollen.

Zwar für jedermann zugänglich und nützlich, aber dass die Ausbildung eher auf einen zumindest semiprofessionellen Umgang mit Drohnen ausgerichtet ist, zeigt sich schon am Umfang und Preis: Die Kurse dauern entweder fünf Tage oder sechs Abende plus einen Samstag. Der Wochenkurs kostet 1850, die Abendkurse 1950 Franken. Am Ende ist ein Examen in Theorie und Praxis zu absolvieren.

Umfangreicher Kurs in Brugg

In der Westschweiz bietet Fly&Film auch zweitägige Einführungskurse an, in Brugg kann man nur den umfangreicheren Kurs «Advanced» buchen. Frédéric Hemmeler glaubt, dass der Gebrauch von Drohnen als blosse Spielerei ohnehin eine vorübergehende Erscheinung ist. Hingegen sieht er mit der technologischen Entwicklung für professionelle, kommerzielle Anwendungen eine «neue Ära der Aviatik» eingeleitet. Er wird wissen, wovon er spricht: Bevor er sich auf die ferngesteuerten Flugkörper verlegte, hat Hemmeler viele Jahre als Helikopterpilot gearbeitet.

Zur Veranschaulichung wurde bei der Vorstellung der neuen Ausbildung eine Drohne demonstriert, die Hemmelers Firma als erste in ganz Europa für Sprühflüge in der Landwirtschaft einsetzt. Das Teil kostet 40 000 Franken, also den Preis eines anständigen Mittelklassewagens. So etwas würde man abgesehen von der technischen Schwierigkeit und der Sicherheit schon deswegen nicht jedem Laien anvertrauen, auch wenn es (noch) keine staatliche Lizenz für Drohnenpiloten gibt.

Auch die Instruktoren der Kurse im Technopark sind Profis - Piloten, Ingenieure, erfahrene Modellflieger. Neben technischen und flugpraktischen Aspekten nehmen Datenschutz und andere rechtliche Belange einen breiten Teil ein. Denn ganz ohne Regeln darf man Drohnen auch heute nicht in die Luft steigen lassen.

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