«Brugggore»
In Brugg wird es gruselig: Im April soll das erste spezialisierte Horrorfilm-Festival der Schweiz stattfinden

Ein Bandscheibenvorfall beschert Brugg im neuen Jahr das Horrorfilm-Festival. Die Vorbereitungen dafür laufen auf Hochtouren.

Katja Gribi
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Das Ok des Brugggore bestehend aus (v. l.) Michel Frutig, Festivalleiter, Kommunikation; Romana Hegi, Leiterin Festival Organisation, und Stephan Filati, Technischer Leiter Festival, hat es sich im Cinema Excelsior in Brugg schon mal bequem gemacht.

Das Ok des Brugggore bestehend aus (v. l.) Michel Frutig, Festivalleiter, Kommunikation; Romana Hegi, Leiterin Festival Organisation, und Stephan Filati, Technischer Leiter Festival, hat es sich im Cinema Excelsior in Brugg schon mal bequem gemacht.

Severin Bigler Bild: Sandra Ardizzone

Im kommenden April soll das erste spezialisierte Horrorfilm-Festival der Schweiz stattfinden. Schauplatz wird das Kino Excelsior in Brugg sein. Passend zum Veranstaltungsort läuft das Filmfestival unter dem Namen «Brugggore».

«Das Festival ist das Produkt aus einer Kombination von Lockdown und Bandscheibenvorfall», erzählt Festivalleiter Michel Frutig lachend. Nach einem dreitägigen Horrorfilm-­Marathon während des Lockdowns, für den sie zu zweit das Kino Excelsior mieteten, habe er sich gemeinsam mit einem Freund dazu entschlossen, etwas Richtiges in diesem Bereich machen zu wollen. «Durch einen Bandscheibenvorfall war ich dann einen Monat ans Bett gebunden, da habe ich bereits das erste Konzept für unsere Festivalidee geschrieben», schildert er.

«Menschen wollen Faszination des Gruselns erleben»

Dass der 38-Jährige ein grosser Filmfan ist, erkennt man auf den ersten Blick. In seinem Wohnzimmer ist die Rückwand mit Regalen voller DVDs ausgekleidet. Beruflich arbeitet Frutig als Filmproduzent und Creative Director. Nun will er mit vier weiteren Filmfanatikern ein Stück Kultur in Form des Horrorfilm-Festivals in Brugg schaffen.

Während dreier Tage sollen Filme gezeigt werden, die nie in den Kinos zu sehen sind. «Wir wollen internationale Genrefilme im Programm haben, auch Low-Budget-Produktionen, sowohl Filme aus den 70er- und 80er-Jahren als auch ganz neue», führt Frutig aus.

Zielgruppe sei quer durchmischt und «erstaunlich normal»

Die Faszination für Horrorfilme habe bei ihm mit einem Sammelwahn begonnen, erzählt der Filmproduzent. «In der Übergangszeit von den VHS-Videokassetten zu DVDs wurden Horrorfilme auf VHS zu einer knappen Ware. Da hat’s mir den Ärmel reingezogen beim Raritätensammeln. Allgemein denke ich aber, dass die Menschen Horrorfilme schauen, um die Faszination des Gruselns in kontrolliertem Umfeld zu erleben.»

Nun soll also gemeinsam in Brugg geschaudert werden. Die Zielgruppe sei dabei quer durchmischt und «erstaunlich normal», erzählt der Festivalleiter schmunzelnd. «Die Filme, die wir zeigen möchten, gehen ins Extreme und sind sicher erst ab 18 Jahren freigegeben. Das ist auch eines unserer Auswahlkriterien, nach denen wir das Programm zusammenstellen wollen. Trotzdem müssen die Filme aber auch unterhaltsam sein.»

18 Filme in drei Kategorien sollen gezeigt werden

Um eine Auswahl zu treffen, hat sich das fünfköpfige Organisationskomitee Hunderte Produktionen angeschaut und etwa 200 Filme in die engere Wahl genommen. Bis zum Festival wird die Zahl nochmals stark reduziert – etwa 18 Werke sollen schliesslich gezeigt werden. Unterteilt werden diese dann in die drei Kategorien «Vorpremieren/neue Werke», «Klassiker der 70er- und 80er-Jahre» und «2000er».

Zunächst 50 Dreitagespässe

Festgelegt wird die finale Auswahl aber erst ungefähr zwei Monate im Voraus, so bleibe alles brandaktuell, erklärt Frutig. «Das ganze Filmauswahlprozedere läuft ab wie ein Wunschkonzert. Jedes OK-Mitglied hat seine Lieblingsfilme vorgeschlagen. Das ist aber nur möglich, weil wir das Festival zum ersten Mal durchführen. Unser Ziel ist es, das Brugggore in den nächsten Jahren weiterzuführen und zu einem renommierten Namen in der Festivalszene zu machen. Das Programm soll dann aus Einreichungen aus aller Welt zusammengestellt werden. Den Veranstaltungsort möchten wir ebenfalls auf mehrere Räumlichkeiten ausbauen.»

Für die erste Ausgabe des Horrorfilm-Festivals werden zunächst einmal 50 Dreitagespässe rausgegeben. Diese könnten im Frühjahr noch aufgestockt werden – das Kino Excelsior bietet insgesamt 170 Zuschauern Platz. Derzeit ist das Festival ausserdem Teil eines Wettbewerbs bei IBBooster. Im Rahmen einer Teilnahme können Projekte eingereicht und zur Abstimmung gegeben werden. Das Projekt mit den meisten Stimmen gewinnt ein Preisgeld.

«Wir wollen etwas Nachhaltiges schaffen»

«Uns geht es dabei weniger um das Geld, als um die Zustimmung der Menschen aus der Region», erklärt Frutig. «Wir wollen etwas Nachhaltiges schaffen für Brugg. Aber nur zwei aus unserem Organisationsteam sind wirklich von hier, alle anderen kommen von ausserhalb. Wir freuen uns deshalb über jede Stimme, die unser Projekt unterstützt und befürwortet.» Für die Finanzierung des Brugggore sorgen Unterstützungsgelder von Pro Argovia Kaktus und dem Swisslos-Fonds. Dank der Zusagen dieser beiden Stiftungen sei das Festival nun sicher durchführbar, freut sich Frutig.

Nur die Coronakrise kann der Feuertaufe des Brugggore jetzt noch einen Strich durch die Rechnung machen. «Wir planen im Moment so, als ob es die Pandemie nicht gäbe. Aber zur Sicherheit vergeben wir erst mal diese 50 Dreitagespässe, in der Hoffnung, dass unser Festival mit dieser zahlenmässigen Beschränkung stattfinden kann. Allenfalls können wir die Ticketanzahl dann immer noch anpassen», lässt Festivalleiter verlauten. «Wir sind auf jeden Fall schon mal überrascht, wie gut bisher alles geklappt hat, und freuen uns auf alles, was noch dazukommt.»