Riniken/Windisch
Im Skiurlaub stahl ihr ein Schweizer das Herz

Seit 13 Jahren lebt die Irin Katie Monaghan in der Schweiz. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Riniken. Ihr Heimweh stillt sie mit Folksongs.

Larissa Hunziker
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Im letzten Sommer hatte die Band Arran Folk mit Katie Monaghan (Mitte) einen Open-Air-Auftritt auf dem Bözberg.
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Katie Monaghan
An Bord der HMS Caroline überquerte sie den Atlantik.
Arran Folk 2017 an der Kulturnacht im Campussal Brugg-Windisch.

Im letzten Sommer hatte die Band Arran Folk mit Katie Monaghan (Mitte) einen Open-Air-Auftritt auf dem Bözberg.

Musik begleitet Katie Monaghan schon ihr Leben lang. Bereits ihre Eltern spielten in einer irischen Folkband. Heute stillt sie ihr Heimweh nach der grünen Insel mit Musik von dort. Seit 13 Jahren ist die Schweiz, genauer gesagt Riniken, der Lebensmittelpunkt der 49-Jährigen. Zur Welt gekommen ist Monaghan in Belfast in Nordirland, als ältestes von fünf Kindern. In ihrer frühen Kindheit lebte die Familie in Sambia in Afrika und auf der Kanalinsel Jersey, wo ihre Eltern als Lehrer an christlichen Schulen tätig waren. Später wurde die Familie in Belfast sesshaft, wo Katie Monaghan eine Mädchenschule besuchte, die von Nonnen geführt wurde.

Danach absolvierte sie das College und studierte Tourismus. Nach Abschluss dieser Ausbildung begann Monaghan eine Lehre als Buchhalterin. «Bereits nach vier Wochen habe ich gemerkt, dass das nicht mein Ding ist», sagt sie. Zufällig sah sie in der Zeitung eine Annonce, mit der irische Nannys für amerikanische Familien gesucht wurden. «Ich meldete mich und flog kurze Zeit später als Au-pair in die USA, nach Connecticut, zu einer Familie mit Zwillingsbuben.» Es sei eine nette Familie, aber ein harter Job gewesen. «Dort wurde ich erwachsen», sagt sie.

Als sie zurück nach Nordirland kam, habe sie sich rastlos gefühlt. Trotzdem kehrte sie in die Buchhaltungslehre zurück, die ihr immer noch keinen Spass machte. Wieder las sie in der Zeitung eine Annonce, dieses Mal von der Royal Navy, die auch Teilzeitengagements anbot. «Ich wollte die Welt sehen und mein Bruder war bereits Vollzeit bei der Navy. Also wagte ich es.» Sie wurde angenommen. Es folgten vier Wochen intensives Training. Monaghan lernte, mit Waffen umzugehen, sich aus Notlagen zu befreien, und feilte an ihrer Fitness. Danach ging sie nach London, wo sie Teilzeit für die Navy im administrativen Bereich arbeitete und daneben Betriebswirtschaft studierte. In dieser Zeit war sie zweimal für jeweils vier Wochen auf einem Flugzeugträger der Royal Navy unterwegs.

Ein Skiurlaub, der viel änderte

Fünf Jahre war sie für die Navy tätig, dann entschloss sie sich zu einer Neuorientierung. Nach einem Abstecher in die damals aufstrebende Welt der Dotcom-Firmen schrieb sie sich in Oxford am Westminster College ein und absolvierte die Primarlehrer-Ausbildung. «Lehrerin zu werden, war immer in meinem Hinterkopf.» Nach drei Jahren Lehrertätigkeit in Oxford zog es Monaghan weiter nach Amsterdam, wo sie für eine britische Schule arbeitete. Gefallen hat es ihr dort aber nur bedingt. «Amsterdam ist eine Partystadt, ich aber war zu dieser Zeit 36 Jahre alt und bereit, sesshaft zu werden», erzählt sie.

Kurze Zeit später traf sie im Skiurlaub in Österreich ihren späteren Ehemann. Stefan Rauber, Organisator der Brugger Abendrennen, stahl ihr damals im Restaurant zum Spass ein Stück Pizza und später ihr Herz. Nach ihrer Rückkehr nach Amsterdam blieben sie in Kontakt und der Zufall wollte es, dass Katie Monaghan eine neue Stelle als Primarlehrerin in Horgen ZH fand. Noch im gleichen Sommer heirateten sie und zogen in Windisch zusammen. 2008 zügelten sie nach Riniken, wo sie heute mit ihren beiden Söhnen leben. An der Primarschule Windisch ist Monaghan als Lehrerin für Englisch, bildnerisches Gestalten und Musik tätig.

Grössere Wertschätzung hier

Mindestens einmal im Jahr besucht Monaghan mit ihrem Mann und den Söhnen ihre Mutter und einen ihrer Brüder in Irland. «An Irland vermisse ich das Wasser und ein richtiges irisches Frühstück.» An der Schweiz liebe sie die frische Luft, die Berge, Schokolade von Lindt und, dass hier alles sicher und sauber ist. «Die Leute in der Schweiz sind freundlich, aber manchmal reserviert und zurückhaltend, weil sie Zeit brauchen, jemanden kennen zu lernen. Irländer sind freundlich, lustig und gehören zu den besten Geschichtenerzählern.» Dauerhaft in Irland zu leben, sei nur kurz ein Thema gewesen, so Monaghan. «In Irland werden Lehrer schlechter bezahlt und weniger geschätzt als in der Schweiz.»

In Irland sei Musik immer da gewesen. «In der Schweiz habe ich angefangen, sie zu vermissen.» Darum trat Monaghan den Vindonissa Singers bei. Was ihr nun fehlte, war die irische Musik. Bei einer Probe redete sie mit anderen Mitgliedern der Vindonissa Singers über ihren Wunsch, irische Musik zu machen. Schnell erklärten sich einige zur Gründung einer Band bereit. Getauft wurde sie auf den Namen Arran Folk. «Schon die Band meiner Eltern trug diesen Namen», sagt Monaghan. In der Band ist sie die Einzige mit irischen Wurzeln, doch das hindert die Band nicht daran, traditionelle irische Folksongs zu interpretieren. «Ich mag Lieder, die eine Geschichte erzählen. Deswegen singe ich meistens Balladen», erklärt sie. Das Ziel der Band sei es nicht, berühmt zu werden, sondern sich selber und den Zuhörern eine Freude zu machen. Alljährlich treten sie um den St. Patrick’s Day, einem irischen Feiertag, herum im Zentrum Lee in Riniken auf. An der Kulturnacht im Campussal sind sie zum zweiten Mal mit dabei.

Theaterschule für Kinder

Angesprochen auf ihre Zukunftspläne, beginnen Monaghans Augen zu leuchten. «Nächstes Jahr will ich zurück nach Sambia mit ausgedienten Englischbüchern. Diese will ich an dortige Schulen verteilen», erzählt sie. Ein weiteres Anliegen, das ihr am Herzen liegt, ist die Gründung einer Theaterschule für Kinder. «Dort könnten sie spielerisch Englisch lernen und ihre Schüchternheit ablegen», sagt die Irin, die 2017 an der Pädagogischen Hochschule in Brugg-Windisch die Ausbildung zur Theaterpädagogin absolvierte. Und auch ein Buch zu schreiben sowie ihre Familiengeschichte aufzurollen, stehen auf ihrer Wunschliste. «Mein Motto ist: ‹Folge nicht deinen Träumen, sondern jage sie›.»

Arran Folk treten an der Kulturnacht im Campussaal auf

Vor sechs Jahren wurde die Band Arran Folk von Mitgliedern der Vindonissa Singers gegründet. Die Band spielt traditionelle irische Klänge und alte traditionelle wie auch neue irische Folksongs, bei denen ab und zu ein Countrysong darunter ist. Die Band tritt etwa dreimal pro Jahr auf. Zur Band gehören: Katie Monaghan (Sängerin, Bodhran [Rahmentrommel], Pfeife), Klaus Knapp (Vocals, Gitarre), Rolf Züllig (Multiinstrumentalist; spielt Giga [eine Art Leier], Banjo, Mandoline, etc.), Monika Regli (Gitarre, Flöte, Bodhran), Sabine Fellmann (Vocals, Schlagzeug, Flöte). Die nächsten Auftritte der Band sind am Samstag, 23. Februar, anlässlich der Kulturnacht im Campussaal Brugg-Windisch sowie am Samstag, 16. März, an der St. Patrick’s Night im Zentrum Lee in Riniken.

Am Freitag, 22. Februar, und Samstag, 23. Februar, findet im Campussaal Brugg-Windisch zum zweiten Mal die Kulturnacht statt. Das Programm ist vielfältig und reicht vom Jodlerclub Effingen über den DTV Windisch mit einer Vertikaltuchshow über die Trachtengruppe Eigenamt bis zur Musikschule Windisch und der Big Band Experience. Arran Folk treten am Samstag von 20.15 bis 20.45 Uhr auf. (LH)