Analyse Stadtfest Brugg 2019

Hoffentlich bleibt die Handbremse nun gelöst

Claudia Meier
Impressionen vom Stadtfest Brugg 2019.

Stadtfest Brugg 2019

Impressionen vom Stadtfest Brugg 2019.

Dass rund 70'000 Festbesucher an den vergangenen beiden Wochenenden am Stadtfest Brugg soviel Neues und Ungewohntes erleben konnten, ist alles andere als selbstverständlich.

So viel ist wohl allen klar: Brugg ist nicht Baden oder Aarau. Und Brugg kennt – abgesehen vom Rutenzug – (noch) keine Festtradition. Deshalb wäre es auch nicht fair, das Stadtfest Brugg mit der Badenfahrt oder dem Maienzug-Vorabend zu vergleichen. Den meisten der rund 70'000 Gäste, die das Stadtfest an den beiden vergangenen Wochenenden in Brugg besucht haben, war vermutlich gar nicht bewusst, dass es überhaupt nicht selbstverständlich ist, im Prophetenstädtchen – sechs Jahre nach dem letzten Stadtfest – erneut einen so tollen Grossanlass erleben zu können.

«Wir sollten künftig in anderen Dimensionen denken, schliesslich sind wir eine Stadt und kein Städtli mehr», sagte 2013 der damalige OK-Präsident Michel Indrizzi nach dem viertägigen Stadtfest «Best of Brugg». Nach einer Pause von 18 Jahren war es das erste Stadtfest in Brugg. Trotz Kälte und Regen war die Bilanz positiv. Es resultierte ein Plus von 60'000 Franken. Ein neu gegründeter Verein wollte sich danach um die Organisation des nächsten Grossanlasses kümmern. Doch die Planung für die Durchführung eines weiteren Stadtfests im Jahr 2018 geriet bald ins Stocken. Auf Druck – unter anderem von dieser Zeitung – zeigte sich Stadtrat Reto Wettstein im Juni 2015 bereit, Mitglieder zur Besetzung aller Positionen in einem neuen Stadtfest-OK zu suchen.

Mit Erfolg: Im September 2015 zündete der neue OK-Präsident Jürg Baur, damals Einwohnerratspräsident und seit März 2018 Stadtrat, hinter dem Stadthaus eine Stadtfest-Tischbombe. Der zu planende Anlass soll viel kreative Energie freisetzen und eine eigene Brugger Handschrift tragen, hielt Jürg Baur beim «würdigen Startschuss» fest. Sechs Monate später teilte er die Daten für das nächste Stadtfest mit. Anstatt 2018 soll die grosse Party 2019 – gleich an zwei Wochenenden – steigen. «Es wäre schade, die schönen Beizli bereits nach einem Festwochenende wieder zurückzubauen», erklärte Baur. Das OK in Brugg verfüge aber im Gegensatz zu Baden nicht über genügend Kapazität, um zehn Tage ohne Unterbruch zu feiern. Der Leitsatz fürs OK lautete «Brugg zeigt Lebensfreude». Im Hintergrund lief die Detailplanung an. In einer bunten Show im Salzhaus gab das OK im Januar 2018 das Festmotto «Verfärbt» bekannt.

Im Gegensatz zu«Best of Brugg» bot das neue Stadtfestmotto eine Fülle an sichtbaren Umsetzungsmöglichkeiten – von schön geschmückten Eingangspforten bis zum verfärbten Zopf. Etliche Beizenbetreiber stellten Bauten auf, von denen Brugg bisher nur träumen konnte. Extrem vielfältig war auch das Kulturprogramm mit hervorragenden Künstlern. Da war definitiv für jeden Geschmack etwas Passendes dabei. Zur Freude vieler Festbesucher gab es im Festareal auch ruhigere Ecken und Erholungsmöglichkeiten.

Das ehrenamtliche OK ging mit der aufwendigen Vorbereitung nicht nur ein finanzielles Risiko ein, sondern löste primär all das ein, was es von Anfang versprochen hatte. Das verdient grösste Anerkennung. Auch die zahlreichen Helfer im Vorder- und Hintergrund leisteten vollen Einsatz und sorgten für gute Stimmung. Das Fest über zwei Wochenenden zu organisieren, erforderte von allen Seiten grosse Rücksichtnahme. Mit Informationen für die Öffentlichkeit hielt sich das OK zurück. Zu viel Energie nahmen all die Abklärungen und Diskussionen im Hintergrund in Anspruch. Einige Beobachter sorgten sich, ob das OK die Gratwanderung zwischen Insideranlass und einem zu grossen Fest besteht. Manchmal fehlte die nötige Sensibilität im Umgang mit Anwohnern und betroffenen Gewerbetreibenden. Von Vorfreude war bis kurz vor dem Fest wenig zu spüren.

Mit angezogener Handbremse ging es dem Grossanlass entgegen. Mit dem Feststart löste sich die Anspannung: In Brugg wurden nun Sachen möglich, die man sich bisher nicht vorstellen konnte. So soll es weitergehen.

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