Hausen
Muss die römische Wasserleitung wirklich geschützt werden?

Sorgfalt im Umgang mit historischen Funden ist angebracht, findet Eugen Bless, Gemeindeammann in Hausen. Aber: «Es kann nicht sein, dass Reste einer alten Leitung, die schon mehrfach zerstört wurde, nun unter Schutz gestellt werden.»

Michael Hunziker
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Am Standort des neuen Feuerwehrmagazins kam ein römischer Kontrollschacht zum Vorschein.

Am Standort des neuen Feuerwehrmagazins kam ein römischer Kontrollschacht zum Vorschein.

Bild: zvg

Ein Teil einer rund 2000-jährigen römischen Wasserleitung musste in Hausen abgebrochen werden, weil ein Neubau mit einer Tiefgarage entsteht. Als «unfassbar» bezeichnete es SP-Grossrat Martin Brügger aus Brugg, dass aktuell solch gut erhaltene Bauwerke unwiderruflich zerstört werden. Er reichte eine Interpellation ein und wollte vom Regierungsrat wissen, wie der Aargau mit dem bauhistorischen Erbe umgeht oder warum bedeutende Meisterwerke antiker Baukunst nicht rechtzeitig unter Schutz gestellt werden.

Eugen Bless ist Gemeindeammann in Hausen.

Eugen Bless ist Gemeindeammann in Hausen.

Bild: mhu/Archiv AZ

Die Empörung des SP-Grossrats in den Medien ruft nun Eugen Bless auf den Plan, Gemeindeammann in Hausen. Es sei richtig, hält er fest, dass ein kleiner Teil der nicht wasserführenden Leitung beim Bauprojekt sorgfältig freigelegt und eine Zeit lang der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden sei. Es gebe aber, betont er, zwischen Hausen und Windisch zwei Leitungen aus den Zeiten der Römer, die zusammen mehrere Kilometer lang seien und damals wie heute noch unter dem Boden liegen. In der Vergangenheit seien die Leitungen untersucht worden. Man habe entschieden, die funktionierende, gut erhaltene wasserführende Leitung zu schützen und die andere Leitung aufzugeben, so der Gemeindeammann.

Das Vorgehen ist gleich bei jedem Bauvorhaben

Somit gebe es bei jedem Bauprojekt im Bereich der nicht geschützten Leitung das gleiche Vorgehen: Bei der Baueingabe werde geprüft, ob es möglich sei, das Vorhaben neben der Leitung zu erstellen. Die Leitung werde dann sorgfältig freigelegt und es werde untersucht, ob es etwas Besonderes zu finden gebe. Eugen Bless:

«Anschliessend wird der Leitungsteil entweder entfernt oder wieder zugedeckt.»

Ein Beispiel einer zugedeckten Leitung finde sich an der Stückstrasse 19.

SP-Grossrat Brügger habe noch nicht darüber informiert, wie die nicht geschützte Leitung erhalten werden soll, stellt Gemeindeammann Bless fest. «Meint er, dass durch ganz Hausen bis Windisch die Leitung freigelegt werden soll oder soll jeder Leitungsteil unverändert und unsichtbar im Boden bleiben?», lautet seine Frage. Und: «Soll ein zu bestimmender Leitungsteil in einer zu bestimmenden Länge an einem noch zu klärenden Ort freigelegt bleiben?»

Unter dem Feuerwehrmagazin liegt ein Kontrollschacht

«Schauen wir mal, was mit der geschützten Leitung geschieht», fährt Bless fort. «Auch diese ist unsichtbar unter dem Boden, funktioniert noch wie früher und ermöglicht, dass das Wasser nach Windisch läuft.» Bei Bauvorhaben gebe es strenge Vorgaben, was darüber gebaut werden darf. «Auf keinen Fall darf etwas zerstört werden.»

Beim Bau des neuen Feuerwehrmagazins in Hausen, das über die Leitung zu stehen kam, sei dies ebenfalls der Fall gewesen. «Es wurde auf eine Unterkellerung verzichtet.» Zudem befinde sich genau an diesem Standort ein römischer Kontrollschacht. «Also etwas Besonderes, was es zusätzlich zu schützen galt», so Bless. Innerhalb des Feuerwehrmagazins wurde ein Zugang mit drei Meter Durchmesser geschaffen. Auf diese Weise ist der römische Kontrollschacht nun jederzeit zugänglich.

Den Einschränkungen und Zusatzkosten zum Trotz

Natürlich sei dies eine Einschränkung gewesen, verbunden mit Zusatzkosten, ein «Nice to Have», wie einige Bürger von Hausen sagen würden, sagt Bless und ergänzt:

«Aber der Schutz des römischen Erbes war es uns das Wert.»

Weiter, so der Gemeindeammann, wurde für diese Leitung ein Wasserüberlauf zum Süssbach erstellt, damit es bei Hochwasser in Windisch nicht zu Überschwemmungen kommt.

Zu stehen kam das neue Feuerwehrmagazin in Hausen über die römische Wasserleitung.

Zu stehen kam das neue Feuerwehrmagazin in Hausen über die römische Wasserleitung.

Bild: zvg

Er sei ebenfalls der Meinung, dass bei Grabungsarbeiten genau überlegt werden müsse, wie mit historischen Funden umgegangen werde, sagt Bless. «Es kann aber nicht sein, dass Reste einer alten Leitung, die schon mehrfach zerstört wurde, nun unter Schutz gestellt werden», hebt er hervor und fragt: «Muss eine solche Leitung, die immer gleich aussieht und unsichtbar unter dem Boden ist, wirklich geschützt werden, wenn parallel dazu eine Leitung verläuft, die bei jeglichem Bauvorhaben nicht angetastet werden darf?»