Brugg
Goldfisch Ferdinand schwamm aufs Podest

12 Künstler zeigten am Samstag auf der 8. offenen Bühne im Brugger Odeon ihr Können.

Carolin Frei
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Misurina - Songs mit viel Liebe zum Detail.
19 Bilder
Rideau Rouge zeigt eine Welt ziwchen Handy, Laptop und Messages.
Isabel Meili - Schweizer Charme gepaart mit derbem Wiener Schmäh.
Offene Bühne im Odeon in Brugg
Kathrin Iten spielt die Figur La Copine.
Das Publikum konnte ihre Stimme mittels Wäscheklammer abgeben.
Das Sandwich-Kind Bernie Forster.
Die Hinterwädler in action.
Das Publikum konnte ihre Stimme mittels Wäscheklammer abgeben. (2)
Adrian Hostettler alias Gaston mit seiner Hutakrobatik.
Brgitte Knöpfel von Eibish mit schnörkellosem Folk-Pop.
Thomas Strehler auf der Bühne, nach dem Dusch-Desaster.
Tabea Baumgartner und Rebecca Knoth mit einer Sammlung des Denkens.
Virtuoses Können von der Otravaband (2)
Sozialkritisches Kabarett mit dem Duo 3er.
Virtuoses Können von der Otravaband
Die Künstler warten auf die Prämierung.
Die Gewinnerin Kathrin Iten
Die Gewinner v.l. Isabel Meili, Kathrin Iten und die Otravaband.

Misurina - Songs mit viel Liebe zum Detail.

Carolin Frei

Das Publikum, das trotz Traumwetter den Weg ins Odeon fand, wurde auf eine abwechslungsreiche Reise aus sozialkritischem Kabarett, Comedy, Musik, Gesang und Hutwurfakrobatik mitgenommen. Den Anfang machte Misurina am Piano, die das Publikum mit Liedern, die mit einer Prise Wortwitz und einem Schuss Poesie gewürzt waren, eintauchen liess. Wer hätte gedacht, dass der Teufel nicht mehr Teufel sein will – Misurina sei Dank. Ihr dicht auf den Fersen die beiden Wortakrobatinnen Rebecca Knoth und Tabea Baumgartner. Sie liessen das Publikum an ihrer Sammlung des Denkens teilhaben.

Die eine ins gesellschaftliche Korsett gezwängt, die andere freidenkend, unkonventionell. Gewollt ungeschickt stellte sich Gaston an, die Figur von Adrian Hostettler. Seine Hutwurfakrobatik wurde jedoch der Disziplin «Hut fällt auf den Boden» absolut gerecht. Die drei Hinterwälder-Mannen überzeugten mit Country- und Folksongs. Gesungen in Mundart, vorgetragen auf Gitarre, Mandoline, Banjo und Bass.

Bernie Forster erzählte aus seinem Leben und dem Trauma, ein Sandwich-Kind zu sein. Das Duo 3er mit Gabriela und Adrian Dreier griff das Thema Alter und Überalterung auf. Mit Fantasie, Humor und vielleicht etwas gewagten Einbindungen von Gewalt und Terror.

Virtuoses Spiel

Eine andere Welt offenbarten die sechs jungen Musikerinnen und Musiker aus der Region Baden/Brugg. Otravaband überzeugte durch ein virtuoses Spiel mit neugierig komponierten und arrangierten Stücken, geprägt von Klezmer, Gipsy und Jazz. So erstaunt denn nicht, dass die Jungtalente den Publikumspreis einheimsten und von der Jury auf den zweiten Platz gewählt wurden. Das Publikum konnte seine Stimme mittels Wäscheklammern abgeben, die man beim Foto seines Lieblingskünstlers befestigte. Rideau Rouge führte den Besuchern mit übergrossem Handy die heutige, schnelllebige Zeit vor Augen.

Ein selbstverfasstes Lied brachte das Publikum zurück in die analoge Welt. Thomas Strehler entführte die Gäste in seine Welt der Geschichten, die mit einem Dusch-Desaster ihren Anfang nahm. Folk-Pop mit viel Rhythmik, spannende Harmonien und einem bunten Mix aus Emotionen trug Eibish, Brigitte Knöpfel, vor. War die Protagonistin im ersten Song in Sachen Zweisamkeit noch völlig verhalten, trumpfte sie im dritten Lied mit forschem Auftreten auf.

Die Comedy-Newcomerin Isabel Meili nahm beim Schildern ihrer Erlebnisse kein Blatt vor den Mund. Die Gebenstorferin erzählte erfrischend ehrlich, zynisch und rotzfrech über die Wiener Alltagsschmankerl. So erfrischend, dass sie von der Jury auf den dritten Podestplatz gehievt wurde. Den Schluss machte Kathrin Iten mit ihrer Figur La Copine. La Copine ist eine naive, aber liebenswerte Person.

Sie machte sich immer wieder Gedanken über Gott und die Welt. Und dies, obwohl sie doch eigentlich nur die Geschichte von ihrem Goldfisch Ferdinand erzählen wollte. Dies tut sie gekonnt. So gekonnt, dass ihr von der Jury der 1. Platz zugesprochen wird. Die Jury wurde von Vertretern aus den Brugger und Windischer Kulturhäusern sowie von Radio Kanal K gestellt.