Brugg/Windisch
Gesamtrevision Nutzungsplanung: Standorte für neue Hochhäuser festgelegt

Der Einwohnerrat entscheidet am 31. Oktober über die Gesamtrevision Nutzungsplanung – Brugg folgt 2019

Claudia Meier
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Im Zentrum von Windisch steht das Amphitheater unter Denkmalschutz.Archiv AZ/CM

Im Zentrum von Windisch steht das Amphitheater unter Denkmalschutz.Archiv AZ/CM

Claudia Meier

Brugg und Windisch haben zusammen knapp 20 000 Einwohner. Pro Jahr wird in den beiden Zentrumsgemeinden ein Bevölkerungswachstum von rund 1% (200 Einwohner) prognostiziert. Um die planerischen Voraussetzungen zu schaffen, muss die Ortsplanung zirka alle 15 Jahre revidiert werden.

Zum ersten Mal überhaupt haben Brugg und Windisch dieses Projekt 2011 mit dem Namen «Raum Brugg Windisch» gemeinsam in die Hand genommen. Der Kanton spricht von einer Pionierleistung. Ziel ist es, die Lebensqualität im Raum Brugg Windisch zu erhalten und weiter zu verbessern. In der ersten Phase der Ortsplanungsrevision entstand das Räumliche Entwicklungsleitbild (RELB). Auf dieser Grundlage wurden in der zweiten Phase drei Planungsinstrumente erarbeitet: die Revision der Nutzungsplanung (Nupla), der Kommunale Gesamtplan Verkehr (KGV) sowie das Natur- und Landschaftsentwicklungskonzept (NLEK).

Spezialthemen in Studien vertieft

Im Mai 2017 wurden KGV und NLEK von den Exekutiven als behördenverbindliche Instrumente beschlossen. Seit 1. Januar 2018 sind sie in Kraft. Die Nupla wird am 31. Oktober dem Einwohnerrat Windisch und Anfang 2019 dem Einwohnerrat Brugg zur Abstimmung vorgelegt. Danach wird sie dem Kanton zur Genehmigung eingereicht.

Die koordinierte Erarbeitung von Nupla, KGV und NLEK gewährleistet laut Botschaft des Gemeinderats Windisch die konsequente Abstimmung von Siedlung, Verkehr, Freiräumen und Landschaft. Komplexe Spezialthemen wie das Hochhauskonzept wurden in eigenen Studien vertieft.

In gut drei Wochen geht es im Windischer Gemeindeparlament um die Nupla. Während der öffentlichen Auflage zur Nupla reichten 137 Einwender Anträge ein: In Brugg waren es 56 und in Windisch 81. Im Mai und Juni folgten die Einigungsverhandlungen.

Hexenplatz gibt Hochhaushöhe vor

Ohne Innenverdichtung kann das prognostizierte Bevölkerungswachstum bei gleichbleibender Bauweise nicht aufgenommen werden, weil 95% der Wohn- und Mischzonen in Brugg und Windisch überbaut sind. Deshalb werden grössere, geeignete Flächen der Wohnzone W2 neu mit einer Nachverdichtungszone überlagert. Zur Qualitätssicherung werden in der neuen Bau- und Nutzungsordnung (BNO) die Instrumente des Wettbewerbs und des Gestaltungsplans verankert.

Zwei Motionen der SP

Im Zusammenhang mit der laufenden Ortsplanungsrevision geht die SP Windisch schon einen Schritt weiter und fordert unter anderem die Einsetzung einer Fachkommission Nachverdichtung. «Die Kommission setzt sich zusammen aus Fachleuten aus Architektur, Raumplanung und Sozialwissenschaften», schreiben die Sozialdemokraten in ihrem Vorstoss. Als Begründung geben sie an, dass es sehr anspruchsvoll sei, die Nachverdichtung umzusetzen.

Mehrere Quartiere sind in der Bau- und Nutzungsordnung (BNO) als Nachverdichtungszonen aufgeführt. Auch der Kanton empfehle in seinem Vorprüfbericht den Beizug einer entsprechenden Fachkommission. Eine solche könnte laut SP zudem als Ansprechpartner bei Uneinigkeit in der Umsetzung zwischen Bauherrschaft und Gemeindebehörden beigezogen werden.

Bei der zweiten SP-Motion geht es um gemeinnützigen Wohnungsbau. «Im neu eingezonten bzw. umgezonten Gebiet ‹Im Winkel›, inklusive Schützenweg, ist im Gestaltungsplan ein Areal von mindestens 30% der Bruttowohngeschossfläche als gemeinnütziger Wohnungsbau festzulegen», lautet der Antrag.

Mit dem gemeinnützigen Wohnungsbau werde auf Renditeobjekte verzichtet, eine Kostenmiete festgesetzt und das Zusammenleben innerhalb der Siedlung gefördert. «Dies wirkt sich förderlich auf die ganze Gemeinde Windisch aus.» (CM)

Als weiteres Instrument wurde ein Hochhauskonzept erarbeitet, das den Gemeinden eine Entscheidungshilfe bietet und mögliche Standorte für neue Hochhäuser definiert. Das Konzept geht von zwei – langfristig drei – Klammern aus, die sich beidseits der Bahngleise erstrecken. Einerseits geht es um den Bereich der «Vision Mitte» und die Neumarkt-Überbauung.

Andererseits geht es um die bestehenden Wohnhochhaus-Landschaften um den Süssbach. Durch Ergänzungen im Bereich Kabelwerke, des Gleisdreiecks und im Gebiet «Im Winkel» soll ein städteräumliches Ensemble entstehen. Die langfristige dritte Klammer befindet sich beim Gebiet «Rütene», wo im Zusammenhang mit der potenziellen S-Bahn-Haltstelle langfristig ebenfalls Hochhäuser möglich sein sollen. In der Höhe sollen die zukünftigen Hochhäuser eine Kote von 415 m ü. M. nicht überschreiten. Dies entspricht der Höhe des Aussichtspunkts beim Hexenplatz.

Siedlungserweiterung «im Winkel»

Ausserdem gibt es in zwei Bereichen Einzonungen. «Im Winkel» sieht der kantonale Richtplan eine Siedlungserweiterung vor. Ein Gebiet von 4,37 Hektaren Grösse soll in Wohnzonen W3, W4 und WA4 mit Gestaltungsplanpflicht eingezont werden. Die zweite Einzonung umfasst 5,64 Hektaren und betrifft den Geissenschachen mit der wichtigen Freizeitfunktion für den Raum Brugg Windisch.

Hier wird die Grünzone Geissenschachen geschaffen, weil gemäss Raumplanungsgesetz Anlässe, die regelmässig stattfinden, einer Bauzone zugeordnet werden müssen. Die Einzonung muss durch entsprechende Auszonungen kompensiert werden. Über die Hälfte dafür kommt – mangels Möglichkeiten in Brugg und Windisch – aus dem kantonalen Topf für öffentliche Zwecke.

Vorbehalt durch Kanton möglich

Was passiert, wenn der Einwohnerrat Windisch oder später Brugg Nein zur Nupla sagt? Roland Schneider, Leiter Planung und Bau in Windisch, sagt: «Bei einem Nein zur gesamtrevidierten Nutzungsplanung bleiben die alte BNO aus den 90er-Jahren sowie die alten Bestimmungen der kantonalen Baugesetzgebung gültig.» Der Gemeinderat wäre gezwungen, eine neue Vorlage auszuarbeiten. Denn obwohl die Ortsplanungsrevision von Brugg und Windisch gemeinsam erarbeitet wurde, liegt die kommunale Planung in der Hoheit der einzelnen Gemeinden.

Mit anderen Worten: Die beiden Nutzungsplanungen können unabhängig voneinander genehmigt und in Kraft gesetzt werden. Schneider ergänzt: «Es wäre damit zu rechnen, dass der Kanton bei der kantonalen Genehmigung mindestens einen Vorbehalt machen wird – der Geissenschachen würde wohl kaum eingezont werden. Die heutigen zivilen Nutzungen wären daraufhin nicht mehr zulässig.»

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