Villnachern
Galloway-Rinder waren der Ausweg aus einer schwierigen Situation

Erika Meier und Andreas Hartmann haben sich 2003 bewusst gegen Masttierhaltung entschieden. Heute betreuen sie eine Herde Galloway-Rinder. Diese sind robust, benötigen kein zusätzliches Kraftfutter und verursachen daher weniger Kosten.

Janine Müller
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Neugierig beäugen die Galloway Rinder ihre Besitzer Erika Meier und Andreas Hartmann im Winterquartier der Tiere.

Neugierig beäugen die Galloway Rinder ihre Besitzer Erika Meier und Andreas Hartmann im Winterquartier der Tiere.

Janine Müller

Sie sehen herzig und flauschig aus, die Galloway Rinder. Kein Wunder, drehen Mütter mit Kinderwagen gerne ihre Runden um die Weide von Erika Meier und Andreas Hartmann mit deren Galloway Rindern drauf. «Kinderwagenrunde» nennt Andreas Hartmann mittlerweile das regelrechte Schaulaufen. Die Tiere nehmen die Aufmerksamkeit jeweils mit ihrer ureigenen Gemütsruhe zur Kenntnis.

Jetzt im November haben die Rinder ihr Winterquartier im Stall bezogen, obwohl sie eigentlich durchaus geeignet wären, den Winter draussen auf der Weide zu verbringen. Einmal hat Andreas Hartmann die Rinder etwas länger draussen gelassen, da hätten die Leute rundherum schon reagiert und Mitleid gehabt.

Seither sind sie also im Winter im offenen Stall untergebracht. Dort kauen sie zufrieden am Heu, dösen im Stroh. Ein Kalb, gerade knapp zwei Wochen alt, stakst in der Nähe seiner Mutter herum. Zwischendurch lassen die Rinder ihr Muhen hören. Ein dumpfer, brummiger Ton, viel tiefer als jener von den hier bekannten Kühen.

Keine Milchviehwirtschaft mehr

Im Jahr 2001 übernahm Andreas Hartmann den Hof seiner Eltern. Diese betrieben Milchviehwirtschaft. Doch der Milchpreis sank stetig. Dazu kam, dass Änderungen und Sanierungen an den Gebäuden anstanden. Eine grosse finanzielle Herausforderung, die Andreas Hartmann dann proaktiv anging und sein Konzept völlig umstellte. Mit Tieren wollte er «nicht aufhören», wie er sagt.

Ein Mastbetrieb kam für ihn aber nicht infrage. «Das ist nicht mit unserer Einstellung vereinbar», sagt er. «Zudem kostet das dafür benötigte Kraftfutter sehr viel. Am Ende hätte dies nicht viel an meiner Situation geändert.» So schaute und hörte er sich herum, irgendwann stiess er dann auf die Galloway Rinder, deren Fleisch sehr kostbar ist. «Zudem ist es eine sehr robuste Rasse», erklärt er.

In Deutschland holte er 12 Kühe und brachte sie auf seinen Hof. Der Vorteil der Galloway Rinder: Sie können sich – im Gegensatz zu den hiesigen Milchkühen – von der mageren Blumenwiese ernähren und brauchen kein Zusatzfutter. So kann Andreas Hartmann einerseits die sonst brachliegende Fläche nutzen und zudem auf Futterzukauf verzichten.

Weil die Rinder sehr robust sind, braucht Andreas Hartmann selten den Tierarzt und spart auch damit Kosten. So ist 2003 die mittelgrosse Herde aus Galloway Rindern in Villnachern entstanden. Eine Herde, die in der Bevölkerung inzwischen sehr beliebt ist. «Die Leute interessieren sich dafür und die Tiere gefallen ihnen», sagt Andreas Hartmann. Mittlerweile ist die Herde auf rund 25 Tiere angewachsen. Damit ist die Kapazitätsgrenze erreicht.

Zwei Jahre dauert Aufzucht

Das Fleisch der Rinder ist begehrt. Es wird aufgrund seiner Qualität als Gourmet Beef bezeichnet. Der Preis ist zwar höher als jener von Masttieren, aber genau darum lohnt sich die Herde für Erika Meier und Andreas Hartmann. Im Frühling und im Herbst lassen sie jeweils drei Tiere schlachten. Zuvor waren diese mindestens zwei Jahre in der Herde. «Die Aufzucht braucht bei den Galloway Rinder länger», erklärt Erika Meier.

Das Fleisch verkaufen Erika Meier und Andreas Hartmann im 5-Kilo-Pack. «Die Leute meinten zuerst, dass sie fünf Kilo am Stück erhalten», ergänzt Erika Meier. «Aber keine Sorge: Man muss die Stücke nicht selber schneiden.» Mit dieser Art von Verkauf wollen die beiden verhindern, dass nur die besten Stücke wie Filet und Entrecôte über den Tisch gehen und beispielsweise das Hackfleisch liegen bleibt.

Erika Meier bringt es jeweils nicht übers Herz, die Tiere zum Metzger zu begleiten. «Sie wachsen einem schon sehr ans Herz», gibt sie zu. Jedes einzelne Tier hat einen Namen, Erika Meier und Andreas Hartmann kennen jeden einzelnen Charakterzug.

Bauern reicht nicht zum Leben

In diesem Herbst allerdings mussten sie sich gleich von sieben Tieren trennen. Drei brachten sie zum Metzger, vier weitere mussten sie verkaufen. «Ich habe zu wenig Futter für den Winter», erklärt Andreas Hartmann. «Aufgrund der Trockenheit musste ich bereits im Sommer Heu dazu kaufen.» Etwas, das sonst nicht vorkommt.

Sowieso können Erika Meier und Andreas Hartmann nicht alleine von der Fleischwirtschaft leben. Sie bauen auch noch Mais, Weizen und Spargel an. Vor allem aber arbeiten beide noch zusätzlich. Andreas Hartmann als Sanitärinstallateur in einem 80-Prozent-Pensum und Erika Meier 40 Prozent im Gartenbau. Ein strenges Programm, von dem sie sich nur selten so richtig erholen können. «Einmal im Jahr aber vereisen wir», sagen sie. «Dann liegt eine Woche Ferien am Meer drin.»

Beide würden grundsätzlich gerne ihr intensives Hobby, also die Galloway Rinder, zum Beruf machen, «aber das liegt schlicht nicht drin.»