In der Kunstvitrine, dem sogenannten Brutkasten, vor dem Metron-Gebäude am Gleis 1 in Brugg ist ein neues Kunstwerk ausgestellt: «Fahrwasser» von Marck. Von Weitem leuchten sie wie türkisfarbene Kristalle: Erst beim Näherkommen erkennt man, dass es kleine Monitore sind, die eine Frau in einer sehr engen, mit Wasser gefüllten Kiste zeigen. Zwanzig Minuten dauert die Projektion. In dieser Zeit erfährt der Betrachter aber keine Geschichte, sondern sieht Bewegungen in Echtzeit − ein Eintauchen in den Augenblick.

Die Themen Wasser und Freiheit beschäftigen den 53-jährigen Zürcher Künstler immer wieder, aber die Aussage seiner Kunstwerke bleibt stets offen. In «Fahrwasser» ist es eine Ambivalenz zwischen Wohlgefühl und klaustrophobem Albtraum.

Entstanden ist das Werk in etwas anderer Ausformung bereits 2008 unter dem Titel «Türkisches Bad». Es reflektierte damals die Stellung der Frau in der Türkei: Freiheit ja, aber limitiert. Egal, unter welchem Titel man das Werk betrachtet, es bleibt rätselhaft: Könnte die Frau nicht ausbrechen? Dass sie sich eben nicht auflehnt, sondern wohlzufühlen scheint, löst Irritation aus.
Gleichzeitig kann man sich dieser unbeirrbaren Gelassenheit der Frau nicht entziehen, die im Augenblick verweilt, ohne ein Ziel zu verfolgen. Ist das eine Botschaft? «Fahrwasser» ist noch bis Oktober 2017 in der kleinen Glasvitrine am Gleis 1 nahe dem Brugger Bahnhof ausgestellt. (AZ)