Windisch
Fahrtenmodell soll den Verkehr auf der Dorfstrasse regulieren

Die Bewohner des Kunzareals sollen nicht mehr als 1300 Autofahrten pro Jahr machen, damit die Quartierstrasse nicht zu fest belastet wird. Ein Modell, das man so eher aus städtischen Gegenden kennt.

Nik Dömer
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Anwohner Thomas Wipfli öffnet mit seiner Parkkarte die Barriere vor dem Parkhaus.

Anwohner Thomas Wipfli öffnet mit seiner Parkkarte die Barriere vor dem Parkhaus.

Nik Dömer

Das Windischer Kunzareal wird immer lebendiger. Nach und nach beziehen die Leute ihr Loft in der Spinnerei III, ihre Mietwohnung in der Überbauung Spinnerkönig oder ihre Eigentumswohnung in der Überbauung Stegbünt. Vieles ist neu auf dem alten Industrieareal. So auch das spezifische Fahrtenmodell, das für Käufer und Mieter auf dem Areal gilt. Es legt nämlich fest, dass die Dorfstrasse täglich maximal mit 1300 Fahrten von den Bewohnern des Kunzareals belastet werden darf, damit die Strasse auch weiterhin quartierfreundlich bleibt.

Ein solches Konzept sei schon eher eine Seltenheit, gesteht Roland Schneider, der Leiter für Planung und Bau bei der Gemeinde Windisch. «Wir haben dieses Fahrtenmodell Anfang November eingeführt, damit sich der Verkehr auf der Dorfstrasse in Grenzen hält», so Schneider. Nun gehe es darum, mit dem neuen System Erfahrungen zu sammeln. Ende 2015 werde man ein erstes Fazit machen können. Bisher habe es kaum Rückmeldungen von Bewohnern gegeben, so Roland Schneider.

Nutzung des Areals steuern

Es stellt sich nun die Frage, wie diese 1300 Fahrten festgelegt wurden. Arealentwickler Alex Römer erklärt: «Nach der Schliessung der Spinnerei hat der vorherige Eigentümer mit der Gemeinde Überlegungen zur Umnutzung gemacht.» In diesem Zusammenhang habe die Gemeinde die Kapazität der Dorfstrasse untersuchen lassen und eine Fahrtenanzahl festgelegt. Durch die Fahrtenbeschränkung wollte man in erster Linie die zukünftige Nutzung des Areals steuern. So sollten keine verkehrsintensiven Anziehungspunkte, wie zum Beispiel ein Einkaufszentrum, angesiedelt werden. Für die HIAG Immobilien Gruppe ist die Fahrtenbeschränkung ein Einzelfall. «Fahrtenmodelle kennt man sonst eher aus urbanen Gebieten wie der Stadt Zürich», merkt Alex Römer an.

Das neue Fahrtenmodell legt fest, dass jeder Bewohner pro Parkplatz eine Gutschrift von 1300 Fahrten pro Jahr erhält. Dies funktioniert folgend: Fährt ein Bewohner aus dem Parkhaus, so muss er die Schranke mit seiner Parkkarte öffnen. Dabei wird ihm eine Fahrt abgezogen. Fährt er in das Parkhaus, so wird ebenfalls eine Fahrt verbucht. Die verbleibenden Fahrten werden anschliessend auf einem Display angezeigt. Falls es nach einem Jahr trotzdem zu einer Überschreitung der zulässigen Fahrten kommt, passiert nichts. Nur für den Fall, dass die Gesamtzahl der Autofahrten des Kunareals die Obergrenze von 1300 Fahrten täglich überschreitet, sind Massnahmen vorgesehen.

Das Fahrtenmodell stört die Betroffenen kaum. «Grundsätzlich finde ich das Konzept ganz in Ordnung. Es zwingt, die Anwohner daran zu denken, dass eine Autofahrt zugunsten der Wohnsiedlung unterlassen werden könnte», so Stefan Stäger, Bewohner der Spinnerkönig-Überbauung. Für ihn selber sei die Einschränkung absolut kein Problem, er fahre eher selten Auto. Dies sieht auch Anwohner Thomas Wipfli so: «Das Fahrtenmodell schränkt mich nicht ein. Ich brauche mein Auto täglich für die Arbeit und ab und zu für den Einkauf. Ich habe keine Angst, dass ich die Jahreslimite am Ende überschreite, denn es gibt ja auch Tage, an dem ich es gar nicht brauche.»

Ende Jahr wird sich zeigen, ob sich alle an die Limite gehalten haben. Falls die Gesamtzahl der Fahrten aus dem Kunzareal zu hoch ist, wird für jede getätigte Fahrt ein Betrag in der Höhe eines Bustickets, derzeit Fr. 2.40, verrechnet. Der Betrag wird dem jeweiligen Parkplatzbesitzer in Rechnung gestellt.

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