Veltheim
Dieser Confiseur kreiert für jede Schoggi die passende Form

Wer denkt, Schokolade könne man nur in Tafelformen giessen, den belehrt Andi Lüscher eines Besseren: Der junge Confiseur entwirft individuelle Schoggiformen und stellt sie auch gleich selber her.

Barbara Schlunegger
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Anlässlich des 750-Jahr-Jubiläums der Gemeinde hat Andi Lüscher eine Schoggiform mit dem Gemeindewappen produziert.

Anlässlich des 750-Jahr-Jubiläums der Gemeinde hat Andi Lüscher eine Schoggiform mit dem Gemeindewappen produziert.

Jiri Reiner

Ostern rückt näher. Die Schoggihasen haben aber schon längst Einzug in die Grossverteiler und Bäckereien gehalten. Während die süssen Schokoladentierchen von Coop, Migros & Co. längst industriell gefertigt werden, legen die Confiseure vieler Konditoreien noch selbst Hand an. Zum Beispiel Andreas Lüscher aus Veltheim. Der gelernte Bäcker-Konditor hat vergangenes Jahr seine Zusatzausbildung als Confiseur abgeschlossen und entwickelt seither eigene Ideen.

Der 21-Jährige absolviert zwar momentan die Rekrutenschule. Wenn er mehr Zeit hat, widmet er sich einem besonderen Hobby: Lüscher stellt individuelle Schokoladenformen aus Plastik her. In einer leerstehenden Ecke des Luftschutzraumes im Haus der Grossmutter hat er sich einen Arbeitsplatz eingerichtet.

«Andi Lüscher – individuelle Schoggiformen» prangt in grellem Giftgrün auf einem Schildchen an der Tür. Neben verschiedensten Grössen von Bohrstiften und fertiggestellten Schoggiformen steht am Rand des Tisches das wohl wichtigste Arbeitswerkzeug: die Maschine, die dafür sorgt, dass die Holzformen am Schluss mit Plastik überzogen werden. «Das Plastik muss auf etwa 150 Grad erhitzt werden, damit es sich an den Prototyp aus Holz oder Kunststoff anschmiegt», sagt Lüscher. Das ist der letzte Produktionsschritt.

Aber von vorne: Zuallererst muss für die gewünschte Form eine Vorlage her. Lüscher zeigt der Besucherin an seinem Computer das Programm, mit dem er Bilder oder Grafiken für ein Weiterverarbeiten importiert oder sogar selber zeichnet. Auf dem Bildschirm zu sehen ist ein Güggel, das Wappen von Veltheim. Ein fragender Blick der Journalistin und der Confiseur erzählt, dass er im Auftrag der Bäckerei Richner Schoggiformen für das 750-Jahr-Jubiläum seines Heimatdorfes produziert.

Mit der Herstellung und dem Giessen der Schokolade hat er hingegen nichts zu tun: «Die Bäckerei wird die Hohlkörper mit Schokolade füllen und verkaufen.» Weiter in der Formen-Herstellung: Wenn die Vorlage am Computer fertig ist, wird sie in ein Holzstück eingefräst. Dieses Holzteil wird mittels genannter Kunststoffverarbeitungsmaschine mit Plastik überzogen. Teilweise verwendet der Konditor anstatt Holz Formenbau-Kunststoff. «Der ist aber teurer, deshalb nehme ich in den meisten Fällen Holz für den Prototyp», erklärt Lüscher. Zu seinem Hobby fand der Rekrut vor einem Jahr.

Die Idee entstand aus der Not heraus: Der damalige Lehrling hatte im Sinn, alkoholfreie Kirsch-Stängeli herzustellen. Dafür benötigte er eine entsprechende Form und wandte sich deshalb an eine Firma in der Region Aarau, die solche Hohlkörper herstellt. Lüscher kam nicht weit. «Wir hätten den Preis für diese individuellen Formen niemals bezahlen können», macht er klar. So kam dem damals 20-Jährigen die Idee, selbst Schoggiformen zu produzieren. «Man stösst relativ schnell an Grenzen, wenn man eine bestimmte Vorstellung einer Form hat», sagt der Veltheimer über das Angebot individueller Schokoladenhohlkörper.

So wurde aus der Not ein neues Hobby geboren. Die grösste Form entwickelte Lüscher übrigens anlässlich der Schweizer Meisterschaft der Confiseur-Lehrlinge: Er goss ein Relief der Schweiz in Schokolade.

Die Kunden des Konditors sind hauptsächlich kleine und mittlere Unternehmen, Bäckereien und Konditoreien. Private hätten weniger Interesse, meint er. Ob er die Arbeitsschritte irgendwo abgekupfert habe, will die Besucherin wissen. Sichtlich stolz erwidert er: «Nein, die habe ich alle selber entwickelt.»

Preislich bewegt sich ein Auftrag für eine individuelle Hohlform je nach Aufwand und Komplexität des Auftrags zwischen 150 und 300 Franken. Auf die längerfristigen Ziele seines Steckenpferds angesprochen, sagt der 21-Jährige: «Ich habe nicht vor, mein Hobby gross auszubauen.»

Für ihn reiche es, wenn das Herstellen der Schoggiformen ein zweites Standbein bleibe. Sein Militäraufenthalt ist kommenden Donnerstag zu Ende. Im Sommer tritt der Veltheimer wieder eine Stelle als Konditor an.