Brugg
Diese Frau gibt der Gugge den Takt an

Corina Bühler (41) ist Tambourmajorin der Zwäsi-Gugge – mit Stolz blickt sie auf die letzten zehn Jahre zurück.

Janine Müller
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Die Fasnacht kann kommen: Tambourmajorin Corina «Stella» Bühler sprüht in der Probe der Zwäsi-Gugge vor Energie.Alex Spichale

Die Fasnacht kann kommen: Tambourmajorin Corina «Stella» Bühler sprüht in der Probe der Zwäsi-Gugge vor Energie.Alex Spichale

Alex Spichale

Energisch streckt sie eine Hand in die Höhe. Mit den Fingern zeigt sie den Takt an, dann pustet sie in die Trillerpfeife. Der schrille Ton vermag die Schlagzeug-, Pauken- und Trompetenklänge zu übertönen. Corina Bühler winkt ab, die Guggenmusik verstummt. «Gut!», ruft sie. «Als Nächstes kommt ‹Baby›.» Und schon zählt sie das Lied, das DJ Ötzi bekannt machte, an.

Für Corina Bühler ist das dritte Fasnachtsjahr als Tambourmajorin angebrochen. Die 41-Jährige an der Spitze der Brugger Zwäsi-Gugge sprüht in der Probe vom Mittwochabend vor Energie. Mal zeigt sie der Perkussion an, schneller zu spielen, den Trompetenspielern gibt sie Zeichen für die Einsätze. Dabei wippen ihre blondierten Haare, die bis zur Hüfte reichen, hin und her.

Beim einen oder anderen Stück spielt sie selber auf der Trompete mit. In anderen Jahren schlug sie auch schon die Pauke oder spielte auf der Posaune. Unterbrechen muss Corina Bühler die Guggenmusiker während der Probe kein einziges Mal. Die Stücke sind einstudiert, die ersehnte Fasnacht kann kommen.

Die ganze Familie ist dabei

Bereits vor über zehn Jahren besuchte Corina Bühler mit einer Freundin die Brugger Fasnacht. «Das war früher, als es noch eine Fasnacht war», sagt sie. Sie lernte einige Mitglieder der Aarefäger Brugg kennen. Bald war klar: Sie wollen in Brugg eine neue Guggenmusik gründen. So entstand die Zwäsi-Gugge, unter anderem mit Corina Bühler als Gründungsmitglied.

Zum Amt als Tambourmajorin kam sie, wie so viele zu einem Amt in einem Verein kommen: «Es wollte halt niemand anderes diesen Job übernehmen, dann habe ich zugesagt», erklärt Corina Bühler. «Ich sagte mir: ‹Mach es doch, das ist eine neue Herausforderung›.»

Für die dreifache Mutter, deren Kinder sowie der Mann ebenfalls in der Guggenmusik mit dabei sind, war es eine völlig neue Erfahrung. Trotzdem sei der Anfang gar nicht so schwierig gewesen. «Meine Vorgängerin hat diesen Job super erledigt. Vieles versuche ich, ähnlich zu machen», sagt Corina Bühler. Der Job macht ihr Freude.

Darüber, dass es nicht sehr oft vorkommt, dass eine Frau Tambourmajorin einer Gugge ist, macht sie sich keine Gedanken. Probleme habe es jedenfalls deshalb noch keine gegeben. «Ich unterstütze die Mitglieder gerne», sagt Corina Bühler. Doch manchmal sei es auch anstrengend. Vor allem dann «wenn der Tag sonst nicht so gut gelaufen ist und mühsam war, und man dann in der Probe gute Miene machen und die Mitglieder motivieren muss», wie Corina Bühler sagt.

Ständig auf Mitgliedersuche

Das gelingt offenbar. Denn die Zwäsi-Gugge kann in diesem Jahr ihren 10. Geburtstag feiern. Mit Stolz blickt Corina Bühler auf die letzten Jahre zurück. Die Familienguggenmusik – insgesamt spielen 20 Erwachsene und 4 Kinder in der Gugge – ist zwar noch immer klein, über die Jahre aber etwas gewachsen. «Wir wünschen uns natürlich mehr Mitglieder», sagt Corina Bühler. «Wir haben aber gemerkt, dass viele Jugendliche keine festen Termine mehr wollen. Das ist schade.» Sie wehrt sich auch gegen das gängige Klischee, dass in der Guggenmusik ständig alle betrunken sind. «Das kommt bei uns eigentlich nicht vor», hält sie dagegen. «Wir sind ja schliesslich eine Familiengugge.»

Auch aus diesem Grund ist der Umzug in Brugg für Corina Bühler jeweils ein Höhepunkt der Fasnacht. Ein weiterer ist das Guggen-Open-Air, das die Zwäsi-Gugge jedes Jahr jeweils am Freitagabend der Brugger Fasnacht durchführt. Dass die Zukunft der Brugger Fasnacht unsicher ist, weil sich offenbar niemand für die Nachfolge von Zunftmeister Hugo Schmid interessiert, das beschäftigt einige in der Zwäsi-Gugge zwar, wirklich zum Thema geworden ist es bisher aber nicht.

Im Probenraum in der Schützenmatt, in dem tagsüber eine Spielgruppe untergebracht ist, stimmt Corina Bühler, die auch Stella genannt wird, wie der knallgrüne Aufdruck auf dem schwarzen T-Shirt beweist, das nächste Stück an. Was auffällt: Sie bewegt bei jedem Lied lautlos den Mund, singt stumm mit. Vereinspräsidentin Claudia Hufschmid ist froh darüber: «Das hilft uns, nicht aus dem Takt zu fallen. Sie macht das wirklich super.»

Wie lange Corina Bühler ihren Job noch macht, ist unklar. «Ich lasse jetzt zuerst mal die Fasnacht vorübergehen.» Sowieso wird jedes Ämtli im Verein an der Generalversammlung jeweils neu ausgeschrieben. Ob sich Corina «Stella» Bühler erneut als Tambourmajorin bewerben wird, weiss sie noch nicht.

Proben der Zwäsi-Gugge mittwochs
von 20.15 bis 22 Uhr in der Schützenmatt
in Brugg.

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