Brugg
Die Handwerker haben es nicht leicht in der Region

Ein paar Bretter und ein bisschen Schleifpapier, etwas Farbe und ein passender Pinsel – ganz so einfach ist es nicht, jedenfalls nicht in Brugg: Hier hat der Handwerker und Hobby-Heimwerker keinen einfachen Stand.

Michael Hunziker
Merken
Drucken
Teilen
Zubehör für Handwerker: Vieles ist in Brugg nicht – mehr – erhältlich.

Zubehör für Handwerker: Vieles ist in Brugg nicht – mehr – erhältlich.

az/Archiv

Vieles ist nämlich weder rund um den Neumarkt noch in der Altstadt erhältlich. Unter die Füsse – respektive Räder – genommen werden muss deshalb der Weg nach Würenlingen, Gebenstorf oder Mellingen, wo die entsprechenden Fachgeschäfte zu finden sind.

Dass ein Baumarkt in Brugg schmerzlich vermisst wird, ist regelmässig zu hören aus der Bevölkerung. Weshalb die Migros ihren Do it + Garden im August 2011 geschlossen hat, ist bis heute vielen ein Rätsel. Migros habe den Fachmarkt ab 2003 zusammen mit dem SportXX an der Badenerstrasse 13 betrieben, blickt Mediensprecherin Andrea Bauer zurück. Die Umsatzentwicklung im Do it + Garden sei in diesen Jahren allerdings kontinuierlich rückläufig gewesen. Deshalb sei er mit dem Standortwechsel des SportXX geschlossen worden. Reaktionen zu diesem Entscheid seien bei der Infoline der Migros seit gut zwei Jahren keine mehr eingegangen. Ein neuer Do it + Garden ist gemäss Andrea Bauer derzeit zwar keine Option. Aber die Migros Aare prüfe immer wieder Möglichkeiten an allen ihren Standorten – «sollte sie ein Kundenbedürfnis feststellen».

Eugen Vogel, 90, Hausen «Dem Do-it hinter der Migros trauere ich nach. Dort fand ich alles für kleinere Reparaturen im Haus. Soll ich nun im Internet einkaufen? In Brugg gibt es so viele leerstehende Ladenlokale.»
5 Bilder
Heinz Stucki, 76, Brugg «Ich finde es schade, dass ich nach Würenlingen fahren muss. Nun baut die Migros in Brugg um, aber solche Bedarfsartikel werden danach nicht angeboten – obwohl die Nachfrage da ist.»
Hans Siegrist, 56, Windisch «Ich finde es eine Katastrophe. Haushaltwarenartikel und Eisenwaren bekam ich im Fachhandel in der Brugger Altstadt. Nun muss dafür nach Mellingen oder in die Landi Gebenstorf.»
Berta Stirnemann, 74, Bözberg «Ja, das war schon eine Umstellung. Handwerker-Zubehör besorgen wir uns nun in Frick oder Würenlingen. Manchmal bringt auch mein Bruder vom Zürcher Oberland Material mit.»
Edith Schönenberger, 38, Frick «Ich habe früher in Brugg gelebt und die Do-it-Abteilung der Migros sehr geschätzt. Die Schliessung habe ich nie verstanden. Am zentralen Neumarkt sollte man doch alles kaufen können.»

Eugen Vogel, 90, Hausen «Dem Do-it hinter der Migros trauere ich nach. Dort fand ich alles für kleinere Reparaturen im Haus. Soll ich nun im Internet einkaufen? In Brugg gibt es so viele leerstehende Ladenlokale.»

Claudia Meier (Text) und Michael Hunziker (Fotos)

Gleichzeitig betont die Mediensprecherin, dass auch nach dem Umbau im heutigen Supermarkt (die az berichtete) die gleichen «Top-Do-it-Produkte» zu haben sein werden wie vorher: Zu diesen gehören der Hammer und der Schraubenzieher, die Kabelbox, das Verlängerungskabel oder die Steckdosenleiste. Welche Garten-Artikel angeboten werden, steht dagegen noch nicht definitiv fest. Hier befinde sich die Migros in der Definitionsphase, so Andrea Bauer.

Würden alle dort einkaufen . . .

Das Angebot der Brugger Detailhandelsgeschäfte ist – «selbstverständlich» – regelmässig auch ein Thema beim Gewerbeverein Zentrum Brugg, bestätigt Christina Thomann von der Detailhandelsgruppe. Dazu gehöre der fehlende Baumarkt genauso wie die Ladenschliessungen. Christina Thomann weiss aus Erfahrung: «Muss ein Unternehmen seine Tätigkeit aufgeben, schliesst ein Betrieb seine Türen, wird dies von allen Seiten zutiefst bedauert. Würden aber alle, die so reagieren, in eben denjenigen Geschäften einkaufen, könnten diese noch heute für die Kunden da sein!» Von Geschäftsaufgaben erfahre der Gewerbeverein meist aus der Zeitung. Deshalb sei es schwierig, frühzeitig zu reagieren oder allenfalls nach Alternativen zu suchen. Überdies erfolge der Einsatz der Detailhandelsgruppe ehrenamtlich, «was zur Folge hat, dass auch unsere Mittel und unsere Zeit begrenzt sind».

Trotzdem will sich der Gewerbeverein Zentrum Brugg für attraktive Rahmenbedingungen einsetzen, versichert Christina Thomann. Gleichzeitig gibt sie zu bedenken: «Für die Umsetzung braucht es dann auch den Willen der Politik.» Der Vorstand des Zentrums Brugg treffe sich zwar regelmässig mit Vertretern des Brugger Stadtrats zu Gesprächen. «Konkrete Resultate lassen aber oft recht lange auf sich warten, die politischen Mühlen mahlen langsam.»

Eine neue Massnahme kann Christina Thomann allerdings bereits verraten: «Die Detailhandelsgruppe des Zentrums Brugg ruft eine Suchplattform ins Leben, um den Einkauf in Brugg zu vereinfachen. Details hierzu folgen in Kürze.»