Mülligen
Die Anwohner der Stockstrasse wollen gar kein Verbot für Lastwagen

Verkehrte Welt in Mülligen: Der Gemeinderat möchte für mehr Sicherheit auf der Stockstrasse und eine geringere Belastung für die Anwohner sorgen. Aber genau diese wollen von einem Parkierungsverbot für Lastwagen und schwere Anhänger nichts wissen.

Michael Hunziker
Drucken
Teilen
Heute gilt auf der Stockstrasse ein Nachtparkierungsverbot. Geht es nach dem Gemeinderat, dürfen künftig – auch tagsüber – keine Lastwagen und schwere Anhänger mehr abgestellt werden.mhu

Heute gilt auf der Stockstrasse ein Nachtparkierungsverbot. Geht es nach dem Gemeinderat, dürfen künftig – auch tagsüber – keine Lastwagen und schwere Anhänger mehr abgestellt werden.mhu

Michael Hunziker

Ohne Chauffeure – so die Befürchtungen der Anwohner der Stockstrasse in Mülligen – müsste das Restaurant Waldheim ums Überleben kämpfen.

Die Ausgangslage: Heute besteht auf der Stockstrasse ein Nachtparkierungsverbot von 22 bis 6 Uhr für Lastwagen. Geht es nach dem Gemeinderat, dürfen künftig – auch tagsüber – keine Lastwagen mehr abgestellt werden.

Bis heute keine Zwischenfälle

Gegen das Parkierungsverbot wehren sich die Anwohner der Stockstrasse zusammen mit dem Wirt des Restaurants Waldheim sowie den Lastwagenchauffeuren. Letztere schätzen das «Waldheim» und besuchen es in ihrer Znüni- oder Mittagspause – und stellen ihre Fahrzeuge am Rand der Stockstrasse ab. «Das ist seit über 20 Jahren möglich und hat bisher wunderbar funktioniert. Zu Zwischenfällen ist es nicht gekommen», sagt Anwohner Mario Wiedemeier und ergänzt: «Anderswo im Dorf gibt es keine Lastwagenparkplätze.»

Stockstrasse: Seit 1990 besteht Nachtparkierungsverbot

Früher sei das Restaurant Waldheim eine traditionelle Dorfbeiz gewesen, in der man sich zum Feierabend-Bier getroffen habe, erinnert sich Anwohner Mario Wiedemeier. Mit einer guten und günstigen Küche habe der damalige Wirt die Lastwagenchauffeure als Gäste gewonnen. In Absprache mit den Ortsbürgern durfte er auf der Stockstrasse einen Strassenkoffer erstellen und die angrenzenden Bäume und Sträucher zurückstutzen, damit die schweren Fahrzeuge abgestellt werden konnten. Für die Kosten – Arbeit und Material – kamen der Wirt sowie das nahe Kieswerk auf.

Weil die – ausländischen – Chauffeure teilweise über Nacht blieben, wurde 1990 auf Antrag eines Anwohners für die Stockstrasse ein Nachtparkierungsverbot von 22 bis 6 Uhr eingeführt. Denn in den frühen Morgenstunden, wenn die Lastwagenfahrer die Motoren starteten und losfuhren, kam es zu einer zusätzlichen Lärmbelastung. «Für dieses Nachtparkierungsverbot habe ich absolut Verständnis», sagt Wiedemeier.

Kein Verständnis hat er aber dafür, dass der gleiche Anwohner jetzt generelles Parkierungsverbot fordert, «weil er sich offenbar am Anblick der Lastwagen stört». Die jeweils bis zu fünf Lastwagen während durchschnittlich rund anderthalb Stunden pro Tag seien tragbar, ist Wiedemeier überzeugt. (mhu)

Für Wiedemeier, der seit 28 Jahren an der Stockstrasse wohnt, steht fest: Wird das Parkierungsverbot eingeführt, ist die Existenz des «Waldheims» gefährdet. «Die Chauffeure sind überlebenswichtig.» Das Restaurant geniesse einen ausgezeichneten Ruf, sei bekannt für seine gute Küche, für faire Preise, ein nettes Wirte-Paar, zuvorkommenden Service und eine angenehme Atmosphäre, sagt Wiedemeier. Dem Lokal gelte es Sorge zu tragen. Es übernehme nicht nur eine gesellschaftliche Funktion als Treffpunkt, es würden auch Arbeits- und Ausbildungsplätze geschaffen. Anders gesagt: «Es darf nicht sein, dass unser Gewerbe kaputt gemacht wird und dass wir dem Restaurant das Wasser abgraben. Dagegen müssen wir kämpfen.»

«Waldheim»-Wirt Josef Achermann bestätigt, dass er durch ein Parkierungsverbot für Lastwagen mit beträchtlichen Umsatzeinbussen zu rechnen hätte. Die Rede sei von jährlich einigen Tausend Franken. Ebenfalls müsste er, würden in der Znüni- und der Mittagszeit die Chauffeure fern bleiben, allenfalls die Öffnungszeiten oder die Stellenpensen der Mitarbeitenden anpassen.

Situation lassen, wie sie ist

In einer Unterschriftensammlung bei Anwohnern, Restaurantbesuchern und Chauffeuren im nahen Kieswerk hätten sich über 100 Personen gegen das Parkierungsverbot ausgesprochen, so Wiedemeier. «Wir möchten die bisherige Situation beibehalten.» Ab letztem Jahr kam es zu Gesprächen und Verhandlungen mit dem Gemeinderat und es wurden Kompromiss-Vorschläge ausgearbeitet. Allerdings ohne Erfolg. Die beteiligten Parteien wurden sich nicht einig.

In einem Brief an den Gemeinderat machten die Anwohner im September 2012 überdies deutlich, dass sich ein Parkierungsverbot nicht gegen «irgendwelche verkehrstechnischen Notstände» richte. Im Gegenteil: In der kurzen Zeit, in der die Lastwagen parkiert würden, beruhige sich die Verkehrssituation beträchtlich, die gefahrenen Geschwindigkeiten auf der Stockstrasse würden deutlich reduziert und die Aufmerksamkeit der Verkehrsteilnehmer steige.

Im Namen der Anwohner appelliert Wiedemeier an den Gemeinderat, den gesunden Menschenverstand walten zu lassen sowie Durch- und Weitblick im Interesse der Bevölkerung zu zeigen.

Nachtparkierungsverbot seit 1990

Die Vorgeschichte: Früher sei das Restaurant Waldheim eine traditionelle Dorfbeiz gewesen, in der man sich zum Feierabend-Bier getroffen habe, erinnert sich Anwohner Mario Wiedemeier. Mit einer guten und günstigen Küche habe der damalige Wirt die Lastwagenchauffeure als Gäste gewonnen. In Absprache mit den Ortsbürgern durfte er auf der Stockstrasse einen Strassenkoffer erstellen und die angrenzenden Bäume und Sträucher zurückstutzen, damit die schweren Fahrzeuge abgestellt werden konnten. Für die Kosten – Arbeit und Material – kamen der Wirt sowie das nahe Kieswerk auf.

Weil die – ausländischen – Chauffeure teilweise über Nacht blieben, wurde 1990 auf Antrag eines Anwohners für die Stockstrasse ein Nachtparkierungsverbot von 22 bis 6 Uhr eingeführt. Denn in den frühen Morgenstunden, wenn die Lastwagenfahrer die Motoren starteten und losfuhren, kam es zu einer zusätzlichen Lärmbelastung. «Für dieses Nachtparkierungsverbot habe ich absolut Verständnis», sagt Wiedemeier. Kein Verständnis hat er aber dafür, dass der gleiche Anwohner jetzt generelles Parkierungsverbot fordert, «weil er sich offenbar am Anblick der Lastwagen stört». Die jeweils bis zu fünf Lastwagen während durchschnittlich rund anderthalb Stunden pro Tag seien tragbar, ist Wiedemeier überzeugt.

Aktuelle Nachrichten