Brugg
Der Konzertchor lässt Friedrich Theodor Fröhlichs Werk aufleben

75 erfahrene Chorsängerinnen und -sänger stecken seit Monaten in den Vorbereitungen. Nun wird Friedrich Theodor Fröhlichs Passions-Cantate am 3. Fröhlich-Tag im Stapferschulhaus in Brugg aufgeführt.

Elisabeth Feller
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Impressionen von der Chorprobe unter der Leitung von Markus J. Frey.
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Impressionen von der Chorprobe unter der Leitung von Markus J. Frey.
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Impressionen von der Chorprobe unter der Leitung von Markus J. Frey.
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Impressionen von der Chorprobe unter der Leitung von Markus J. Frey.
Chorprobe in Brugg

Impressionen von der Chorprobe unter der Leitung von Markus J. Frey.

Alex Spichale

Wo stecken sie? Die Besucherin lässt sich vom Gemurmel leiten; geht die Treppe hoch bis zur zweiten Etage des Stapferschulhauses. Dort, im Singsaal, haben sie sich versammelt. Sie, das sind 75 erfahrene Chorsängerinnen und -sänger, die sich vor Monaten gemeldet haben, um zum Fröhlich-Konzertchor Brugg zu werden.

Viele von ihnen stammen aus Brugg und Umgebung; manche aus der Region Basel; aus Zofingen, Berikon, Bern, Zürich und Zug sowie aus dem Bündnerland. Gemeinsam ist allen die Neugier auf ein Werk, das der Vergessenheit entrissen wird, um beim dritten Brugger Fröhlich-Tag – so die offizielle Bezeichnung, obwohl es zwei Tage sind – aufgeführt zu werden: die Passions-Cantate von Friedrich Theodor Fröhlich. Komponiert wurde diese in Aarau im Februar/März 1831 und laut Partitur-Vorwort «zum erstenmal aufgeführt am Charfreitag abend den 1sten April 1831 in der beleuchteten Kirche derselbst».

Komposition birgt Überraschungen

Nun wird sie am Samstag kommender Woche in der Stadtkirche Brugg neu belebt; ein Unterfangen, das nicht nur den Projektchor in zehn Proben, sondern auch Profis wie die sechs Solisten und die Chaarts Chamber Artists fordert. Nervosität?

Davon ist nichts zu spüren. «Heute ist unsere letzte Probe; ich bin optimistisch im Hinblick auf das Konzert», begrüsst Dirigent Markus J. Frey den Chor, für den der Singsaal fast zu klein ist. Zuerst einige Lockerungsübungen: «Fest auf beiden Beinen stehen; die Arme schütteln und – gähnen.» Dann ein gesungenes «Mo-Mo-Mo». «Noch schöner ist es, wenn ihr das mit einem Lächeln singt», sagt Frey, setzt sich ans Klavier, spielt einige Takte: «Nr. 13, bitte.» Das ist ein Choral; ein Largo, das zu den Worten «Ach in des Jammers Tagen hilft mit der Ohnmacht Klagen die arme Menschheit sich» wunderbar passt.

Er wurde nur 33 Jahre alt

Der Brugger Friedrich Theodor Fröhlich – 1836 im Alter von 33 Jahren durch Freitod aus dem Leben geschieden – gilt heute als der bedeutendste Schweizer Komponist der frühen Romantik. Obgleich sein Œuvre reich ist, ist es dem Publikum fast vergessen, den Konzertsälen verloren und den Musikern nach wie vor zu wenig bekannt. Weil sich das ändern soll, richtete der Kulturverein Fröhlich-Konzerte Brugg unterm Patronat der Internationalen Friedrich-Theodor- Fröhlich-Gesellschaft 2016 den ersten Brugger Fröhlich-Tag aus; nun folgt am 13./ 14. April der dritte. (EF.)

Frey unterbricht; er will in der letzten Probe vor allem an den Übergängen feilen. Alle sind konzentriert und – gelassen. Dabei ist Fröhlichs weitgehend unbekannte Passions-Cantate mit ihrer laut Frey «unglaublich starken Ouvertüre» anspruchsvoll.

«Schon allein die zeitliche Dauer dieses frühromantischen Werks aus der Mendelssohn-Zeit entspricht mit 90 Minuten eher einem Oratorium als einer Kantate», sagt der Musiker und erklärt, was ihn fasziniert: «Gesanglich birgt die Komposition so viele Überraschungen. Zudem erstaunt mich immer wieder, wie Fröhlich mit Klangbildern arbeitet. Auffallend sind überdies die vielen Solostellen, aber auch ein Duett wie jenes von Alt und Tenor: So etwas hört man selten. Von den insgesamt 21 Nummern gehören sieben, zum Teil allerdings sehr umfängliche, dem Chor.»

Filigrane Orchesterbesetzung

«‹Friedrich Theodor Fröhlich ist der Schweizer Mendelssohn›: Diese Einschätzung ist mir sehr sympathisch», sagt Frey und verweist einmal mehr auf die «hervorragende Musik» der frühromantischen Passions-Cantate, die ein Werk für grosses Orchester sei.

Doch in Brugg spielen die Chaarts Chamber Artists mit 32 Musikerinnen und Musikern den Orchesterpart. Genügt das? «Ja. Diese Besetzung mutet zwar vergleichsweise filigran an, doch ich meine, dass sie gut zum Werk passt. Ich will ja nicht plakativ werden», betont Markus J. Frey. Welche Hoffnung verknüpft er mit der Aufführung der Passions-Cantate in Brugg? «Dass Chöre nachfolgen werden; das Notenmaterial ist vorhanden.»