Brugg
Deborah Lo Pumo: «Demenz geht uns alle an»

Deborah Lo Pumo ist die neue Leiterin Geschäfts- und Beratungsstelle der Alzheimervereinigung Aargau in Brugg. Für sie ist Demenz etwas, das sie unmittelbar betrifft und berührt.

Elisabeth Feller
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Die neue Leiterin Geschäfts- und Beratungsstelle der Alzheimervereinigung Aargau, Deborah Lo Pumo, vor einem Bild, das ein Demenzkranker gemalt hat.

Die neue Leiterin Geschäfts- und Beratungsstelle der Alzheimervereinigung Aargau, Deborah Lo Pumo, vor einem Bild, das ein Demenzkranker gemalt hat.

Elisabeth Feller

Die Wände sind weiss wie frisch gefallener Schnee. Nichts trübt den Eindruck von Neuem, das nur darauf wartet, entdeckt zu werden: von Deborah Lo Pumo (36), die im September in die neuen Räume der Geschäftsstelle der Alzheimervereinigung Aargau in Brugg eingezogen ist.

Zwar wurde nur vom zweiten Stock ins Parterre gezügelt, doch der jetzige Standort ist für Menschen, die um Hilfe ersuchen, noch leichter aufzufinden. Die neue Leiterin der Geschäftsstelle weiss, wie wichtig das ist. Nicht umsonst hat sie eine Stelle angetreten, von der man sagen könnte: Diese hat Deborah Lo Pumo gefunden – und nicht umgekehrt. Aber davon später, denn nun will man nicht länger über ihren Namen rätseln. «Mit einem Puma hat er jedenfalls nichts zu tun», lacht sie herzlich, «im Gegenteil. Ich bin mit einem Sizilianer verheiratet, in dessen Sprache Lo Pumo schlicht und einfach Apfel bedeutet.» Schön; ein solcher würde wunderbar zu den Seen- und Berglandschaften passen, die an den Wänden hängen. Wer hat diese Bilder gemalt? «Ein an Demenz erkrankter Mann, der jedoch nicht mehr weiss, dass er sie gemalt hat.»

Nichts mehr war so wie früher

Wir sind mittendrin im Thema. Für Deborah Lo Pumo ist Demenz etwas, das sie unmittelbar betrifft und berührt. Ihr Vater, berichtet sie ganz offen, sei vor einigen Jahren an frontotemporaler Demenz und gleichzeitig an Amyotropher Lateralsklerose (ALS) erkrankt. Eine Diagnose, die seine Tochter – Mutter zweier Kinder im Alter von fünf und acht Jahren – erschüttert hat, «weil von da an nichts mehr war, wie früher». Ihr Vater und ihr Mentor, «ein willensstarker Mann; ein internationaler Topmanager», habe sich zunehmend so verändert, dass sie ihn immer weniger erkannt habe, sagt Deborah Lo Pumo. Damals führte sie in der Villa ihres Vaters im Aargau ein erfolgreiches Bed & Breakfast. «Doch als es um die dringend notwendigen Renovationen ging, wollte er partout nicht.» Viel ist danach passiert, das Deborah Lo Pumo lediglich streift. Tatsache ist, dass sie Abstand brauchte, nach Windisch zog und ihr Vater mittlerweile im Pflegeheim betreut wird.

Das ist die Gegenwart, die ohne die Vergangenheit undenkbar ist. Was im Falle von Deborah Lo Pumo heisst: Sie wuchs die ersten acht Jahre in der Bretagne auf; zog dann mit ihren Schweizer Eltern ins Baselland, wo sie die Schulen besuchte. Später arbeitete sie in Non-Profit-Organisationen auf internationaler Ebene «zum Wohle der Gesellschaft», wie sie lächelnd anmerkt; sie baute Administration und Finanzbuchhaltung auf und wurde rasch an die Spitze des Personalwesens befördert. Wie würde sie sich denn beschreiben? Als das, was ihre Chefin einst über sie gesagt hatte: «Sozialmanagerin».

Auch zwei grosse Projekte

Es ist wohl genau diese Eigenschaft, die ihr an ihrer jetzigen Stelle zupass kommt. Ja, sie wird einiges, beispielsweise in der Administration, ändern sowie den Internetauftritt neu gestalten; zudem will sie das Networking verstärkt pflegen und die Geldmittelbeschaffung intensiv betreiben. «Weiter möchten wir vermehrt Schulungen für Firmen und Betreuungsinstitutionen wie etwa Spitäler anbieten.» Schulungen, unterstreicht sie, beträfen aber nicht nur das Pflegepersonal: «Es ist wichtig, dass alle – auch das Personal, das für die Reinigung zuständig ist – genau weiss, wie sich Demenzkranke verhalten und wie sie darauf reagieren können.»

Die Alzheimervereinigung Aargau verfolgt derzeit nicht nur kleinere, sondern auch zwei grosse Projekte: Darunter die weiter von Samuel Vögeli geleitete, erfolgreiche «Zugehende Beratung» sowie ein Vorhaben, für das die Flyer bereits verschickt sind. An Private? «Nein. An Gemeinden.» Diese sollen demenzfreundlich werden, was mehr als nur ein Lächeln erfordere. Nämlich? «Wir müssen in den Gemeinden einen Bewusstseinswandel anregen, um Menschen mit Demenz ein sozial eingebundenes Leben zu ermöglichen.» Gefragt seien vor allem Informations- und Sensibilisierungsaktivitäten, wie etwa Veranstaltungen zum Thema, Podiumsgespräche, Filmvorführungen, Einbezug von Vereinen, Quartier- und Dorfzentren. Für Deborah Lo Puma ist klar: «Demenz geht uns alle an. Die Bevölkerung wird immer älter, weshalb Demenzkrankheiten zunehmen und somit auch die Kosten steigen.» Eine demenzfreundliche Gemeinde aber könne die Kosten besser im Griff halten und sogar Geld sparen.

Wie die angeschriebenen Kommunen auf den Vorschlag der Alzheimervereinigung Aargau reagieren, weiss Deborah Lo Pumo nicht. Sie weiss dafür eines ganz sicher: Ab kommendem Januar wird sie die Gemeindeammänner persönlich aufsuchen, um sich für eine demenzfreundliche Gesellschaft stark zu machen.

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