FHNW
Das Güggeli vom Teller verbannen: Start-up will den Lebensmittelmarkt revolutionieren

Wie das Start-up Planted Foods den Lebensmittelmarkt revolutionieren will, war Thema in einer FHNW-Vorlesung in Brugg-Windisch. Das vegane Produkt der Firma wird «planted.chicken» genannt und besteht unter anderem aus Wasser, Erbsenprotein und Vitamin B12.

Gamze Yonca Demir, Vlora Dervishaj und Giulia Donno
Merken
Drucken
Teilen
Die vier Jungunternehmer (von links) Lukas Böni, Pascal Bieri, Eric Stirnemann und Christoph Jenny sind mit ihren Fleischersatzprodukten aus Erbsenprotein auf Erfolgskurs.

Die vier Jungunternehmer (von links) Lukas Böni, Pascal Bieri, Eric Stirnemann und Christoph Jenny sind mit ihren Fleischersatzprodukten aus Erbsenprotein auf Erfolgskurs.

Zur Verfügung gestellt

Planted Foods AG – so heisst das Start-up, welches sich zum Ziel gesetzt hat, Fleisch neu zu definieren. Warum diese Fleisch­alternativen aufgetischt werden sollten, erklärte Pascal Bieri, Co-Gründer der Unternehmung, in einer virtuellen Vorlesung vor Betriebsöko- nomiestudierenden der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) Brugg-Windisch.

Obwohl der Fleischkonsum in den letzten Jahren stagniert, konsumiert im Durchschnitt jede Schweizerin und jeder Schweizer jährlich 51 kg Fleisch. 75 Prozent der weltweiten Landwirtschaft werden dazu gebraucht, Tiere aufzuziehen, welche nachher geschlachtet werden. «Planted hat den Nerv der Zeit getroffen», so Bieri.

Die Grundlage der veganen Produkte

Das interdisziplinäre Führungsteam, bestehend aus den beiden Betriebsökonomen Pascal Bieri, 35, und Christoph Jenny, 35, sowie den Lebensmittelwissenschaftern Eric Stirnemann, 31, und Lukas Böni, 31, schaffte es 2019, mit Unterstützung der ETH und durch neueste Technologie pflanzliches Hühnerfleisch aus nur vier Ingredienzien herzustellen.

Das vegane Produkt wurde «planted.chicken» genannt und besteht aus Wasser, Erbsenprotein, Erbsenfasern und Rapsöl sowie Vitamin B12. «Das Bewusstsein, unsere Umwelt und Tiere zu schützen, steigt stark an. Gegenüber der konventionellen Fleischproduktion werden nur noch halb so viel Land und Wasser beansprucht sowie zwei Drittel der Treibhausgasemissionen eingespart», hält Bieri fest.

Durch ihre pflanzlichen Ersatzprodukte will Planted Foods aufzeigen, dass die lebensnotwendigen Vitamine einfacher durch vegane Produkte aufgenommen werden können. Eine Portion weist beispielsweise mehr Vitamin B12 auf als herkömmliches Fleisch. Zudem beinhalten die Fleischimitate keine Antibiotika, keine Hormone und kein Soja.

Planted Foods im Sortiment von Migros und Coop

«Der Genuss von Fleisch hat viel mit Mundgefühl zu tun», so Bieri an der virtuellen Vorlesung. Der Geschmack soll durch fleischähnliche Faserstruktur gewährleistet werden. Die Nachahmung soll es erlauben, das Güggeli vom Teller zu verbannen, ohne auf die Lieblingsgerichte zu verzichten. Das Sortiment besteht aktuell aus «planted.chicken», «planted.kebab» und «planted.pull». Laut Bieri werden bereits 15 Kebabstände in der Schweiz mit ihrem «planted.kebab» beliefert. Zudem ist Planted Foods mit seinen Produkten im Schweizer Detailhandel bei Migros und Coop sowie in Deutschland bei Edeka vertreten.

Gemeinsam mit Gastro­betrieben will das Start-up die Anzahl Planted-affiner Lokali- täten laufend vergrössern. Zu den Partnern gehört bereits das «Hiltl» in Zürich, welches das älteste vegetarische Restaurant der Welt ist.

Während die vier Jungunternehmer bereits an neuen Fleischalternativen tüfteln, wollen sie durch Investitionen in die Forschung ihre bereits lancierten Produkte stetig verbessern. Ein weiteres Ziel von Planted Foods ist es, durch Ausbau der Produktion in ganz Europa Fuss zu fassen.