Brugg
Dampflok-Bauer: «Mir ist das Konstruieren wichtig – weniger das Fahren»

Willi Maurer baut – nach amerikanischem Vorbild – eine Waldbahn-Dampflok im Massstab 1:5. Er ist seit 15 Jahren dran und ein Ende ist noch nicht in Sicht.

Louis Probst
Drucken
Teilen
Willi Maurer vor seiner Waldbahn-Dampflok: «Ich habe vor etwa 15 Jahren begonnen, habe aber nicht ständig an der Lokomotive gearbeitet.» Louis Probst

Willi Maurer vor seiner Waldbahn-Dampflok: «Ich habe vor etwa 15 Jahren begonnen, habe aber nicht ständig an der Lokomotive gearbeitet.» Louis Probst

«Ja, es hat einiges gebraucht», stellt Willi Maurer trocken fest. Er schraubt den Deckel des Kessels der Dampflokomotive auf, die vor ihm auf der Hebebühne in der kleinen Werkstatt steht, zeigt auf die Flammrohre und erklärt die Wirkungsweise des sogenannten «Injectors». Mit einer Spurweite von 7 1⁄4 Zoll weist die Lokomotive eine beachtliche Grösse auf. Im Massstab 1:5 entspricht sie dem Original einer Dampflokomotive des Typs Shay, einer Lokomotive, wie sie bei den Waldbahnen in Nordamerika zum Einsatz gelangt sind.

Charakteristikum dieser Bauart, die von einem Sägewerksbesitzer namens Ephraim Shay entwickelt wurde, ist der Antrieb über Gelenkwellen und Kegelräder.

Am Anfang war ein Buch

Dampflokomotiven hätten ihn zwar schon immer fasziniert, sagt Willi Maurer, der auch im Brugger Modellbahnclub «ziemlich engagiert» ist, wie er feststellt. Angefangen habe der Bau der Lokomotive aber damit, dass er das Buch «Logging with Steam in the 1880s» geschenkt erhalten habe. Dieses Buch befasst sich mit dem Einsatz der Dampfkraft in der Holzfällerei und in den Sägewerken in den USA – ein Thema, das Willi Maurer offensichtlich gepackt hat.

In seiner gut ausgerüsteten Werkstatt hat er nämlich neben der jetzt weitgehend fertiggestellten Dampflokomotive und einer etwas kleineren Dampflok auch ein funktionsfähiges Modell eines sogenannten «Steam Donkey» gebaut. Diese Dampfmaschine mit stehendem Kessel und zwei Kolben treibt eine Seilwinde mit zwei Trommeln an. Auch dieses Modell entspricht einer Maschine, wie sie einst in den «Logging Camps» im Westen der USA eingesetzt worden sind.

Beruflich vorbelastet

Bis auf die Dampfkessel hat der Brugger Willi Maurer praktisch alle Teile seiner Maschinen selber angefertigt. Sogar die Zahnräder für die Dampfseilwinde hat er selber gefräst. «Meine Fräsmaschine ist Gold wert», meint er dazu. Zweifellos entgegengekommen ist ihm seine frühere Tätigkeit. «Mein Beruf war Dreher», sagt Willi Maurer, der viele Jahre lang in der Maschinenfabrik GF und später M+S in Brugg in der Lehrlingsausbildung tätig war.

«Es ist aber nicht bloss das technische Wissen und Können», wehrt er bescheiden ab. «Man muss sich intensiv mit der Sache befassen. Und es braucht Ideen. Man steht oft vor der Frage: Wie mache ich das jetzt? Ich bin hin und wieder auf die Welt gekommen. Als Modellbauer müsste man eigentlich viele verschiedene Berufe haben.» Er zieht aber auch den Hut vor den Leistungen der Ingenieure, Mechaniker und Tüftler, die einst mit bescheidenen Mitteln ausgeklügelte Maschinen gebaut haben. Er sagt denn auch: «Ich habe jedenfalls öfters feststellen müssen: Das ist schon noch durchdacht.»

Willi Maurer hat die Arbeitsstunden, die hinter der Dampflokomotive und der Dampfseilwinde stecken, nicht gezählt. «Ich habe vor etwa 15 Jahren begonnen», sagt er. «Ich bin seit zehn Jahren pensioniert. Ich habe aber nicht ständig an der Lokomotive gearbeitet. Es gab viele Unterbrüche.» Der Brugger will sich denn auch nicht festlegen, wann seine Lokomotive «andampfen» wird. «Sie ist fertig, wenn sie fertig ist», meint er und sagt: «Mir ist das Technische, das Konstruieren, wichtig – weniger das Fahren.»

Aktuelle Nachrichten