Seelsorge
Kirchenratspräsident zum Bundesasylzentrum: «Wir sind überrascht, dass die Belegung in Brugg so marginal ist»

Im Bundesasylzentrum Brugg setzen die drei Aargauer Landeskirchen über 15'000 Franken pro Jahr für den Seelsorgedienst ein. Luc Humbel sagt, wie das Angebot aufgebaut ist und was sonst noch geboten werden könnte, wenn es die Coronasituation zulässt.

Claudia Meier
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Das Bundesasylzentrum in Brugg öffnete Ende November 2020 und ist maximal drei Jahre in Betrieb.

Das Bundesasylzentrum in Brugg öffnete Ende November 2020 und ist maximal drei Jahre in Betrieb.

Alex Spichale
(27. November 2020)

Für 230 Asylbewerber wurden die militärischen Hallen an der Ländistrasse in Brugg vorbereitet. Beim Start Ende November letzten Jahres wurden aber nur 40 Männer im Bundesasylzentrum (BAZ) einquartiert, Mitte März waren es noch 18 Personen. Vor wenigen Tagen haben die Aargauer Landeskirchen mitgeteilt, dass sie die ökumenische Seelsorge für die im BAZ Brugg untergebrachten alleinstehenden Männer seit Mitte Januar sicherstellen.

Die Aargauer Landeskirchen haben den Verein Oekumenischer Seelsorgedienst für Asylsuchende in Basel (OeSA) beauftragt, die Seelsorge auch für die Asylsuchenden im Zentrum Brugg zu übernehmen. Die Kosten für den Einsatz in Brugg tragen die Römisch-­katholische, die Reformierte und die Christkatholische Landeskirche im Aargau.

Luc Humbel ist Kirchenratspräsident der Römisch-katholischen Landeskirche im Aargau.

Luc Humbel ist Kirchenratspräsident der Römisch-katholischen Landeskirche im Aargau.

Sandra Ardizzone

Seelsorgedienst ist einen halben Tag pro Woche da

Laut Luc Humbel, Kirchenratspräsident der Römisch-katholischen Landeskirche im Aargau, belaufen sich die Kosten für die römisch-katholische Landeskirche aktuell auf 7000 Franken pro Jahr. Bei der reformierten Landeskirche sei der Betrag leicht höher, da sie Mitglied des Trägervereins ist. Die christkatholische Landeskirche beteilige sich mit 1000 Franken pro Jahr, so Luc Humbel.

Der OeSA leistet bereits einen ähnlichen Einsatz – zusätzlich zu ihrer etablierten Arbeit im Empfangszentrum Basel – für das BAZ Flumenthal mit einem Tag pro Woche. Der seelsorgerliche Einsatz im BAZ Brugg ist vorläufig im Umfang von einem halben Tag pro Woche vorgesehen. Zurzeit ist das Zentrum in Brugg nur zu einem Teil ausgelastet. Luc Humbel sagt: «Wir sind überrascht, dass die Belegung in Brugg so marginal ist. Aber wir wollen bereit sein, wenn es anders ist.»

Unterstützung bei der Perspektivensuche unabhängig von Religion

Die Seelsorge wird durch speziell ausgebildete und vom Staatssekretariat für Migration (SEM) akkreditierte Fachpersonen ausgeführt. Die Aargauer Landeskirche teilen mit:

«Die Arbeit erfordert eine hohe interkulturelle Kompetenz, Einfühlungsvermögen und eine breite Kommunikationsfähigkeit in mehreren Sprachen.»

Der OeSA begleitet und unterstützt Menschen, die aus ihren Heimatländern fliehen mussten und in der Schweiz Zuflucht suchen.

Die Seelsorgerinnen und Seelsorger nehmen die Menschen laut Mitteilung als Ganzes wahr, mit ihren körperlichen, seelischen, sozialen und spirituellen Bedürfnissen. Sie bieten Gespräche an und begleiten die Männer auf einem Stück ihres Lebenswegs und unterstützen sie in ihrer Perspektivensuche, unabhängig von Religion und Kultur.

In Bremgarten schon gute Erfahrungen gemacht

Ausserdem sollen die Seelsorgenden mit der Leitung, den Betreuenden und dem Sicherheitspersonal des BAZ zusammenarbeiten und nach Möglichkeit die umliegenden Kirchgemeinden und Pfarreien in die Zusammenarbeit einbeziehen. «Die katholische Pfarrei und die Reformierte Kirchgemeinde Brugg sind bereit, die Seelsorge im Asylzentrum mit dem Einsatz von Freiwilligen zu unterstützen», so die Landeskirchen.

Luc Humbel sagt, dass man damit schon gute Erfahrungen in Bremgarten gemacht habe, wo Freiwillige vor Ort einen Treffpunkt einrichteten und so in der Bevölkerung Ängste abbauen konnten. Ob im BAZ Brugg etwas angedacht ist, weiss Humbel nicht. Coronabedingt kann derzeit nichts stattfinden.