Brugg-Windisch
Mammutprojekt: Bei der Zentrumsentlastung steht die Tunnellänge auf dem Prüfstand

Ein weiterer Schritt beim Regionalen Gesamtverkehrskonzept Raum Brugg-Windisch sind die Vertiefungsarbeiten des Kantons.

Michael Hunziker
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Geplant ist die Zentrumsentlastung zwischen dem Anschluss Aufeld (oben rechts) sowie dem Anschluss Südwestumfahrung Brugg (unten links) mit einem Tunnel unter der Aare hindurch.

Geplant ist die Zentrumsentlastung zwischen dem Anschluss Aufeld (oben rechts) sowie dem Anschluss Südwestumfahrung Brugg (unten links) mit einem Tunnel unter der Aare hindurch.

zVg

Mit dem Regionalen Gesamtverkehrskonzept Ostaargau kommt ein Mammutprojekt auf den Raum Brugg-Windisch zu. Einige Fragen sind offen, einiger Abstimmungsbedarf ist vorhanden: zur Tunnellänge bei der Zentrumsentlastung genauso wie zur Entwicklung der Gebiete Aufeld und Bahnhof. Das kantonale Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) startet deshalb Vertiefungsarbeiten, teilt es in einer Medienmitteilung mit.

Zusammen mit der Anfang Oktober eingeweihten Südwestumfahrung Brugg sowie dem Verkehrsmanagement Region Brugg gehört das Regionale Gesamtverkehrskonzept zu einer verkehrlichen Gesamtlösung, die etappenweise umgesetzt werden soll. Die Absicht ist es, das Zentrum Brugg-Windisch vom Durchgangsverkehr zu entlasten und das untere Aaretal besser an die Autobahn anzubinden, kurz: die Weichen für die Mobilität von morgen zu stellen im stark wachsenden Ostaargau, wie es der Kanton ausdrückt, damit auch 2040 gute Mobilitätsangebote für die Menschen in diesem Gebiet verfügbar sind.

Vorgesehen sind aufeinander abgestimmte Massnahmen für den motorisierten Individualverkehr, für den Fuss- und Veloverkehr sowie für den öffentlichen Verkehr.

Stattfinden soll eine Abstimmung auf die kommunalen Vorhaben

Ende Juni 2017 beschloss der Grosse Rat den Eintrag des Regionalen Gesamtverkehrskonzepts Ostaargau im Richtplan auf der Stufe Zwischenergebnis. Danach wurden die Handlungsfelder – fünf an der Zahl –präzisiert und es fand eine öffentliche Anhörung statt. Anfang Mai dieses Jahres sind die Planungsgrundsätze des Regionalen Gesamtverkehrskonzepts Ostaargau bestätigt sowie die wichtigen Infrastrukturelemente für das Velo und den motorisierten Individualverkehr im Raum Brugg-Windisch im Richtplan auf die Stufe Festsetzung angehoben worden vom Grossen Rat. Verbunden wurden die Richtplananpassungen gleichzeitig mit Aufträgen.

Raum Baden-Wettingen

IG «Oase so nicht» konnte ihre Bedürfnisse darlegen

Anders als im Raum Brugg-Windisch bleiben die grossen Infrastrukturen im Raum Baden-Wettingen im Richtplan vorerst auf der Stufe Zwischenergebnis. «Hier sind gemeinsam mit den betroffenen Gemeinden weitere Abklärungen nötig», hält das kantonale Departemente Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) fest. Dieses hat – weil der Projektstand in den betroffenen Räumen des Regionalen Gesamtverkehrskonzepts Ostaargau unterschiedlich weit fortgeschritten ist – beschlossen, die Planung mit spezifischen Projekten weiterzuführen in den einzelnen Räumen. Für den Raum Baden und Umgebung haben unter anderem mit der Interessengemeinschaft «Oase so nicht» informelle Gespräche stattgefunden. Diese habe die Möglichkeit gehabt, ihre Bedürfnisse und Inputs darzulegen, zum Beispiel zur Einbindung der Bevölkerungsvertretung oder zum Rollenverständnis, führt das BVU aus. «Auch diese Themen werden in der Behördendelegation besprochen, die im Januar 2022 zwischen Gemeinden, Regionalplanungsverband und Kanton stattfindet.» Die verschiedenen Projekte aus dem Regionalen Gesamtverkehrskonzept Ostaargau werden laufend aufeinander abgestimmt, fügt das BVU an. (mhu)

Einerseits gelte es – aufgrund von konkreten Verbesserungsvorschlägen, die im Rahmen der öffentlichen Anhörung eingebracht worden sind – für die Zentrumsentlastung Möglichkeiten einer Tunnelverlängerung in Richtung Südwestumfahrung Brugg zu prüfen, so das Departement Bau, Verkehr und Umwelt. Andererseits soll eine Abstimmung stattfinden auf die kommunalen Vorhaben «Gebietsentwicklung Stadtraum Bahnhof Brugg Windisch» sowie «Entwicklung Aufeld».

Ziel ist es, das Zentrum Brugg-Windisch – hier die Neumarktkreuzung – vom Durchgangsverkehr zu entlasten.

Ziel ist es, das Zentrum Brugg-Windisch – hier die Neumarktkreuzung – vom Durchgangsverkehr zu entlasten.

mhu (22. Januar 2015)

Für das Projekt «Gebietsentwicklung Stadtraum Bahnhof Brugg Windisch» haben die Einwohnerräte in Brugg und Windisch im Sommer dieses Jahres nach angeregten Debatten die Kredite bewilligt für die Testplanung. Entstehen soll im Zentrum rund um den Bahnhof ein neues, lebendiges Quartier mit bis zu 2000 Einwohnerinnen und Einwohnern sowie 3000 Arbeitsplätzen auf einer Fläche von rund 340'000 Quadratmetern.

Damit seien, hält das BVU fest, klare Signale gesetzt worden für die weiteren Arbeiten in diesem Raum. Mit einer spezifischen Projektorganisation würden zu diesem Zweck die nächsten Schritte bearbeitet durch die beiden Gemeinden und mit Unterstützung durch das BVU.

Unter dessen Federführung sind in einer ersten Sitzung der Behördendelegation der bevorstehende Planungsstart sowie die Projektorganisation für die Vertiefungsarbeiten besprochen worden. Neben den Gemeinden Brugg und Windisch ist der Regionalplanungsverband Brugg Regio vertreten, konkret: Barbara Horlacher, Stadtammann Brugg; Heidi Ammon, Gemeindepräsidentin Windisch; Richard Plüss, Präsident Regionalplanungsverband Brugg Regio sowie Regierungsrat Stephan Attiger. Dazu kommen eine zusätzliche Person aus der Geschäftsstelle des Regionalplanungsverbands sowie weitere Vertreter der kommunalen und kantonalen Verwaltung. Neben der Behördendelegation – über diese läuft die Projektsteuerung – werden gemäss BVU für die anstehenden Aufgaben zusätzliche Beteiligte in die Projektorganisation eingebunden.

Kommunikation und Partizipation erhalten spezielle Beachtung

Ein besonderes Augenmerk in den kommenden Projektphasen gilt der Stärkung der Information und Partizipation, hebt das BVU hervor. Für die Vertiefungsarbeiten sei vorgesehen, eine aktive und regelmässige Kommunikation aufzubauen sowie die Beteiligten – unter anderem Interessengruppen, Institutionen oder Gewerbe – «stufengerecht in den partizipativen Prozess einzubinden».

Heidi Ammon ist Gemeindepräsidentin in Windisch.

Heidi Ammon ist Gemeindepräsidentin in Windisch.

mhu (23. September 2019)

Heidi Ammon, Gemeindepräsidentin in Windisch, spricht von einer Herausforderung als auch einer Chance für das Zentrum. Bis dato sei die Flughöhe sehr hoch gewesen. «Jetzt steigen wir in den Umsetzungsprozess ein.» Ziel sei es, die künftige Verkehrswegführung im Kontext mit der Raum- und Bevölkerungsentwicklung zu diskutieren. «Dabei sollen neben der fachlichen Beratung auf Gemeindeebene auch Vertreter der Gegner wie Befürworter in den Prozess einbezogen werden», betont Heidi Ammon und ergänzt: «Ich erwarte eine offene, konstruktive Haltung zum Entwicklungsprozess. Wir arbeiten am Zielbild der Zentrumsentwicklung unseres Bezirks.»

Auch Barbara Horlacher, Stadtammann in Brugg, bestätigt: «Uns ist es wichtig, dass wir sowohl die Interessen der Stadt als auch der betroffenen Bevölkerung abholen und einbringen können im Rahmen der Vertiefungsarbeiten.» Planungsverbandspräsident Richard Plüss erwartet, «dass dieses Projekt weiterentwickelt wird, die kritischen Punkte durchleuchtet und wo immer möglich eingebaut werden».

Barbara Horlacher ist Stadtammann in Brugg.

Barbara Horlacher ist Stadtammann in Brugg.

Sandra Ardizzone (10. März 2020)

Wann ist mit nächsten Informationen zu rechnen, wann sind erste Ergebnisse zu erwarten? Der Zeitplan richtet sich nach den Beschlüssen in der Richtplanbotschaft von Anfang Mai dieses Jahres, antwortet Carlo Degelo, Leiter Abteilung Verkehr beim BVU. Stand heute sei ab 2023/24 die Vorbereitung der Projektierung inklusive Kreditbeschaffung möglich. Eine nächste Sitzung ist im Frühling 2022 geplant.

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