Birrhard
Blindgänger: Folgt auf Rechnung für Polizei-Einsatz ein Strafverfahren?

Im Sommer schleppte eine Familie aus Birrhard eine Granate von einer Gletscherwanderung am Grimsel nach Hause. Das kommt sie jetzt teuer zu stehen. Möglicherweise hat die Sache auch noch ein juristisches Nachspiel.

Barbara Vogt
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Finder des Blindgängers von Birrhard riskierte sein Leben
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Das unbewohnte Grundstück, zu dem das Bienenhäuschen gehört. Hinten der Laster mit Spezialanhänger der Schweizer Armee.
Blick auf das Bienenhäuschen, wo der Blindgänger deponiert worden war.
Bei diesem Grundstück wurde der Blindgänger abgelegt und in einen sicheren Anhänger der Schweizer Armee abtransportiert. Ein Bewohner von Birrhard nahm die Granate von einer Gletscherwanderung mit nach Hause. (Symbolbild)

Finder des Blindgängers von Birrhard riskierte sein Leben

Kapo AG

Über Jahrzehnte lag die Granate im Gletscher. Bis eine Familie aus Birrhard sich im letzten August auf eine Gletscherwanderung am Grimsel begab, den 8,5 Kilo schweren Blindgänger entdeckte und fand, diesen spannenden Fund müsse man nach Hause nehmen. Ein hübsches Souvenir von den Bergen.

Als die Familie zu Hause bemerkte, dass die Minenwerfgranate scharf sein könnte, deponierte sie sie kurzerhand unterhalb eines Bienenhauses beim Schulhaus. Sie informierte die Nationale Blindgängermeldezentrale über ihren Fund. Unverzüglich reisten die Kantonspolizei Aargau und die Spezialisten der Schweizer Armee an, um den Blindgänger in einem explosionssicheren Wagen fortzuschaffen und zu entsorgen.

Rechnung beglichen

Ein teureres Unterfangen, wie ein Beitrag von Tele M1 zeigt: Die Familie erhielt von der Kantonspolizei Aargau eine Rechnung von mehreren tausend Franken. Den Betrag hat sie nun beglichen. Wie sich dieser genau zusammensetzt, gibt die Kapo nicht bekannt. Es sei ein aussergewöhnlicher Einsatz mit vielen Einsatzstunden und vielen Polizeikräften gewesen, sagt Mediensprecherin Barbara Breitschmid.

Während der Bergung des Geschosses musste die Dorfstrasse in Birrhard während rund zehn Minuten gesperrt werden. Zudem stellte die Polizei sicher, dass sich keine Passanten in der Nähe befanden. Am meisten Spass an der ganzen Aktion hatten wohl die Kinder aus Birrhard: Aus Sicherheitsgründen wurden sie während des Einsatzes nachmittags früher aus der Schule nach Hause geschickt. Es war ihr erster Tag nach den Schulferien.

Weil die Familie aus Birrhard diesen Vorfall selbst verschuldet hatte, musste sie auch für den finanziellen Aufwand aufkommen. Solche Fälle seien jedoch höchst selten, sagt Barbara Breitschmid. Ob die Kantonspolizei Aargau bei besonderen Einsätzen wie etwa aufwendigen Rettungsaktionen überhaupt eine Rechnung stelle, werde vorgängig genau geprüft ...

Strafverfahren ist denkbar

Für die Familie aus Birrhard könnte die ganze Sache ein juristisches Nachspiel in Form eines Strafverfahrens haben: Momentan klären die Staatsanwaltschaft Aargau und die Bundesanwaltschaft die sachliche Zuständigkeit ab. Ein Entscheid stehe noch aus, sagt die Staatsanwaltschaft Aargau. Erst danach könne sie entscheiden, ob ein Strafverfahren zu eröffnen sei oder nicht.

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