Brugg
«Bewohner dort abholen, wo sie sind» – in der neuen Demenzstation in Süssbach

Die neue Demenzstation stösst auf grosses Interesse und überzeugt mit grosszügigem Raumangebot.

Ina Wiedenmann
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Fleissige Bewohnerinnen backen in einer der lichtdurchfluteten Küchen Bretzeli für die Gäste, begleitet von Ursi Läuchli, Leiterin Alltagsgestaltung.
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Im Pflegezentrum Süssbach in Brugg ist die neue Demenzstation mit eigenem Garten bezugsbereit.
Eröffnung der Demenzstation

Fleissige Bewohnerinnen backen in einer der lichtdurchfluteten Küchen Bretzeli für die Gäste, begleitet von Ursi Läuchli, Leiterin Alltagsgestaltung.

Claudia Meier

Die neue Demenzstation im Brugger Pflegezentrum Süssbach ist eröffnet. Über 100 Besucherinnen und Besucher sahen sich am Vormittag die Räumlichkeiten an und setzten sich beim «Hirntheater» mit dem Krankheitsbild «Demenz» auseinander.

Bequeme Sofas und Sessel in Grün laden zum Sitzen ein und Wände in sonnigem Gelb bringen Wärme in die Räume mit Möbeln aus hellem Holz. Der breite Gang der neuen Demenzstation lässt viel Platz, um sich zu bewegen.

Auf so manchem Bett in den Zimmern liegen farbenfrohe «Nuschi-Decken», mit deren Hilfe die Bewohner verschiedene Oberflächen und Materialien spüren und greifen können. Die Station und das freundliche Pflegepersonal sind bereit für die Menschen, die hier in Zukunft wohnen werden.

Robert Hediger(84), Hausen «Die Station ist sehr gut eingerichtet. Alles ist hell. Die Farben sind wunderbar aufeinander abgestimmt. Alles ist hier speziell auf die Krankheit ausgerichtet. Das ist sehr gut»
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Monica Aeschbacher(45), Bözberg «Die ganze Station ist sehr grosszügig. Man kann überall absitzen, wenn man nicht mehr mag. Man kann aber auch viel laufen. Und es hat einen Garten, man kann also rausgehen. In einer Woche zieht meine Mutter hier ein.»
Dora Zulauf(77), Schinznach-Dorf «Die neue Station ist sehr schön. Für die Pflege ist es praktisch. Es hat nicht nur einen Gang, sondern es hat auch Nischen, in denen man sich aufhalten kann. Ich habe auch schon hier gearbeitet, nach dem Tod meines Mannes.»
Fredy Markwalder und Liz Gerber, Spreitenbach «Die Station ist offen. Durch die Farben wirkt sie sehr freundlich. Es sieht nicht so klinisch weiss aus. Hier wird mit den Ressourcen der Bewohner so lange wie möglich gearbeitet, um das beizubehalten, was noch geht.»
Kathrin Pfister(67), Lostorf «Es ist alles so übersichtlich. Ich bin heute eigentlich nur gekommen, weil ich eine Freundin besuche, die hier im Süssbach arbeitet. Auffallend schön finde ich die Vorhänge.»

Robert Hediger(84), Hausen «Die Station ist sehr gut eingerichtet. Alles ist hell. Die Farben sind wunderbar aufeinander abgestimmt. Alles ist hier speziell auf die Krankheit ausgerichtet. Das ist sehr gut»

Ina Wiedenmann

In einer der grosszügigen lichtdurchfluteten Küchen ist Ursi Läuchli, Leitung Alltagsgestaltung, zusammen mit mehreren Bewohnerinnen. Sie sitzen an einem Tisch und backen in fröhlicher Runde «Bretzeli» für die Gäste.

«Man muss die Menschen dort abholen, wo sie sind», sagt Läuchli. Daher gibt es überall Dinge aus früheren Zeiten: ein Waschbrett, eine alte Nähschatulle, daneben ein Buch vom damaligen «Zuschneide-Unterricht» aus dem Jahre 1922. Für die Besucher ist es eine Reise in die Vergangenheit, für die Bewohner die Gelegenheit, sich zu erinnern.

Demenz geht uns nahe

Im voll besetzten Süssbachsaal begrüsst Geschäftsführer Hanspeter Müller die Gäste. Franziska Maria von Arb moderiert das interaktive «Hirntheater» und drei Schauspieler stellen eine Szene dar: Der an Demenz erkrankte Herr Bach erinnert sich nicht mehr an seine Frau, die ihm extra zum Geburtstag eine Linzertorte gebacken hat. Frau Bach ist traurig darüber und die Pflegefachfrau gefordert.

Rund um diese Situation wird das Publikum zum Mitdiskutieren und Mitgestalten eingeladen. Die vielen Wortmeldungen zeigen, dass Demenz uns nahegeht. Auf der Bühne beobachtet Herr Bach bis zum Schluss Meisen vor dem Fenster und betont: «Ich esse keine Vögel». Als die Pflegefachfrau erklärt, dass auf dem Menüplan «Fleischvögel» stehen, lacht der ganze Saal. Herr Bach macht das nichts aus. Er ist in seiner Welt.

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