Brugg
Begleitet sterben: Am Ende zahlt der Mensch

Der Verein Palliative Aargau und das Hospiz Aargau thematisieren die Schwierigkeiten, beim Wunsch zu Hause zu sterben.

Deborah Bläuer
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Im neuen Hospiz-Wohnzimmer: Dieter Hermann und Anna Tanner arbeiten nicht nur für die Filmvorführung eng zusammen.Bla

Im neuen Hospiz-Wohnzimmer: Dieter Hermann und Anna Tanner arbeiten nicht nur für die Filmvorführung eng zusammen.Bla

Deborah Bläuer

Unter dem Motto «Am Ende zählt der Mensch – Am Ende zahlt der Mensch» organisiert der Verein Palliative Aargau mit Unterstützung von Hospiz Aargau am Samstag eine Filmvorführung mit anschliessender Podiumsdiskussion im Kino Odeon in Brugg.

Danach gibt es einen Apéro und an Ständen stehen Vertreter von im palliativen Bereich tätigen Institutionen für weitere Auskünfte zur Verfügung. Es ist bereits der dritte Anlass dieser Art. Wie in den Jahren zuvor, findet er auch heuer am Welt Hospiz- und Palliative-Care-Tag statt.

Der Film «Puls vor Ort» zur Palliativversorgung beleuchtet die Situation in einem Pflegeheim für hochbetagte Menschen, wo der Tod zum Alltag gehört. Ausserdem wird gezeigt, wie schwierig die Versorgung von Menschen ist, die zu Hause sterben wollen. Zu Gast ist «Puls» beim prominenten Palliativmediziner Gian Domenico Borasio.

Sie wollen aufrütteln

Ziel der Veranstaltung sei es, zu informieren, aufzurütteln und die Angebote in der Palliative Care, aber auch die Problematik der Finanzierung aufzuzeigen, erzählen Anna Tanner, Geschäftsführerin von Palliative Aargau, und Dieter Hermann, Geschäftsführer von Hospiz Aargau. Für die Hospize sei das Geld knapp, sie kämpften täglich ums Überleben und gegen ein Defizit an. So auch das Hospiz Stationär Palliative Care in Brugg.

Mit der spezialisierten Pflege sowie der engen Begleitung von Angehörigen sei der Aufwand des stationären Hospizes deutlich höher als der von den Krankenversicherungen vergütete, erläutert Hermann. Dies bedeutet für den Patienten, dass er einen Anteil von zirka 1900 Franken pro Woche selbst bezahlen muss. Für so manchen ist das ein Ding der Unmöglichkeit. In solchen Fällen springt das Hospiz in die Bresche. Die Institution übernimmt die gesamten Kosten und versucht, einen Teil des Gelds von den Sozialämtern oder den Gemeinden einzufordern. Um dieses Angebot weiterhin aufrechterhalten zu können, ist das Hospiz auf jährlich 600 000 bis 700 000 Franken aus Spendengeldern und Legaten angewiesen.

«Wir wünschen uns vom Staat die Anerkennung, dass Sterben kein Privileg für reichere Menschen ist und die spezialisierte Palliative Care am Lebensende auch finanzielle Vergütung erfährt», sagt Hermann. Allerdings kann Tanner einräumen, dass es diesbezüglich Fortschritte gebe. Zurzeit laufe ein Programm, in dem der Kanton einen Teil der Ausbildungskosten von Pflegepersonal und Freiwilligen im Bereich Palliative Care übernehme. Dadurch könnten die Unterstützungsangebote in diesem Bereich weiterentwickelt werden.

Für Menschen wie du und ich

Denn mit der Pflege von todkranken Menschen zu Hause seien viele Angehörige überfordert. Folglich würden die Patienten oft ins Spital eingewiesen und bald darauf wieder entlassen. Im Hospiz ginge es dagegen meistens schnell. Ab dem Eintritt dauere es durchschnittlich elf Tage, bis die Patienten verstürben, erklärt Hermann. Viele Leute könnten loslassen, wenn sie merkten, dass sie niemandem mehr zur Last fallen. Eine Fähigkeit, mit der sich die Medizin oft schwertue. Und so würde viel Geld für aufwendige und fragliche Spezialbehandlungen ausgegeben und den Patienten fälschlicherweise Hoffnung gemacht. Viel sinnvoller sei es, stattdessen für eine gute Lebensqualität während der verbleibenden Zeit zu sorgen.

Tanner und Hermann betonen, dass der Anlass keine Fachtagung sei, sondern sich an «Menschen wie du und ich» richte. Den Leuten soll gezeigt werden, welche Angebote im Bereich Palliative Care im Kanton Aargau bestehen und was für Kosten auf die Betroffenen zukommen. Tanner sagt: «Wir wollen den Leuten in Erinnerung rufen, dass das Leben endlich ist und sie dazu anregen, sich rechtzeitig damit auseinanderzusetzen, wie und wo sie sterben wollen.» Hermann ergänzt: «Schliesslich geht es uns alle an.»

Welt Hospiz- und Palliative-Care-Tag im Kino Odeon Brugg. Samstag, 14 Oktober, um 11 Uhr. Eintritt 15 Franken. Infos und Platzreservation unter www.odeon-brugg.ch/palliativaargau

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