Brugg
Barbara Vigfusson macht Brugg 2016 zur Fröhlich-Stadt

Der Sängerin Barbara Vigfusson bedeutet der früh verstorbene Komponist Friedrich Theodor Fröhlich derart viel, dass sie am 16.Oktober 2016 einen Fröhlich-Tag organisiert. Sein musikalischer Fundus ist eine Überraschung.

Elisabeth Feller
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Noch weht ihr an der Fröhlichstrasse in Brugg ein rauer Wind entgegen: Chorleiterin und Sängerin Barbara Vigfusson organisiert nächstes Jahr einen Fröhlich-Tag.

Noch weht ihr an der Fröhlichstrasse in Brugg ein rauer Wind entgegen: Chorleiterin und Sängerin Barbara Vigfusson organisiert nächstes Jahr einen Fröhlich-Tag.

Sandra Ardizzone

Fröhlich war der Brugger Komponist Friedrich Theodor Fröhlich (1803–1836) nicht immer. Im Gegenteil: Er litt unter Depressionen, Finanz- und Eheproblemen sowie mangelnder Anerkennung.

Schliesslich sah er keinen Ausweg mehr. Erst 33-jährig, nahm er sich das Leben. «Zwischen Lauffohr und Stilli hat man ihn aus der Aare gezogen», sagt Barbara Vigfusson und verstummt kurz.

Dann nimmt sie ein Mäppchen zur Hand und deutet auf ein Bild des Komponisten mit Familie sowie den Titel: «Denn im Wasser wird’s so klar, wie’s auf Erden traurig war.» Wie diese Worte aus dem «Lied der Meermädchen» klingen, wird man am 16. Oktober 2016 hören können.

Dann jährt sich der Todestag des Bruggers zum 180. Mal, was Barbara Vigfusson zum Anlass nimmt, einen Fröhlich-Tag in Brugg zu gestalten.

«Fröhlich-Tag: Das ist kurz und bündig, nicht wahr?», fragt die Sängerin und Gesangspädagogin. Sie blickt nach draussen, weil der Regen an die Fenster klatscht. Sie werde bestimmt tropfnass, wenn sie in einigen Minuten zur Fröhlichstrasse aufbreche, um dort fotografiert zu werden.

Aber natürlich werde sie mitmachen, ungeachtet, wie garstig das Wetter sei. Schliesslich habe sie Übung – auch in Island müsse man wetterfest sein. Mit Erwähnung dieser Insel ist ihr Name erklärt. Sie ist mit einem Isländer verheiratet.

Ihr Mann, Johannes Vigfusson, hat Physik und Klavier in Zürich studiert. Dort hat sie ihn kennen gelernt und ist mit ihm später, berufshalber, nach New York und Princeton gezogen.

Nach Jahren ging es zurück in die Schweiz, zuerst nach Würenlingen – Johannes Vigfusson war am HSK, dem Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat (heute Ensi), tätig – anschliessend nach Freienwil und vor zweieinhalb Jahren nach Brugg.

Auf Handschriften gestossen

Nachdem sie über 20 Jahre an der Musikschule der Region Baden unterrichtet hatte, hat sich Barbara Vigfusson im August selbstständig gemacht und lehrt nun zu Hause am Rebmoosweg.

Ihr Mann Johannes ist mittlerweile wieder am Klavier anzutreffen; etwa als Begleiter des von seiner Frau vor elf Jahren gegründeten, neunköpfigen Frauenstimmen-Ensembles Vocembalo.

Hat dieses denn etwas mit Friedrich Theodor Fröhlich zu tun? Und ob, betont Barbara Vigfusson. «Ich bin permanent auf der Suche nach Literatur für Frauenchor, was nicht sehr einfach ist.

Vor einem Jahr bin ich dann in der Universitätsbibliothek Basel auf Lieder für verschiedene Besetzungen – und das sind mehr als 300 – von Friedrich Theodor Fröhlich gestossen: lauter Handschriften, die ganze Schachteln füllen.»

Natürlich war Barbara Vigfusson der früh verstorbene Brugger Komponist ein Begriff, nicht zuletzt durch den Sänger Rudolf Remund: «Er ist ein Fröhlich-Pionier, der Lieder des Komponisten in der Universitätsbibliothek kopiert, in Konzerten vorgetragen und bei Books on Demand unterm Titel ‹Die traurigen Lieder des Theodor Fröhlich› publiziert hat.»

Dass der Brugger Komponist jedoch ein derart reiches Oeuvre an Chor- und Orchesterwerken, geistlichen Kompositionen und Kammermusik hinterlassen hat, das war selbst für Vigfusson neu.

Für sie kommt «dieser bedeutende Schweizer Romantiker Felix Mendelssohn am nächsten. Fröhlich hat aber einen eigenen, unverwechselbaren Stil.» Kurzum: Die Idee eines Fröhlich-Tags nahm Gestalt an, selbst wenn viele Hürden zu bewältigen waren und noch immer sind.

Nur ein Beispiel. Fröhlichs Werk ist zum grössten Teil nur handschriftlich überliefert, weshalb Sibelius 8 unverzichtbar ist – ein System, das einen professionellen Notensatz erlaubt. Wie so viele Musikerinnen und Musiker bedauert auch Vigfusson, dass Fröhlichs vielfältiges Schaffen kaum publiziert ist.

«Wir werden jetzt versuchen, verschiedene Verlage dafür zu interessieren, um damit die Verbreitung seiner Kompositionen in Zukunft zu sichern.»

Sängerinnen gesucht

Am Fröhlich-Tag wird sowohl aus Handschriften wie aus selbst hergestellten Notensätzen musiziert. Einzig das im Zimmermannhaus gespielte Streichquartett E-Dur ist durch die Initiative der jungen Brugger Cellistin Carola Gloor beim Amadeus Verlag und ein Teil der geistlichen Motetten beim Carus Verlag verlegt worden.

Schon heute, Monate voraus, «steht» der Fröhlich-Tag bis in alle Einzelheiten: mit so renommierten Gästen wie dem Sängerpaar Susanne Oldani und Rudolf Remund, den Voce d’Argovia , dem Casal-Quartett und der Sprecherin Roswita Schilling.

Barbara Vigfusson lächelt: Sie habe nicht umsonst eine Kulturmanagement-Ausbildung absolviert. Also weiss sie auch, wo Geldquellen sprudeln könnten. Die Stadt Brugg hat ihre Unterstützung zugesichert; das Aargauer Kuratorium wird in einigen Tagen über einen Beitrag entscheiden.

Den Rest wird Barbara Vigfusson auftreiben. Keine Angst davor? «Ich habe schon so viele Projekte aufgegleist; das wird schon klappen.»

Fehlt noch etwas? «O ja, etwa sechs bis neun Sängerinnen – in den Stimmlagen Sopran, Mezzosopran und Alt – für den Programmteil, den Vocembalo bestreitet.» Fröhlich hin, Fröhlich her: Gibt es für Barbara Vigfusson überhaupt noch etwas anderes, das sie beschäftigt?

Sie nickt: «Unsere Konzerte mit Barockmusik sowie alten deutschen und isländischen Weihnachtsliedern in Brugg und Auenstein.» Darauf muss man nicht bis 2016 warten, die finden nämlich schon in dieser Woche statt.

Weihnachtsmusik Mit dem Ensemble
Vocembalo: Freitag, 4. Dezember, 20 Uhr, Atelier zum goldenen Adler an der Hauptstrasse 44, Brugg; Samstag, 5. Dezember, 19.30 Uhr, Reformierte Kirche, Auenstein.

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