Atomabfälle

Atomendlager Bözberg: Nagra startet seismische Messungen

Seismische Messungen rund um den Bözberg: Im Einsatz stehen sechs Vibrationsfahrzeuge, 150 Kilometer Kabel, 60'000 hochempfindliche Messinstrumente (Geofone) und ein Fuhrpark von rund 60 Fahrzeugen.

Seismische Messungen rund um den Bözberg: Im Einsatz stehen sechs Vibrationsfahrzeuge, 150 Kilometer Kabel, 60'000 hochempfindliche Messinstrumente (Geofone) und ein Fuhrpark von rund 60 Fahrzeugen.

Die Nagra hat im Standortgebiet Jura Ost für ein mögliches Atomendlager dreidimensionale Messungen des Untergrundes aufgenommen. Rund um den Bözberg wird ein 100 Quadratkilometer grosses Gebiet in drei Monaten seismisch untersucht.

Die dreidimensionalen Messungen seien Bestandteil des Standortwahlverfahrens für geologische Tiefenlager, sagte Markus Fritschi, Mitglied der Geschäftsleitung der Nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra), am Donnerstag vor den Medien in Kleindöttingen AG. Die Gesteinsschichten würden flächenhaft abgebildet.

Atomendlager: Die Nagra führte 2015 schon seismische Messungen rund um den Bözberg durch – Markus Fritschi von der Nagra-Geschäftsleitung erklärt, was genau passiert.

Atomendlager: Nagra startet seismische Messungen rund um den Bötzberg – Markus Fritschi von der Nagra-Geschäftsleitung erklärt, was genau passiert.

Wichtige Erkenntnisse erwartet

Allfällige geologische Störungen könnten erkannt werden. Mit den Messungen könnten wichtige Erkenntnisse für die Standortwahl gewonnen werden. Bis die Ergebnisse der Messungen vorliegen würden, vergehe jedoch noch einige Zeit.

Der Aufwand und der Maschinenpark für die Feldarbeiten sind gross. Im Einsatz stehen sechs Vibrationsfahrzeuge, 150 Kilometer Kabel, 60'000 hochempfindliche Messinstrumente (Geofone) und ein Fuhrpark von rund 60 Fahrzeugen.

Was sind 3D-seismische Messungen? Wie funktionieren sie und weshalb sind sie nötig? Das Nagra-Erklärvideo.

Was sind 3D-seismische Messungen? Wie funktionieren sie und weshalb sind sie nötig? Das Nagra-Erklärvideo.

Die Messungen führt die deutsche Firma DMT mit 120 Mitarbeitenden im Auftrag der Nagra aus. Die Arbeiten finden in den kommenden drei Monaten an sechs Tagen pro Woche statt.

Die seismischen Messungen würden routinemässig in verschiedenen Regionen durchgeführt, vom ländlichen Raum mit intensiver Landwirtschaft bis zu dicht besiedeltem Gebiet, erläuterte Nagra-Projektleiter Marian Hertrich.

An einer Medienkonferenz Anfang Oktober präsentierte die Nagra die Vibrationsfahrzeuge, mit denen sie die seismischen Messungen durchführen wird.

An dem Medienkonferenz präsentierte die Nagra die Vibrationsfahrzeuge, mit denen sie die seismischen Messungen durchführen wird.

Schwache Schwingungen als "Echos"

Die Nagra vergleicht die Messungen, welche die Tiefen von bis zu einem Kilometer abbilden, mit einem Echolot auf Schiffen. Vibrationsfahrzeuge oder kleine Sprengladungen in bis zu acht Metern tiefen Bohrlöchern erzeugten schwache Schwingungen.

Diese Schwingungen würden sich wellenartig im Untergrund ausbreiten, wo sie an den verschiedenen Gesteinsschichten reflektiert würden. Innerhalb von Sekunden erreichten diese "Echos" wieder die Erdoberfläche, wo sie von empfindlichen Messgeräten aufgezeichnet würden.

Nach den Vorbereitungen wurden mit den Messungen am Donnerstag im Nordosten des Gebiets Jura Ost, bei Mandach/Villigen, begonnen. Der Endpunkt der Messkampagne liegt in Densbüren.

Die Kantonsbehörden hatten im August die Bewilligung für die Messungen gemäss dem Gesetz über die Nutzung des tiefen Untergrundes und die Gewinnung von Bodenschätzen erteilt. Im Aargau sind rund 1200 Grundeigentümer betroffen.

Messungen im Weinland folgen

Nach Abschluss der Messungen im Standortgebiet Jura Ost erfolgen die Untersuchungen im Standortgebiet Zürich Nordost (Weinland). Es ist das zweite von der Nagra vorgeschlagenen Gebiet in den Kantonen Zürich und Schaffhausen. Diese Messkampagne wird voraussichtlich drei Wochen dauern.

Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) hatte im September bemängelt, dass die Nagra "ungenügende und nicht nachvollziehbare Daten" zur maximalen Tiefenlage der Standortgebiete geliefert hatte. Die Nagra muss die Daten nun nachliefern.

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