Nagra-Entscheid

Ammann Peter Plüss: «Der Widerstand auf dem Bözberg wird zunehmen»

Peter Plüss (links), Gemeindeammann Bözberg, und Ueli Müller, Gemeindeammann Riniken, präsidieren die Regionalkonferenz Jura Ost gemeinsam.

Peter Plüss (links), Gemeindeammann Bözberg, und Ueli Müller, Gemeindeammann Riniken, präsidieren die Regionalkonferenz Jura Ost gemeinsam.

Der Entscheid, dass der Bözberg als Standort für ein geologisches Tiefenlager im Rennen bleibt, kommt für die Regionalkonferenz Jura Ost nicht überraschend. Die Eingrenzung auf zwei Standorte erstaunt den Bözberger Gemeindeammann allerdings schon.

Der Standort Bözberg eignet sich gemäss Nagra sowohl für die Lagerung schwach- und mittelradioaktiver Abfälle als auch für hochradioaktive Abfälle in einem geologischen Tiefenlager. Für die Region Jura Ost komme diese Nachricht nicht überraschend, schreibt die Regionalkonferenz Jura Ost in ihrer Medienmitteilung.

So würde die Oberflächenanlage für das Endlager am Bözberg aussehen – sie ist in Villigen geplant.

So würde die Oberflächenanlage für das Endlager am Bözberg aussehen – sie ist in Villigen geplant.

Allerdings sei er schon sehr überrascht, dass die Eingrenzung auf nur noch zwei mögliche Standorte erfolgt sei, sagt Co-Präsident und Bözberger Gemeindeammann Peter Plüss. Er spricht von einem wegweisenden Vorentscheid, den der Bundesrat kaum mehr umkrempeln werde. Sollte sich aber im Laufe des weiteren Auswahlverfahrens zeigen, dass es um einen politischen Entscheid handle, werde man sich vehement dagegen wehren.

Plüss muss Spagat machen

Wehren wird sich auch der Gemeinderat Bözberg. Der Gesamtgemeinderat sei strikt gegen ein Tiefenlager im Bözberg, sagt Ammann Peter Plüss. Er rechnet damit, dass jetzt der Widerstand auf dem Bözberg zunehmen wird. Bisher war davon noch nicht allzu viel zu spüren. Plüss sieht dafür mehrere Gründe: «Der Bevölkerung war immer klar, dass dieser Standort noch bis 2016 aus dem Auswahlverfahren kippen kann. Dazu kommt, dass gewisse Aspekte wie der Zeithorizont von einer Million Jahre kaum vorstellbar sind.»

Der Perimeter für die Lagerung hochradioaktiver Abfälle ist unter dem Gebiet der Gemeinde Bözberg vorgesehen. Plüss trägt in diesem ganzen Prozess zwei Hüte: Als Co-Präsident der Regionalkonferenz Jura Ost will er sich weiterhin kritisch-konstruktiv am Sachplanverfahren beteiligen. «Das sind wir den nachfolgenden Generationen schuldig.» Als Vertreter des Bözberger Gemeinderats stellt er sich gegen ein geologisches Tiefenlager. «Zwischen diesen zwei Rollen muss ich manchmal den Spagat machen.»

«Das hat schon einen faden Beigeschmack»: Der Bözberger Gemeindeammann Peter Plüss im Video-Statement

«Das hat schon einen faden Beigeschmack»: Der Bözberger Gemeindeammann Peter Plüss im Video-Statement

Grundsätzlich stelle dies aber kein Problem dar, weil die Entscheide der Regionalkonferenz für Behördenmitglieder nicht verbindlich seien. Für die Region stellten sich laut Plüss noch viele grundlegenden Fragen: Was passiert mit den Liegenschaften? Verlieren sie an Wert? Welche Folgen hat es für den Jurapark Aargau und die Regionalprodukte der Winzer und Landwirte?

Regionalkonferenz bereitet Stellungnahme vor

Die nächste Plenarversammlung der Regionalkonferenz Jura Ost findet am 24. Februar statt. Vertreter der Nagra und des Bundesamts für Energie sowie Regierungsrat Stephan Attiger werden den Sachverhalt nochmals erkären. Danach sind die Fachgruppen gefordert, den Entscheid zu prüfen. Bis Ende November wird die Regionalkonferenz ihre Stellungnahme in einem Bericht zusammenfassen. Für Gemeindeammann Ueli Müller aus Riniken ist die Situation als Co-Präsident der Regionalkonferenz Jura Ost nicht gleich wie bei Peter Plüss.

Strahlenberg statt Bözberg?

Müller muss den Hut nicht wechseln: «Wir haben in Rinken das Thema Tiefenlager vor Jahren zur Chefsache erklärt und verfolgen den Prozess kritisch-konstruktiv. Eine offizielle Stellungnahme des Gesamtgemeinderats hat es bisher nicht gegeben.» Wichtig sei nun, dass die Informationen zu diesem komplexen Thema für die Bevölkerung gut verständlich aufbereitet werden, ohne wichtige Fakten zu verschweigen, so Müller weiter.

Die Karte zeigt, welche Gemeinden von einem Endlager im Bözberg betroffen wären.

Die Karte zeigt, welche Gemeinden von einem Endlager im Bözberg betroffen wären.

Reaktionen aus Bözberg AG

Reaktionen aus Bözberg AG

Meistgesehen

Artboard 1