Windisch
Aktuelle Rechtsform des Elektrizitäts- und Wasserwerk bringt Wettbewerbsnachteile

Beim Elektrizitäts- und Wasserwerk ist eine Rechtsformänderung geplant, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Michael Hunziker
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Beim Elektrizitäts- und Wasserwerk Windisch ist eine Rechtsformänderung geplant, um wettbewerbsfähig zu bleiben

Beim Elektrizitäts- und Wasserwerk Windisch ist eine Rechtsformänderung geplant, um wettbewerbsfähig zu bleiben

Emanuel Per Freudiger

Die Rahmenbedingungen und Marktverhältnisse haben sich in den letzten Jahren grundlegend verändert: Das Elektrizitäts- und Wasserwerk Windisch (EWW) muss sich permanent dem Umfeld anpassen. Mit der Energiewende sowie dem technologischen Fortschritt stehen weitere grosse Herausforderungen an, führt der Gemeinderat Windisch aus. «Die jüngere Vergangenheit hat gezeigt, dass die aktuelle Rechtsform des EWW als unselbstständiger öffentlich-rechtlicher Betrieb strukturelle Wettbewerbsnachteile mit sich bringt.»

Im Einwohnerrat steht deshalb eine Rechtsformänderung in eine Aktiengesellschaft zur Diskussion. Konkret geht es um einen Kredit von 125 000 Franken für die erforderlichen Vorabklärungen sowie die detaillierte Ausarbeitung einer Vorlage. Für die Behörde ist klar: «Es muss sichergestellt werden, dass die Voraussetzungen für eine langfristig erfolgreiche Geschäftstätigkeit geschaffen werden. Nur so sind der Werterhalt des eingesetzten Kapitals und die langfristige Versorgung von Bevölkerung und Wirtschaft gewährleistet.»

Der Gemeinderat verweist in seiner Botschaft auf die Vorgeschichte: Bereits 2008 wurde ein Verkauf des EWW ins Auge gefasst, um die Gemeindefinanzen nachhaltig zu sanieren. Dieses Vorhaben wurde vom Einwohnerrat klar angenommen, in der Volksabstimmung dagegen abgelehnt. «Seither hat sich der schweizerische Strommarkt weiter verändert», stellt die Behörde fest und nennt als Stichworte die Stromversorgungsgesetzgebung mit der Teilmarktliberalisierung. Anders ausgedrückt: Für die Verteilnetzbetreiber sei die Situation anspruchsvoller geworden.

Heute sind sie eingeschränkt

Der Gemeinderat erwähnt, dass heutzutage Grosskunden vermehrt den Energielieferanten wechseln und das EWW entsprechend Kunden verliert. «Es ist zudem zu erwarten, dass in ein paar Jahren auch Kleinkunden das Recht haben werden, ihren Energielieferanten frei zu wählen.» Und: «Im sich dynamisch entwickelnden Marktumfeld fehlt dem EWW die notwendige Flexibilität, um sich rasch an Kundenbedürfnisse anpassen und auf Anfragen von Dritten reagieren zu können.»

In der heutigen Form, lautet das Fazit des Gemeinderats, sind sowohl das Elektrizitätswerk als auch das Wasserwerk in ihrer Geschäftstätigkeit eingeschränkt. «So kann das Elektrizitätswerk sein Kerngeschäft nur innerhalb der Gemeinde abwickeln. Netzerweiterungen, Energielieferungen an Kunden ausserhalb des Versorgungsgebiets, Kooperationen etc. sind nicht möglich.» Das Wasserwerk – insbesondere in seiner Funktion als Wasserlieferant für die Gemeinden im Birrfeld – habe ebenfalls schwierige Voraussetzungen für eine weitere Optimierung der Anlagen beziehungsweise einen weiteren Ausbau der Netze.

An mehreren Workshops ist eine neue Unternehmensstrategie für das EWW erarbeitet worden. Als bevorzugte Option des Gemeinderats stellte sich eine Rechtsformänderung heraus. Die Aktiengesellschaft wird als «zweckmässige Rechtsform» bezeichnet.

Es geht nicht um Privatisierung

Mit der geplanten Rechtsformänderung, lautet das Ziel, will der Gemeinderat primär zukunftsorientierte und wettbewerbsfähige Strukturen für das EWW schaffen. «Das EWW soll die strukturellen Voraussetzungen haben, damit es auch in Zukunft die Strom- und Wasserversorgung in der Einwohnergemeinde Windisch eigenständig und aktiv mitgestalten kann.»

Für den Gemeinderat ist es wichtig, dass mit der Aktiengesellschaft die Kundennähe weiter gestärkt und die vorhandenen Arbeitsplätze gesichert werden können. Die zukünftige Aktiengesellschaft soll im vollständigen Eigentum der Einwohnergemeinde Windisch sein. «Es geht bei diesem Projekt somit nicht um eine Privatisierung.»

Auch das Gesamtniveau der Kostenbeiträge, Gebühren, Tarife und Preise «soll möglichst analog der heutigen Situation sein und durch die Rechtsformänderung nicht tangiert werden». Eine Anpassung des Personalbestands ist ebenfalls nicht vorgesehen. «Der Besitzstand der Mitarbeitenden wird für zwei Jahre gewahrt.» Verläuft alles planmässig, beschliesst der Einwohnerrat die Rechtsformänderung im März 2018. Im Juni des gleichen Jahres fällt der Entscheid der Stimmberechtigten an der Urne. Als Stichtag der Rechtsformänderung wird der 1. Januar 2019 genannt.

Einwohnerrat Mittwoch, 14. und 21. Juni, 19 Uhr, Gemeindesaal, Gemeindehaus 8. Stock.

EWW: Es betreibt auch die öffentlichen Brunnen

Das Elektrizitäts- und Wasserwerk Windisch (EWW) ist ein unselbstständiger öffentlich-rechtlicher Betrieb und versorgt mit acht Mitarbeitenden die Gemeinde Windisch mit Elektrizität und Wasser. Ebenfalls ist es Wasserlieferant für die Gemeinden im Birrfeld. Der Absatz beträgt 2016 insgesamt 38,9 GWh (Netznutzung) beziehungsweise 28,3 GWh (Energieverkauf) Elektrizität sowie rund 1 Mio. Kubikmeter Wasser. Zusätzlich betreibt das EWW die öffentliche Beleuchtung und die öffentlichen Brunnen der Einwohnergemeinde Windisch. (az)

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