Hausen
90-jähriges Unfall-Opfer ist ehemaliger Brugger Hotel-Direktor

Friedrich Lang, ehemaliger Hotelier des «Bahnhof-Terminus» in Brugg, ist nach einem Unfall aufgrund seiner schweren Verletzungen verstorben.

Hans-Peter Widmer
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Friedrich Lang

Friedrich Lang

Hans-Peter Widmer

Friedrich Lang, ehemaliger Hotelier des «Bahnhof-Terminus» in Brugg, ist kurz vor dem 91. Geburtstag an den schweren Verletzungen gestorben, die er letzten Samstag bei einem Verkehrsunfall auf der Holzgasse in Hausen erlitt. Knieschmerzen zwangen ihm Krücken auf, aber geistig war er in bewundernswürdiger Verfassung. Seinen Angehörigen, Freunden und Bekannten liess er jeweils auf Neujahr – auch wieder zum jüngsten Jahresbeginn – eine auf der Schreibmaschine abgetippte legendäre «State-of-The-Union-Botschaft» zukommen, in der er in glasklaren Sätzen das Geschehen um ihn und in der weiten Welt reflektierte, oft auch humorvoll glossierte.

Als ob er geahnt hätte, dass es sein letzter Bericht sein könnte, schilderte er im sechsseitigen Neujahrsbrief 2017 wie ein Vermächtnis Episoden aus dem gemeinsamen, arbeitsreichen Leben, das ihn seit über 60 Jahren mit seiner Gattin Erika verband. Die beiden hatten sich bei der Arbeit auf Jersey kennengelernt. Dass sie ihm durch ihre Demenz zusehends entrückte, bedrückte ihn. Aber die vierzehntäglichen Besuche im Pflegeheim Schenkenbergertal gehörten zu seinem eisernen Programm – ebenso wie der tägliche Spaziergang zur Seniorensitzbank unter dem Nussbaum vor dem Dahlihaus, seinem Lieblingsplatz und nunmehr tragischen Schicksalsort.

Die Zuneigung zur Bahn

Der Hotelbetrieb am Brugger Bahnhofplatz bedeutete Fritz Lang alles. Er führte ihn traditionsbewusst in vierter Generation, seit dem Tod des Vaters 1965 bis zur Übergabe an die fünfte Generation, 1984. Danach stand er aber weiterhin als Rezeptionist zur Verfügung. Das vier Jahre vor der Bözbergbahn-Eröffnung 1871 erbaute Hotel «Bahnhof» war 1895 in den Besitz der Familie Lang gelangt und blieb es bis heute – ebenso deren Zuneigung zur Bahn, die auf Urgrossvater Samuel Lang zurückging, den ersten Brugger Bahnhofinspektor. Sie drückte sich auch in der berühmten Modelleisenbahnanlage im Hotel-Estrich sowie in der selber hergestellten, originalgetreuen und mit Goldmedaillen ausgezeichneten Nachbildung des Simplonschnellzuges Genf-Mailand 1906 in Fritz Langs Wohnung in Hausen aus.

Fritz Lang war Hotelier mit Uni-Abschluss. Nach der Kantonsschule Aarau hatte er Ökonomie studiert und sich anschliessend an besten Adressen in der Gastronomie ausgebildet. Dazu gehörten das Carlton St. Moritz, das Palace Montreux, das Casino in Genf, das Château d’Ouchy in Lausanne und das Grandhotel du Pavillon in Paris. Ein Angebot als stellvertretender Hilton-Direktor lehnte er ab, weil ihm die amerikanische Geschäftsmentalität nicht behagte. 1955 kehrte er in den Familienbetrieb zurück, der in der Blütezeit bis zu 130 Gäste beherbergte. Seine Mutter vermochte er eher von neuen Ideen und Umbauplänen zu überzeugen als den patriarchalischen Vater.

Aufgaben in der Öffentlichkeit

Trotz starker geschäftlicher Beanspruchung übernahm Fritz Lang auch öffentliche Aufgaben. Er wirkte in den Vorständen des Aargauischen Wirteverbands und Hoteliervereins mit, war Steuerrekurs-Fachrichter, Präsident der Brugger Finanzkommission sowie als Major im Militär Regiments-Quartiermeister und Kommissariatsoffizier der Grenzbrigade 5.

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