Brugg
20-jährige Bruggerin bricht Lanze für Brugger Komponisten

Mit ihrer Maturaarbeit über Friedrich Theodor Fröhlich nimmt Carola Gloor am Wettbewerb «Schweizer Jugend forscht» teil. Hierfür musste sie ihre Arbeit nochmals überarbeiten – und zwar mit dem Streichquartett-Experten Antonio Baldassarre.

Elisabeth Feller
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Carola Gloor. EF.

Carola Gloor. EF.

Wie lange ist das her? «Sieben Jahre», sagt Carola Gloor. Das Lächeln der 20-Jährigen verrät, dass sie sich selbst amüsiert über die einstige Begegnung. Sie hatte sich damals im Badener Trafo mit ihrem Cello mutig ins Aargauer Symphonie-Orchester (ASO) gesetzt, um mit diesem Tschaikowskys 5. Sinfonie zu spielen.

«Ich mag den schönen, weichen Celloklang», hatte sie damals gesagt, «aber ob ich Musikerin werde, weiss ich nicht. Mein Vater ist Profi – ich kenne somit auch die Schattenseiten des Berufs.»

Inzwischen sind diese kein Thema mehr, denn die Bruggerin studiert Cello an der Hochschule Luzern Musik. Ihr Lehrer ist der renommierte deutsche Cellist Guido Schiefen.

Heute werden Carola Gloor wohl viele Menschen die Daumen drücken. Denn am Samstag werden jene Arbeiten prämiert, die für den Nationalen Wettbewerb 2013 von «Schweizer Jugend forscht» eingereicht worden sind. Eine davon trägt den Titel «Das Streichquartett in E-Dur von Friedrich Theodor Fröhlich. Zum ersten Mal verlegt.»

Ein kleines Wunder

Das mutet zunächst unspektakulär an, doch wer mit der Autorin darüber spricht, ist baff: Carola Gloor hat ein kleines Wunder vollbracht – sie hat mit Fröhlichs zweitältestem Streichquartett eine Preziose aus ihrem Dornröschenschlaf aufgeweckt.

Konkret: Die Musikstudentin hat die originale Notenhandschrift mittels des Notenschreibprogramms Sibelius transkribiert und danach einen Verlag gesucht, der das frühromantische Werk herausgeben sollte.

Die Kosten waren auf 8000 Franken veranschlagt: 5000 Franken trieb Carola Gloor selber auf, 3000 Franken spendete eine Stiftung, die denselben Namen trägt wie der Winterthurer Verlag, bei dem Fröhlichs Streichquartett in E-Dur seit Dezember 2012 in einer Auflage von 280 Stück erhältlich ist: Amadeus.

Sie staunte – und handelte

Die junge Frau mit der sympathisch-offenen Ausstrahlung zieht die Partitur und die vier Einzelstimmen aus ihrer Tasche. Carola Gloor ist stolz und zugleich eine Spur verlegen über die Früchte ihrer Arbeit, deren Umschlag eine alte, schöne Ansicht der Stadt Brugg ziert.

Aus Zufall ist die Musikertochter nicht auf den früh aus dem Leben geschiedenen, auf Konzertpodien nach wie vor ein Schattendasein fristenden Komponisten Friedrich Theodor Fröhlich gestossen (siehe Box). «An der Kantonsschule Wettingen besuchte ich Sologesangsunterricht bei Rudolf Remund. Dort wurde ich mit Fröhlichs Liedern bekannt gemacht.»

Friedrich Theodor Fröhlich

Der Komponist Friedrich Theodor Fröhlich wurde am 20. Februar 1803 in Brugg geboren. Ein Stipendium der Aargauer Kantonsregierung erlaubte ihm 1823/24 sowie 1826–1830 eine musikalische Ausbildung in Berlin bei dem mit Goethe befreundeten Karl Friedrich Zelter und Bernhard Klein. Zurück in der Schweiz, schlug Fröhlich sich als Teilzeitlehrer an öffentlichen Schulen sowie als Leiter von Chören und einem Liebhaberorchester durch. Der Schweizer Komponist litt unter Depressionen. Wohl als Folge der fehlenden Anerkennung seines musikalischen Wirkens stürzte sich Friedrich Theodor Fröhlich am 16. Oktober 1836 in die Aare. (AZ)

Diese gefielen der Schülerin derart gut, dass ihr Interesse geweckt wurde. Und das nicht zuletzt, weil sie am Fröhlichackerweg wohnte. «Aber», sagt sie lächelnd, «ich fand heraus, dass die Adresse nichts mit dem Komponisten zu tun hatte.»

Weil Carola Gloor an der Kantonsschule Wettingen auch in einem Streichquartett spielte, wurde sie noch neugieriger. Sie suchte die Universitätsbibliothek Basel auf. Was sie dort an noch ungehobenen Fröhlich-Schätzen vorfand, liess sie staunen – und handeln.

Sie beschloss, ihre Maturaarbeit Friedrich Theodor Fröhlich zu widmen, wobei sie sich Fragen stellte wie: Was muss ich alles beachten, wenn ich Musiknoten verlegen möchte? Weshalb wurden Fröhlichs Streichquartette zu seinen Lebzeiten nicht verlegt? Wie beurteilen die Mitglieder eines professionellen Streichquartetts Fröhlichs Werk in E-Dur?

Während ihrer Arbeit war es ihr wichtig «von vielen Personen Rückmeldungen im Hinblick auf die erste Fassung meiner Abschrift zu bekommen». Sie befragte die Mitglieder eines professionellen Streichquartetts zu diversen Aspekten von Fröhlichs Werk.

Zudem kontaktierte sie zur Klärung aufkommender Fragen einen professionellen Musikverlag; zog Fachliteratur in Form von Büchern, Artikeln und Dissertationen zurate; recherchierte im Internet zu Musikverlagen und nahm Kontakt mit potenziellen Sponsoren auf.

Eine Aufführung in Brugg?

Die am Ende auf 110 Seiten angewachsene Maturaarbeit nahm Carola Gloor 2011 monatelang in Anspruch. Danach meldete sie sich für den 47. Nationalen Wettbewerb von «Schweizer Jugend forscht» an.

Hierfür musste sie ihre Arbeit nochmals überarbeiten – und zwar mit dem Streichquartett-Experten Antonio Baldassarre. Vor allem die Analyse der vier Quartettsätze führte Carola Gloor noch weiter aus, da während ihrer Maturaarbeit die Zeit für eine ausführlichere Analyse gefehlt hatte.

Wer sie nach dem Aufwand fragt, erntet ein Lächeln. Kein Thema. Die heute in Luzern lebende Studentin freut sich einfach, «dass durch meine Transkription Fröhlichs Streichquartett in E-Dur erstmals der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann.

Jetzt wäre eine Aufführung mit einem professionellen Streichquartett ein wunderschöner nächster Schritt.» Nicht irgendwo, sondern in Brugg. Es müsste doch mit dem Teufel zu- und hergehen, wenn sich kein Veranstalter fände.

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