Kai (Name geändert) suchte im Internet und wurde schnell fündig: Die Anleitung, wie man einen Computer-Virus selbst herstellt, setzte er in die Wirklichkeit um. «Er sendete den Virus einigen seiner Lehrer. Eine Lehrperson hat diesen geöffnet», bestätigt Bernhard Graser, Mediensprecher der Aargauer Kantonspolizei. «Der Virus löschte viele Dateien auf dem Computer des Lehrers», sagt Louis Isenmann, Gesamtschulleiter der Kreisschule Mutschellen. Dort geht der 15-Jährige zur Schule.

Virus-Attacke auf Mutschellen Lehrer

Virus-Attacke auf Mutschellen Lehrer

Kein auffälliger Schüler

Auch Isenmann weiss nicht, welches Motiv Kai zu dieser Tat veranlasste: «Er war und ist auch jetzt kein auffälliger Schüler. Ich vermute, es war ihm einfach langweilig.» Doch Isenmann bohrte bei Kai wegen des Motivs nicht weiter nach, da der Junge an jenem Morgen bereits von der Polizei einvernommen worden war. Er sei halt ein Computer-Freak und verbringe viel Zeit vor dem Computer, ergänzt Isenmann.

Zu einem späteren Zeitpunkt tauchte die Kantonspolizei mit einem Hausdurchsuchungsbefehl bei Kais Familie auf. Dies geschah morgens gegen 6 Uhr früh. «Das ist eine taktische Überlegung. Dank des Überraschungseffekts können keine Beweise vernichtet werden», erklärt Graser. Zudem könne man früh morgens davon ausgehen, dass alle Familienmitglieder anwesend seien. Bei der Durchsuchung wurde Kais Computer sichergestellt und der 15-Jährige gab die Tat auch zu.

Es wird gegen zwei Jugendliche ermittelt

Der Schüler muss sich nun vor der Jugendanwaltschaft wegen Datenbeschädigung verantworten. «Mittlerweile wird bereits gegen zwei Jugendliche der Schule Mutschellen ermittelt», sagt Hans Melliger, Leiter der Jugendanwaltschaft. Er kann aber nicht konkret sagen, mit welchen Konsequenzen Kai rechnen muss: «Generell werden nach einer Straftat bei jedem Jugendlichen die persönlichen Verhältnisse näher abgeklärt.» Das Umfeld, die Perspektiven und die Risikofaktoren würden geprüft.

Zudem werde eruiert, ob beim fehlbaren Jugendlichen eine Rückfallgefahr bestehe, so Melliger. «Es wird die Frage gestellt: ‹Was muss getan werden, damit ein solcher Vorfall nicht mehr passiert?›» Massnahmen, die gegen Jugendliche angeordnet werden können, sind beispielsweise eine intensive Betreuung oder Begleitung bis hin zu einer Einweisung in ein Heim.

«Sollte sich nach den Abklärungen keine Massnahmebedürftigkeit ergeben, können Strafen ausgesprochen werden», sagt Melliger. Diese werden in Form eines Strafkurses oder einer Strafarbeit ausgesprochen. «Bei ähnlichen Internetverfehlungen hat die Jugendanwaltschaft zusammen mit der ‹Imedias› – der Beratungsstelle im Bereich Medien der Pädagogischen Hochschule an der FHNW – spezielle Kurse entwickelt», so Melliger. In diesen Kursen müssten die Jugendlichen sich mit der Tat auseinandersetzen und – je nach Fall – eine Arbeit verfassen, in der ihr fehlbares Verhalten aufgearbeitet und pädagogische Lehren gezogen werden. Durch diese persönliche Arbeitsleistung soll der entstandene Schaden kompensiert werden.

Kai geht weiterhin zur Schule

Vonseiten der Schule muss Kai mit keinen weiteren Konsequenzen rechnen. «Grundsätzlich gilt bei uns die Politik: Wenn ein Jugendlicher bereits von der Jugendanwaltschaft gemassregelt wird, bestrafen wir ihn nicht doppelt», sagt Isenmann. Kai geht weiterhin normal zur Schule. Sein Vergehen sei bisher in der Schule nicht angesprochen worden: «Wir wollen ihn ja nicht vor seinen Klassenkameraden blossstellen.» Isenmann kann sich aber gut vorstellen, dass das Thema zu einem späteren Zeitpunkt im Unterricht thematisiert wird. «Dann natürlich ganz anonym.»